Neue Landebahn Nordwest

Kommentar: Lärmschutz jetzt sofort

Lärm kennt keine Tageszeit. Überschreitet Lärm ein gewisses Maß, leidet die Gesundheit, ganz gleich, ob es nun 12 Uhr oder 24 Uhr ist. Das ist keine neue Erkenntnis, sondern Gewissheit. Von Christian Riethmüller

Deshalb darf man sich auch über die Zuspitzung der Diskussion um den Ausbau des Frankfurter Flughafens in den vergangenen Tagen wundern, in der es ausschließlich nur noch um die Entscheidung des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs geht, ein vorläufiges Nachtflugverbot für den Airport zu verhängen.

Auf der neuen Landebahn Nordwest, die gestern eröffnet worden ist, sind freilich keine nächtlichen Anflüge vorgesehen. Aber ihretwegen wird die Lärmbelastung in der Region in den nächsten Jahren beträchtlich zunehmen. Mit der zusätzlichen Piste kann die Zahl der Flugbewegungen von derzeit rund 464.000 im Jahr auf mehr als 700.000 jährlich steigen. Am Himmel über Rhein-Main wird‘s dann nicht nur voll, sondern auch lauter als heute sein. Ob dann tatsächlich nur tagsüber oder doch gelegentlich auch nachts gestartet und gelandet wird, fällt da kaum mehr ins Gewicht.

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Es ist daher dringendste Pflicht, Maßnahmen gegen den alltäglichen Fluglärm zu beschließen. Probatestes Mittel wäre eine verbindliche Lärmobergrenze, die von Herstellern und Fluggesellschaften den Bau, die Nachrüstung und den Einsatz leiserer Flugzeuge verlangt, wenn sie weiterhin Frankfurt anfliegen wollen. Diese Obergrenze müsste so bald wie möglich beschlossen werden und nicht erst als Ergebnis langwieriger Untersuchungen, mit denen bewiesen wird, dass - sagen wir - 98 Dezibel Krach genauso gesundheitsschädigend sind wie 99 Dezibel.

Wenn außerdem schon das als Mediator qua Amt um Vermittlung bemühte Umwelthaus in einer verklausulierten Pressemitteilung die „Gründung einer Task Force zur Flugwegoptimierung“ erklärt, dann heißt dies auf Deutsch, dass sich sowohl bei den An- und den Abflugverfahren als auch bei den Flugrouten im Sinne des Lärmschutzes noch einiges verbessern lässt. Wenn hier aber nicht das Optimum von vornherein das Ziel war, dann darf man annehmen, dass unserem Ruhebedürfnis wirtschaftliche Interessen entgegenstehen.

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Ein mit aller Konsequenz umgesetzter Schallschutz wird viel Geld kosten und so auch die Renditen der Fluggesellschaften und der Fraport AG schmälern. In letzterem Fall bekommen dies das Land Hessen und die Stadt Frankfurt als wichtigste Anteilseigner am Flughafenbetreiber zu spüren, die sich derzeit noch an einer soliden Dividende von 1,25 Euro je Aktie erfreuen. Doch wenn die Erweiterung des Frankfurter Flughafens von solchem Nutzen und solcher Bedeutung für die gesamte Rhein-Main-Region, oder besser, ganz Deutschland ist, wie immer behauptet, dann können auch alle dafür bezahlen - nicht allein nur die Anwohner mit einer Zunahme des Lärms.

Quelle: op-online.de

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