Lärm gegen Lärm

Hanau/Frankfurt - Schlag 18 Uhr wird es gestern laut in Fraport-Terminal 1, Flugsteig B, Ankunftshalle. Es mögen an die 2800 Menschen sein, die sich mit Tröten, Trommeln und Töpfen Gehör verschaffen wollen. Lärm, um gegen Lärm zu kämpfen. Von Thomas Hanel

In der Woche zuvor hatte die Polizei 2000 Demonstranten gezählt, die Organisatoren hatten von 3500 Menschen gesprochen.

Zum fünften Mal findet die „Montagsdemonstration“ gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens statt: Grundforderung: Nachtflugverbot zwischen 22 und 6 Uhr, neue leisere An- und Abflugtechniken bis hin zur Stilllegung der neuen Landebahn.

Rosemarie Becker aus Flörstadt: „Ich bin heute zum zweiten Mal dabei. War vorher noch nie auf einer Demonstration“, erklärt die Geschäftsfrau. „Seitdem die neue Landebahn in Betrieb ist, ist unser Leben ein Albtraum“, bekräftigt sie ihren Entschluss, auch künftig montags am Flughafen ihr Schild mit der Aufschrift „Ene, mene, miste – weg mit der Piste!“ über den Kopf zu recken. Drastischer drückt es die Sprecherin einer der 60 beteiligten Bürgerinitiativen, Ursula Feltner, aus: „Die neue Landesbahn ist menschenverachtend, Fraport lügt uns an. Die Stilllegung der Bahn sofort muss sein.“

Auch die Menschen aus der Region Hanau zeigten Flagge.

Auffallend viele Rheinhessen sind es am gestrigen Abend, die ihren Unmut über den Ausbau des Flughafens deutlich machen. Friedrich Demmler, Unternehmer mit 80 Mitarbeitern aus Mainz, ist ebenfalls schon mehrere Male bei der Demonstration gewesen. Unerträglich sei der Lärm mittlerweile. Und er schlägt den großen Bogen. „Wir wollen hier doch keinen Frachtverschiebebahnhof auf unsere Kosten. Ein Qualitätsflughafen, der nicht unkontrolliert zum Moloch wird, das sollte das Bestreben der Fraport sein.“ Qualität statt Quantität und Masse fordert er vom Flughafenbetreiber. Ein junger Vater mit einem knapp dreijährigen Knirps auf dem Arm ergänzt: „Klassischer Fall bei uns. Wir haben uns ein kleines Haus bei Rodgau gekauft. Wussten nicht, wie sehr die neuen Flugbahnen und die neue Landebahn unsere Lebensqualität beeinflusst. Es ist der blanke Horror!“ An die finanziellen Einbußen durch den Wertverlust seiner Immobilie wolle er noch gar nicht denken. Jetzt gehe es ihm zunächst um sorgen- und lärmfreie Nachtruhe für seinen Sprößling.

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Aus dem Main-Kinzig-Kreis hat sich Hans Becker mit einigen Nachbarn auf den Weg zum Flughafen gemacht. Wie fast alle der etwa 2800 Demonstranten auch er ein seriös gekleideter Mann in den mittleren Jahren, den man eher im Theater vermutet als bei einer Demonstration. Seine Motivation, mit der S-Bahn zur abendlichen Kundgebung zum Terminal 1 nach Frankfurt zu fahren, ist dieselbe wie die seiner Mitstreiter: Verlust von Lebensqualität, gestörte Ruhe – seiner Meinung nach alles Auswirkungen einer falschen Flughafen-Politik. Der Landesregierung wirft er Wortbruch und Lobbyismus zugunsten des Flughafens vor. Indes fahren Sprecher der Bürgerinitiativen noch härtere Geschütze auf. Mehr Sicherheit vor Abstürzen fordern sie, mehr Bürgerbeteiligung bei der Planung der Großprojekte, Schaffung von einklagbaren Grenzen der Belastung.

Mit einem Marsch durch die Flughafenhalle schließen die Demonstranten ihre Kundgebung nach knapp einer Stunde. Ausschreitungen oder Gewalt hat es dem Vernehmen nach nicht gegeben.

Quelle: op-online.de

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