Probebetrieb für Lärmschutzmodell

Weniger Fluglärm für Offenbach?

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Durch eine ausschließliche Nutzung der Südbahn für Landungen zwischen 22 und 23 Uhr haben vor allem die unter der Einflugschneise für die Nordwestbahn wohnenden 45.000 Offenbacherinnen und Offenbacher mehr Ruhe (blau markierter Bereich) sowie rund 16.400 Menschen, die nördlich der Einflugschneise für die Centerbahn leben. Als Ausgleich für die Belastung am Abend erhalten die rund 13.800 betroffenen Bewohner in den südlichen Stadtteilen (roter Bereich) morgens eine Stunde lang weniger Lärm. Dann werden ausschließlich die Center- und die Nordwestbahn angeflogen.

Raunheim - In der Fluglärmkommission stößt keins der fünf Lärmpausenmodelle von Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) auf Zustimmung. Mitgetragen werde nur ein Probebetrieb des Modells 4 bei Flugrichtung West, beschloss die Kommission in Raunheim.

Die Fluglärmkommission hat ihre Entscheidung gefällt. Ihre Zustimmung findet keines der fünf Lärmpausenmodelle von Ministerpräsident Verkehrsminister Tarek Al-Wazir. Doch zumindest will sie den Probebetrieb des Modells 4 bei westlicher Flugrichtung mitttragen. Eine gute Nachricht für Offenbach, das bei diesem Modell entlastet werde, wie es von Seiten der Stadt heißt. Die Entscheidung der Kommission trägt Bürgermeister Peter Schneider als die beste Option für Offenbach mit.

Er hat die Stadtverordnetenfraktionen in einer Ausschusssitzung am 19. Januar 2015 bereits entsprechend informiert. „Ungeachtet der Frage, wie die Lärmpausenmodelle technisch und operativ umzusetzen sind, stellt die Variante 4 bei Westbetrieb in Summe die größte Entlastung für die Offenbacher Bürgerinnen und Bürger dar“, sagt Schneider. In der Summenbetrachtung werden, so das Stadtoberhaupt weiter, unter dem Strich zirka 22.000 bis 24.000 Einwohner eine echte Entlastung erfahren. Allerdings habe auch dieses Modell Gewinner und Verlierer, sowohl in der Region als auch in Offenbach selbst.

Eine Stunde mehr Ruhe

Der Kommissionsvorsitzende, der Raunheimer Bürgermeister Thomas Jühe (SPD), wollte mittags die Entscheidung erläutern. Bei den Lärmpausen sollen Start- und Landebahnen in den Randstunden abends und morgens im Wechsel nicht genutzt werden. Al-Wazir will auf diese Weise das sechsstündige Nachtflugverbot um eine Stunde Ruhe verlängern. Das Modell 4 sieht im Westbetrieb vor, dass abends zwischen 22 und 23 Uhr nicht auf der neuen Nordwestlandebahn und der Centerbahn gelandet wird. Morgens zwischen 5 und 6 Uhr wird die Südbahn nicht für Landungen genutzt. Allerdings kreuzen sich bei diesem Modell potenziell Starts und Landungen. Für den Ostbetrieb von Deutschlands größtem Flughafen lehnte die Fluglärmkommission alle fünf Vorschläge ab. Keiner entspreche den Grundsätzen der Kommission. Die Lärmpausen sind ein zentrales Vorhaben der Koalition von CDU und Grünen in Hessen. Der Probebetrieb soll mit dem Sommerflugplan Ende März beginnen, wird sich aber wohl verzögern.

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In Offenbach gibt man sich indes weiter kämpferisch, was das Thema Lärmschutz angeht. "Die Stadt Offenbach wird auch in Zukunft diese Forderungen hartnäckig vertreten, sowohl politisch als auch in den laufenden rechtlichen Auseinandersetzungen. Wir lassen uns davon nicht abbringen“, erklärt Peter Schneider.  „Wenn die von allen Experten vorausberechnete Entlastungswirkung eintritt, werden wir auf eine dauerhafte Regelung hinwirken“, sagt Schneider abschließend.

Sieger und Verlierer

Bei Lärmpausenmodell 4 werden nach Berechnung des hessischen Verkehrsministeriums mehr Anwohner des Frankfurter Flughafens ent- als belastet. Wenn abends zwischen 22.00 und 23.00 Uhr die Nordwestlandebahn und die Centerbahn nicht mehr angeflogen werden, entfällt der Lärm für 105.000 Menschen. Der Norden Offenbachs und der Frankfurter Süden werden entlastet. Alle Maschinen fliegen über Hanau, den Offenbacher Süden und Neu-Isenburg ein, dort werden 65.000 Menschen stärker belastet als zur Zeit. Morgens zwischen 5 und 6 Uhr ist der Unterschied weniger groß. Die Südbahn liegt für Landungen still. Das entlastet 14.000 Menschen in einem schmalen Streifen von Hanau bis Neu-Isenburg. Für 13.000 Bürger im Bereich Gelnhausen und Langenselbold könnte es noch lauter werden, als es derzeit ist.

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dpa/ses

Quelle: op-online.de

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