Lärmindex: Wie die neuen Vorschläge wirken

Frankfurt (mic) ‐ Das Forum Flughafen und Region (FFR) hat eine Methode entwickelt, mit der sich erstmals Angaben über die Zahl der durch den Fluglärm belästigten und der durch Fluglärm hoch belasteten Menschen treffen lassen.

Sie basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Auswirkung von Lärm auf die Gesundheit, auf Lärm-Messdaten rund um den Flughafen und auf repräsentativen Umfragen. Dieser „Lärmindex“ ermöglicht es, die Entlastungswirkungen der Maßnahmen zu errechnen. Der Lärmindex, der einen Tag- und einen Nachtwert ausweist und in den Daten aus rund 30 Kommunen eingerechnet sind, soll jedes Jahr neu berechnet werden. Dadurch lassen sich die Auswirkungen von Lärmminderungsmaßnahmen erkennen.

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Lärmindex: Wie die neuen Vorschläge wirken

Legt man die Zahl der aktuellen Flugbewegungen (ohne neue Nordwest-Landebahn) von 480 000 Starts und Landungen mit 56 Millionen Passagieren pro Jahr zugrunde, leben insgesamt 284 000 Menschen in einem Lärmbelastungsgebiet. Hier nehmen die Wissenschaftler des Öko-Instituts in Darmstadt Probleme der Bevölkerung durch Fluglärm an. Die Lärmforscher gehen aber davon aus, dass nicht alle Menschen den Krach der Flugzeuge als wirkliche Belästigung empfinden. Deshalb reduziert sich die Zahl der potenziell Betroffenen von 284 000 auf diejenigen Menschen, die wirklich unter den Flugzeugen leiden. Dies sind nach den Berechnungen der Wissenschaftler 93 000. Sie werden „Hochbelästigte“ genannt. In dieser Gruppe führen die vorgeschlagenen Lärmminderungs-Maßnahmen - Optimierung der Anflugverfahren, Umrüstung der B737-Flotte und häufigerer Westbetrieb - zu einem Rückgang um 8,3 Prozent.

Im Kerngebiet, das besonders nahe am Flughafen, beziehungsweise an den Flugkorridoren liegt und in dem die Störungen durch Flugzeuge deutlich gravierender ausfallen, leben 21  700 Menschen. Von diesen empfinden - ebenfalls basierend auf Befragungen und hochgerechnet - rund 9 900 eine echte Einschränkung der Lebensqualität. Bei diesem Personenkreis, sie werden in der Studie „Hoch Betroffene“ genannt, könnten die vorgeschlagenen Maßnahmen eine Verminderung um 16 Prozent bewirken.

420.000 Menschen drohen Schlafstörungen

Im Jahr 2020 werden laut Luftverkehrs-Prognose über 88 Millionen Fluggäste und etwa 700 000 Flugbewegungen pro Jahr für Deutschlands größten Airport erwartet. Die Effekte der Lärmminderungsmaßnahmen sind da deutlich schwächer: So geht das Öko-Institut davon aus, dass zu diesem Zeitpunkt nicht mehr „nur“ 284.000 Menschen von Fluglärm betroffen sein könnten, sondern 434.000. Von dieser Gruppe fühlen sich tatsächlich 150.000 hoch belästigt. Im engeren Bereich des Flughafens beziehungsweise der Flugkorridore leben dann 34.100 Menschen. Von dieser Gruppe, die deutlich stärker belastet ist, fühlen sich 15 800 „hoch belastet“. Nach der Umrüstung der Boeing-Flotte bleiben als lärmmindernde Maßnahmen die Optimierung der Anflugverfahren, das Vergrößern der Anflugwinkel auf der dann realisierten Nordwestbahn und der zusätzliche Westbetrieb. Diese drei Faktoren senken aber den Kreis der „Hoch Belästigten“ gerade mal um 1,9 Prozent, den der „Hoch Belasteten“ um 6,6 Prozent.

Bei der Beurteilung des Nachtfluglärms gehen die Wissenschaftler davon aus, dass 420.000 Menschen in einem Gebiet leben, wo es zu Schlafstörungen durch Fluglärm kommen kann. Hier werden die Menschen rein rechnerisch insgesamt 483 000-mal pro Nacht durch eine Störung des Schlafs bzw. durch Aufwachen nach Überflügen durch Flugzeuge gequält. Bei diesem Personenkreis bewirken die vorgeschlagenen Maßnahmen einen Rückgang der Störungen um 20,7 Prozent.

Auch nachts gibt es einen Bereich, in dem die Störungen besonders massiv sind. Hier leben 58 300 Menschen, die aufgrund des nächtlichen Fluglärms rein rechnerisch 107  000-mal entweder in ihrem Schlaf gestört werden oder sogar aufwachen. Für sie haben die Wissenschaftler einen Rückgang der Störungen um 40 Prozent durch die lärmreduzierenden Vorkehrungen getroffen. Die Maßnahmen sind hier optimierter Anflug, Umrüstung B737-Flotte, Segmented RNAV Anflug und DROPS.

Quelle: op-online.de

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