Lärmschutz weiter verbessern

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Ein Flugzeug überfliegt im Anflug auf den Frankfurter Flughafen ein Mikrofon zur Lärmmessung, das in Flörsheim am Main an einem Haus befestigt ist.

Frankfurt - Auch nach einer mehrstündigen Sitzung ist der Raunheimer Bürgermeister Thomas Jühe (SPD) noch zu Scherzen aufgelegt. „Bei uns geht es immer sehr spannend zu“, berichtete er gestern über die 214. Sitzung der Kommission zur Abwehr des Fluglärms. Von Christian Riethmüller

„Wir werden mal einen Film darüber drehen. “ Dabei wird niemand die Arbeit der Fluglärmkommission, deren Vorsitzender Jühe ist, plötzlich für vergnügungsteuerpflichtig erklären wollen, geht es doch dort im Zuge des Ausbaus des Frankfurter Flughafens eher um Spannungen als um eine unschuldige Freude an Spannendem.

Mit der Inbetriebnahme der neuen Landebahn und den damit einhergehenden Änderungen im Lande- und Abflugverfahren haben die Spannungen auch deshalb zugenommen, weil der Fluglärm nun Kommunen erreicht, die bisher davon verschont waren, oder aber ohnehin schon belastete Gebiete noch weiter belastet. „Wir haben Betroffenheiten an allen Ecken“, sagte Jühe gestern am Frankfurter Flughafen, betonte aber, dass es in Sachen Lärmschutz „Optimierungspotenziale“ gebe.

Flugrouten in der Praxis

Gemeint war damit auch die Deutsche Flugsicherung (DFS) in Langen, deren Vertreter in der gestrigen Sitzung der Kommission wohl eingeräumt hatten, das neu etablierte System der Flugrouten in der Praxis noch weiter verbessern zu müssen. Wie die DFS am Mittwoch mitteilte, gilt ab heute eine neue Anordnung, derzufolge die Fluglotsen bei der Südumfliegung auf eine größere Spurtreue zu achten haben. Flugzeuge dürfen so erst in größerer Höhe abdrehen. Der ideale Verlauf der Südumfliegung, der sich an einem Wendepunkt bei Wiesbaden-Erbenheim orientiert, sei bisher nicht immer eingehalten worden, was zu einer großen Streubreite der Überflüge auch über hochbelastete Gebiete wie Rüsselsheim und Hochheim führte.

Wie die Fluglärmkommission gestern mitteilte, hat die DFS nun bis zum 30. April 2012 Gelegenheit, das komplexe System der Flugrouten zu verbessern. Die Kommission behält sich zudem vor, danach „weitergehende Optimierungsmöglichkeiten anzuregen“ und dafür auch externe Unterstützung anzufordern.

Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen

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Bis dahin ist möglicherweise vom Bundesverwaltungsgericht bereits endgültig über ein Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen entschieden. Solche Nachtflüge hält Richard Vahrenkamp, Professor für Produktionswirtschaft und Logistik an der Universität Kassel, ohnehin verzichtbar. Vor der Fluglärmkommission führte er gestern noch einmal aus, dass seiner Ansicht nach Nachtflüge in Frankfurt nicht notwendig für den internationalen Luftfrachtverkehr sind. Er widersprach damit Aussagen der Luftfahrtbranche, die aus wirtschaftlichen Gründen auf nächtliche Flüge nicht verzichten will.

Vahrenkamp sagte, in Frankfurt würden nachts keine eiligen, frischen Waren wie Fisch oder Blumen umgeschlagen, sondern nur allgemeine Güter. Für diese Art von Fracht gebe es einen Zeitpuffer. Deshalb könnten die Sendungen auch von Frankfurt aus mit Lkw zum Flughafen Hahn im Hunsrück gebracht und dort in Maschinen nach Übersee geladen werden. Das Drehkreuz Frankfurt und die Stellung als einer von vier sogenannten Megahubs in Europa, der einem Staubsauger gleich Frachtverkehr anzieht, sei dabei nicht in Gefahr, sagte Vahrenkamp.

Nachtflüge stets unverzichtbar

Die Luftfahrtwirtschaft hatte die Nachtflüge stets als unverzichtbar bezeichnet und das vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof verhängte vorläufige Nachtflugverbot heftig kritisiert. Die Lufthansa, wichtigste Frachtgesellschaft in Frankfurt, sprach von Einbußen in zweistelliger Millionenhöhe.

Um die Bürger besser vor vor Fluglärm zu schützen wollen Hessen und Rheinland-Pfalz noch in diesem Jahr eine gemeinsame Bundesratsinitiative starten. Wie der hessische Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) und der rheinland-pfälzische Infrastrukturminister Roger Lewentz (SPD) nach einem Treffen in Main gestern mitteilten, wollen sie darauf hinwirken, dass der Lärmschutz bei der Gestaltung von Flugverfahren und im praktischen Flugbetrieb verbessert wird.“ Es bleibt also spannend.

Quelle: op-online.de

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