Bürgermeister aus der Region protestieren

„Lärm mindern statt verteilen“

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Eine Resolution zum „Maßnahmenprogramm Aktiver Schallschutz“ haben gestern die Rathauschefs von Egelsbach, Erzhausen, Ginsheim-Gustavsburg, Hainburg, Heusenstamm, Messel, Neu-Isenburg, Obertshausen, Rodgau und Seligenstadt vorgelegt.

Heusenstamm - Flugzeuge müssen leiser werden, fordern Bürgermeister und Stadtparlamente von zehn Kommunen rund um den Flughafen. Von Claudia Bechthold 

Gemeinsam protestieren sie damit gegen die geplanten Verlagerungen von Flugrouten, mit denen die Anwohner in sogenannten hochbelasteten Städten wie Offenbach, Frankfurt oder Darmstadt entlastet werden sollen.

Mit einer gemeinsamen Resolution, die die Vertreter von Seligenstadt, Hainburg, Rodgau, Neu-Isenburg, Heusenstamm, Obertshausen, Egelsbach, Messel, Erzhausen und Ginsheim-Gustavsburg gestern in Heusenstamm unterzeichnet haben, richten sie sich an „alle zuständigen Institutionen und Behörden“. Adressat seien vor allem das Forum Flughafen und Region, die Fraport, die Fluglärmkommission, das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung sowie die Landesregierung.

Im Januar hatte das Forum Flughafen und Region einen „Maßnahmenprogramm Aktiver Schallschutz“ vorgestellt, mit dem An- und Abflugrouten rund um den Flughafen verändert werden sollen. Damit werde man hochbelastete Städte wie Offenbach, Frankfurt und Darmstadt entlasten, hieß es.

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So sollen zum Beispiel künftig jene Flieger mit Zielen im Norden, die bei Ostwind starten, nicht mehr schon über Offenbach nach links abbiegen, sondern zunächst weiter Richtung Osten fliegen. Zudem solle festgelegt werden, dass bis zu 20 alte und schwere Maschinen bei Ostwind über dem Kreis Offenbach starten dürfen, berichtete Heusenstamms Verwaltungschef Halil Öztas (SPD): „Diese Flugzeuge sind sehr viel niedriger unterwegs.“

„Das Programm ist keine echte Lärmminderung, sondern nur eine Verlagerung zulasten anderer, nämlich zulasten von mehr als 200 000 Menschen in der Region, die wir vertreten“, betonte Öztas. Seiner Überzeugung nach würde die Lärmbelastung für die Offenbacher, Frankfurter und Darmstädter zudem kaum spürbar geringer.

Völlig außer Acht gelassen wird bei den Vorschlägen des Forums nach Ansicht der Bürgermeister die Gesamtbelastung der Bürger mit Lärm. Und auch die Ergebnisse der sogenannten Norah-Studie, die zeigten, dass Lärm krank macht, würden nicht einbezogen, kritisierte Rainer Seibold, Bürgermeister von Erzhausen. Diese Studie fordert planbare Lärmpausen für die Bewohner.

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Aber auch die Gesamtlärmbelastung müsse eingerechnet werden, forderte Hainburgs Rathaus-Chef Alexander Böhn (CDU). Denn neben dem Lärm aus der Luft komme solcher ja auch von der Straße, von Gleisen und mancherorts auch vom Wasser. Daraus ergebe sich meist ein ganz anderes Bild. „Die Wahrnehmung der Bürger ist der kumulierte Lärm“, ergänzte Jürgen Hoffmann (SPD) aus Rodgau.

Der Lärm müsse an der Quelle beseitigt werden und nicht verschoben, verdeutlichte Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel die Hauptforderung der zehn Kommunen: „Wenn alle Flugzeuge umgerüstet würden, konnte der Fluglärm um 50 Prozent verringert werden.“

Der protesterfahrene Rechtsanwalt Thomas Mehler ergänzte schließlich, dass zum Beispiel die Lufthansa längst über leisere Flugzeuge verfüge, diese aber aus Ärger über die Fraport im Streit um Billigfluggesellschaften nicht in Frankfurt stationiere. „Wir lassen uns nicht mit Lärmverlagerungen gegeneinander ausspielen“, fasste Hunkel zusammen.

Quelle: op-online.de

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