Lärmpausen am Flughafen

Der Ostwind, ein Spielverderber

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So funktioniert der Flughafen bei Westwind: Die Flugzeuge starten und landen in Richtung Westen. In der Grafik sind die für das Lärmpausen-Konzept entscheidenden Anflugrouten auf die drei schwarz markierten Parallelbahnen Nordwest (oben) Center (Mitte) und Süd (unten) hellblau markiert. Das Bild in Großansicht.

Wiesbaden/Offenbach - Am morgigen Donnerstag sollten die umstrittenen Lärmpausen am Frankfurter Flughafen zum ersten Mal getestet werden. Doch passieren wird wohl gar nichts. Von Michael Eschenauer 

Wenn erwartungsvolle Spannung ins Leere läuft, ist es besonders frustrierend: „Wir haben seit einigen Tagen eine stabile Ost-Wetterlage“, sagte gestern Kristina Kelek, Sprecherin der Deutschen Flugsicherung (DFS) in Langen. Auf Prognosen zur Windrichtung am Donnerstag will man sich bei den Wächtern des Luftraumes trotzdem nicht einlassen. Da ist das Umwelthaus mit seiner „Betriebsrichtungsprognose“ schon mutiger. Sie geht für Donnerstagmorgen, 5 Uhr mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit von Ostwind aus.

Wir müssen uns also erstmal in Geduld üben, bevor wir die „Lärmpausen“, eine der wichtigsten Erfindungen der schwarz-grünen Koalition für mehr Lärmschutz am Frankfurter Flughafen, einer Erstbewertung unterziehen können. Denn das Ganze funktioniert bisher leider ausschließlich bei Westwind.

"Spürbare Entlastung der Anwohner"

Federführend in der Angelegenheit ist Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Noch am 28. Januar hatte er bei der Vorstellung des endgültigen Konzepts davon gesprochen, dass es eine „spürbare Entlastung der Anwohner“ geben werde. Auch die Präsentation seines Ministeriums behauptet: „Wir entlasten die Region. Spürbar. Messbar. Nachvollziehbar.“

Trotzdem, auch wenn wahrscheinlich zunächst gar nichts passiert: Morgen früh geht der Hoffnungsträger der Landesregierung zumindest theoretisch, an den Start. Dabei werden die Abflüge und Landungen so auf das aus vier Start- und Landebahnen bestehende System des Frankfurter Flughafens verteilt, dass die Anwohner mehr oder weniger regelmäßig entweder morgens zwischen 5 und 6 Uhr oder abends zwischen 22 und 23 Uhr eine um eine Stunde verlängerte Nachtruhe genießen können. Das Nachtflugverbot zwischen 23 und 5 Uhr gilt unabhängig davon weiter.

Flugverkehr nimmt aber nicht ab

Durch die Lärmpausen nimmt der Luftverkehr - jeden Tag starten und landen in Frankfurt rund 1500 Flugzeuge - nicht ab, sondern die Starts und Landungen werden lediglich zeitweise anders auf das Bahnsystem verteilt. Das heißt eine Entlastung an der einen führt immer zu einer Mehrbelastung an einer anderen Stelle.

Wie berichtet, wird ein bestimmtes Lärmpausen-Konzept, das „Modell 4“, in einen einjährigen Test gehen. Allerdings nur mit dem Teil für Westwind-Lagen. Das heißt bei Starts und Landungen in westlicher Richtung. Der Ostwind-Teil wurde von der Fluglärmkommission wegen zu hoher Belastung von ohnehin stark Lärmbetroffenen abgelehnt und fand keinen Eingang in die Planungen des Verkehrsministeriums. Hier wird nach Angaben aus Wiesbaden an einer Optimierung des Modells gearbeitet. Da an rund 75 Prozent der Tage Westwind herrscht, kann das verbliebene Modell immerhin die meiste Zeit des Jahres abdecken.

Belastung der Anwohner wird aufgerechnet

Das „Modell 4“, auf das man sich geeinigt hat, funktioniert wie folgt: Abends zwischen 22 und 23 Uhr setzt weder auf der Nordwestbahn noch auf der Centerbahn ein Flugzeug auf. Landungen werden während dieser Stunde lediglich über die Südbahn abgewickelt. Starts erfolgen auf der Centerbahn und der 18-West. Zwischen fünf und sechs Uhr am Morgen landen die Maschinen auf der Nordwest- und der Centerbahn. Gestartet wird ausschließlich auf der Südbahn.

Die Berechnungen hinsichtlich der Entlastungseffekte dieser Art der Bahnnutzung für die Wohngebiete unter den An- und Abflugrouten versprechen für das Modell am Abend eine Nettoentlastung von 40.000 Menschen. Entlastet werden im einzelnen 44.000 Frankfurter, 24.000 Offenbacher sowie 7000 weitere Anwohner. Eine Mehrbelastung durch die neue Verteilung der Abflüge und Starts tritt bei 18.000 Menschen in Neu-Isenburg auf sowie bei 17.000 Bewohnern in Hanau auf. Sie wird gegengerechnet.

Fluglärm-Urteile für Frankfurter Flughafen

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Morgens zwischen 5 und 6 Uhr ist der Unterschied weniger groß. Die Berechnungen des Verkehrsministeriums gehen von 1000 zusätzlich Entlasteten aus. Die Südbahn liegt für Landungen still, hier wird nur gestartet. Die Startbahn 18-West ist geschlossen. Gelandet wird auf der Centerbahn und der Nordwest-Bahn. Das entlastet 11 000 Menschen in Neu-Isenburg sowie 1000 „Sonstige“. Für unter anderem 4000 Menschen in Erlensee, 3000 in Hasselroth und 2000 in Hanau wird es lauter.

Von den Entlastung im Falle eines erfolgreichen Testbetriebs profitieren wegen der Begrenzung des Modells auf den Westbetrieb allerdings nicht die im Westen des Flughafens gelegenen Städte und Gemeinden. Außerdem kann das Modell jederzeit gestoppt oder ausgesetzt werden, wenn es die Leistungsfähigkeit oder die Sicherheit des Flugbetriebs behindert oder gefährdet. Im Planfeststellungsbeschluss für den Flughafen sind für die zwei Stunden zwischen 22 und 23 Uhr beziehungsweise zwischen 5 und 6 Uhr maximal 133 planmäßige Flugbewegungen pro Nacht festgeschrieben.

Umfrage zum Terminal 3

Quelle: op-online.de

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