Lärm auf eine Formel gebracht

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Mit dem so genanten Frankfurter Fluglärmindex (FFI) soll ab dem kommenden Jahr die Belastung mit Fluglärm in der Region dargestellt werden.

Frankfurt ‐ Mit dem so genanten Frankfurter Fluglärmindex (FFI) soll ab dem kommenden Jahr die Belastung mit Fluglärm in der Region dargestellt werden. Von Christian Riethmüller

Berechnet wird der Index aus der Dezibel-Zahl des Lärms, aus der Bevölkerungszahl und einem Wert, der die individuell empfundene Lärmbelastung abbildet. Wie Prof. Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, gestern bei der Vorstellung des FFI auf dem Flughafen Frankfurt sagte, sei mit diesem Index, oder, besser gesagt, mit den zwei Indices für den Tag und für die Nacht, eine Maßzahl zur Hand, „die auf einen Blick darstellt, wie sich der Fluglärm in der Region bezogen auf ein Basisjahr und zum Vorjahr entwickelt hat.

„Forum Flughafen und Region“ ist Nachfolgeorganisation

Die Idee eines solchen Index‘ war bei den Verhandlungen zum Anti-Lärm Pakt des „Regionalen Dialogforums“ (RDF) entwickelt worden. Das RDF begleitete bis Juni 2008 den geplanten Ausbau des Frankfurter Flughafens und hat mittlerweile im „Forum Flughafen und Region“ seine Nachfolgeorganisation gefunden, in der Luftfahrt und die an den Flughafen angrenzenden Kommunen einerseits den Widerstreit der Interessen aushandeln und sich andererseits gemeinsam etwa um den „aktiven Schallschutz“ kümmern wollen.

Etwa 30 Kommunen in der Rhein-Main-Region fallen unter die Berechnung des Index. Es gibt einen Tag- und einen Nachtindex. Für die individuell empfundene Wirkung des Lärms wurde für den Tagindex eine repräsentative Studie zugrunde gelegt. Darin gaben 2300 Menschen an, ab wie viel Dezibel sie sich stark belästigt fühlen. Dies war bei der Hälfte der Befragten eine Lautstärke von 60 Dezibel. Für den Nachtindex wurde auf eine Studie zurückgegriffen, in der das Schlafverhalten von Menschen bei Flugzeuglärm beobachtet wurde. Dabei lag die Wahrscheinlichkeit, bei einer Lautstärke von 60 Dezibel aufzuwachen, bei fünf Prozent. Diese Zahlen aus den Studien multipliziert mit der Bevölkerungszahl und dem jeweiligen Fluglärm ergibt im Ergebnis die Anzahl der Menschen, die in den einzelnen Kommunen stark belastet werden. Nach Angaben des neuen Fraport-Chefs Stefan Schulte soll der Index im kommenden Jahr erstmals verwertbare Zahlen liefern.

Über „Reduzierungsziele“ beim Lärm verhandeln

Wie der Bürgermeister von Neu-Isenburg und künftige Landrat des Kreises Offenbach, Oliver Quilling (CDU), als Vertreter der Kommunen gestern sagte, liefert der Index keine Grenzwerte, deren Überschreitung den Gesetzgeber auf den Plan riefe. Vielmehr sei der FFI ein „Messinstrument“, mit dessen Hilfe aber mit der Luftfahrt über „Reduzierungsziele“ beim Lärm verhandelt werden soll.

Der Fluglärmindex soll jedes Jahr neu berechnet werden und dürfte vor allem mittelfristig wichtige Erkenntnisse liefern. Wenn der Ausbau des Frankfurter Flughafens abgeschlossen ist, soll 2013/2014 eine neue Lärmbelästigungsstudie erstellt werden. Der Index liefert dann Anhaltspunkte etwa für eine Zunahme des Fluglärms oder das Lärmempfinden der Anwohner bei der unterschiedlichen Nutzung der Start- und Landebahnen. Diese Erkenntnisse könnten dann für eine bestimmte Betriebsrichtung bei Starts und Landungen ausschlaggebend sein oder zu verstärkten Schallschutzbemühungen in den betroffenen Kommunen führen.

Umwelthaus: Endgültiger Sitz in Kelsterbach

Die verschiedenen Monitorings, die den Ausbau begleiten, sollen auf der Internetseite des Umwelthauses zu sehen sein.

Quasi als Hüter über den Frankfurter Fluglärmindex wird das in diesem Jahr gegründete Umwelt- und Nachbarschaftshaus fungieren, das als Mittler zwischen den beim Flughafenausbau beteiligten Akteuren und der Bevölkerung vorgesehen ist. Im derzeit noch in Rüsselsheim angesiedelten Umwelthaus sollen die verschiedenen Monitorings, die den Ausbau begleiten, neutral und unabhängig aufbereitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Im kommenden Jahr soll das Umwelthaus seinen endgültigen Sitz in Kelsterbach erhalten.

Quelle: op-online.de

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