Fraport-Chef bremst Erwartungen

Längere Lärmpausen werden zum Problem

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Frankfurt - Die hessische Regierung hat längere Lärmpausen am Frankfurter Flughafen versprochen. Doch die Umsetzung ist kompliziert. Fraport-Chef Stefan Schulte sieht noch viele Probleme.

In der Diskussion um zusätzliche Lärmpausen am Frankfurter Flughafen hat der Chef des Betreibers Fraport vor überzogenen Erwartungen gewarnt. "Wir gehen davon aus, dass wir Lärmpausen realisieren können", sagte der Vorstandsvorsitzende Stefan Schulte gestern Abend in Frankfurt. Es werde aber nicht möglich sein, gleich zu Anfang sämtliche Ansprüche an die zusätzlichen Ruhepausen etwa in den Punkten Planbarkeit oder gleichmäßiger Lärmverteilung zu erfüllen. Zuletzt hatte der CDU-Fraktionschef im hessischen Landtag, Michael Boddenberg, in einem Interview erklärt, die Lärmpausen könnten "auf Dauer" eingerichtet werden.

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Flughafenchef Schulte nannte noch keine Einzelheiten, wie unter den Anflügen der einzelnen Bahnen die Lärmpausen organisiert werden könnten. Dazu liefen noch Planungen, Simulationen und Absprachen unter anderem mit der Flugsicherung. Die Wettbewerbsfähigkeit des Flughafens dürfe nicht weiter eingeschränkt werden, verlangte der Fraport-Manager. Am stärksten betroffen vom An- und Abfluglärm sind Stadtteile von Frankfurt, Neu-Isenburg und Offenbach sowie Gemeinden im Westen des Flughafens. Grundsätzlich ist geplant, in verkehrsschwächeren Zeiten die Landungen auf eine der drei möglichen Bahnen zu konzentrieren. Ein ähnliches Verfahren gibt es bereits für die Starts von Deutschlands größtem Flughafen, an dem seit 2011 jede Nacht ein sechsstündiges Flugverbot von 23 bis 5 Uhr gilt. Die schwarz-grüne Landesregierung strebt an, diese Ruhephase bahnbezogen um eine Stunde zu verlängern.

Fluglärm für Fraport-Chef Schulte

Sowohl die letzte Abendstunde als auch die erste Betriebsstunde am Morgen gehören in Frankfurt zu den verkehrsschwachen Zeiten, weil laut rechtsgültiger Planfeststellung in diesen beiden Stunden zusammen nur 133 Flugbewegungen erlaubt sind statt der sonst möglichen 256. Allerdings sind in den Randstunden Starts und Landungen ungleich verteilt: Abends finden fast ausschließlich Starts statt, während am Morgen unmittelbar nach 5 Uhr eine Vielzahl von Fliegern in Frankfurt landen will. Darunter sind überproportional viele Großflugzeuge wie der Boeing-Jumbo 747 und die A380 von Airbus, die nicht die neue Nordwestlandebahn nutzen dürfen.

100. Montags-Demo im Flughafen

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Schulte wie auch Lufthansa-Vorstandsmitglied Kay Kratky verwiesen auf bereits erfolgte Schallschutzmaßnahmen. So würden aktuell noch einmal die Gegenanflugrouten angehoben und der Anflugwinkel steiler. Neben der Anschaffung von neuen, leiseren Flugzeugen rüstet Lufthansa die Flotte der A320-Mittelstreckenjets mit eigens entwickelten Wirbelgeneratoren nach. Fraport sieht sich als weltweiter Vorreiter im aktiven Schallschutz. So müssen besonders laute Flugzeuge höhere Start- und Landegebühren zahlen. Die lärmabhängigen Entgelte machten mit rund 100 Millionen Euro inzwischen ein Siebtel des Gebührenaufkommens aus, sagte Schulte.

dpa

Quelle: op-online.de

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