Computerspiele und Christentum

Spielend Kontakte zu Gott knüpfen

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Mit einer LAN-Party im Gotteshaus wollen junge Christen eine Brücke zwischen Zocken und Glauben schlagen.

Frankfurt - Mit einer LAN-Party im Gotteshaus wollen junge Christen eine Brücke zwischen Zocken und Glauben schlagen. Von Jenny Bieniek

Was haben Actionshooter mit Kirche zu tun? Für Patrick, Jonny, Chrissi und die anderen des Sublan-Teams eine ganze Menge. Alle sind gläubige Christen und selbst leidenschaftliche Gamer.

Weil sie ihre Begeisterung für den Glauben auf der einen und das Zocken auf der anderen Seite auch mit anderen teilen wollen, haben sie vor drei Jahren die „Sublan“ ins Leben gerufen.

Vorurteile gegen Gamer

„In christlichen Kreisen gibt es gegen Gamer ja schon oft gewisse Vorurteile“, erzählt Co-Leiter Jonny. Schon deswegen scheuten viele Jugendliche den Kontakt zur Kirche. Um zu beweisen, dass es auch anders geht, organisiert das zehnköpfige Team um Pfarrer Rasmus Bertram unweit der Frankfurter Zeil eine, wie sie sagen, „Wohlfühl-LAN-Party“.

Seit der Premiere 2010 sei die Teilnehmerzahl stetig gestiegen. In diesem Jahr waren die Plätze erstmalig schon zwei Wochen vorher ausgebucht.

Für kleines Geld bekommen die 70 Teilnehmer drei Tage lang einiges geboten: Neben Turnieren in den Disziplinen Starcraft, Counter Strike: Source, Heroes of Newerth und Trackmania Nations gibt es rund um die Uhr Verpflegung, Kickerturniere, Party und kurze Andachten.

Keineswegs verpflichtend

Diese finden in einem etwas abgelegen Raum statt und sind keineswegs verpflichtend. Alles basiere auf freiwilliger Basis. „Unser Glauben ist wertvoll und attraktiv - deshalb muss man ihn niemandem aufzwingen“, finden die 18- bis 25-Jährigen. Ihr Anliegen sei vielmehr, eine Gemeinschaft mit nichtchristlichen Zockern zu schaffen. „Unsere Welt in unseren Glauben holen“, nennen sie das.

Virtuelles Ballern im Gotteshaus als Brücke zum Glauben? Zugegeben: Die St.Peter-Kirche ist keine Kirche im klassischen Sinn. Sie ist ein Projekt der evangelischen Landeskirche und wurde zwischen 2004 und 2007 zur Jugendkulturkirche umgebaut. Fünf Millionen Euro hat die umfangreiche Modernisierung gekostet. Neben Gottesdiensten finden in St. Peter auch Workshops, Konzerte und Infoabende statt.

Pfarrer Rasmus Bertram hat keine eigene Gemeinde. Seine „Gemeinde“ ist die Jugend im Rhein-Main-Gebiet. Entsprechend modern sind seine Ansichten. „Am Internet kommt auch die Kirche nicht vorbei“, glaubt er.

„Wie kann ein normal denkender Mensch an Gott glauben?“

Seine Andachtsthemen können die Sublaner deshalb via Internet-Voting selbst bestimmen. Die vorgeschlagenen Fragestellungen sind dabei durchaus kritisch. „Wie kann ein normal denkender Mensch an Gott glauben?“ lautet eines davon.

Wollen Jugendlichen die Scheu vor Kirche nehmen: Pfarrer Rasmus Bertram (Mitte) und das junge Organisationsteam der „Sublan“.

Auch beim interaktiven LAN-Gottesdienst können sich die Nutzer vor den Bildschirmen via Kommentarfunktion einbringen. „Ich als Pfarrer habe nur einen groben Leitfaden, weitere Anregungen kommen anonym von den Nutzern.“ Via iPad empfängt er so Anmerkungen und Reaktionen der Nutzer. Sich hoch und runter bewegende Balken signalisieren ihm, ob das Gesagte ankommt oder nicht.

Anonymität sei dabei wichtig. Denn vielen Jugendlichen seien Kirche und Glauben inzwischen so fremd geworden, dass sie sich nicht mehr zu fragen wagten, glaubt er. Diese Scheu wolle man nehmen.

„Missionieren hat so einen negativen Touch“

Als Missionar sieht er sich nicht. „Missionieren hat so einen negativen Touch“, findet Rasmus Bertram. „Wenn jemand auf mich zukommt und Fragen hat, antworte ich gerne. Aber hier wird niemand genervt mit dem Thema Kirche.“

Zufrieden erinnert er sich an einen Sublaner, der sich im vergangenen Jahr mit den Worten verabschiedete: „Cool, dass ich hier so sein durfte, wie ich bin.“ Diesen Ruf will Bertram beibehalten. „Wenn das überall so wäre, hätte Kirche heute kein Problem.“

Julian aus Oberursel ist weder Kirchengänger noch Totalverweigerer. Zur Sublan ist er trotzdem gekommen. „Es ist schon irgendwie merkwürdig, Egoshooter in so einer Location zu spielen“, gibt der 18-Jährige zu. „Immerhin ballern wir uns hier gegenseitig tot.“ Die Kirche als Eventhalle zu nutzen, finde er trotzdem cool. Die Freunde Pascal, Patrick und Fabian sind „Wiederholungstäter“ und extra aus der Nähe von Würzburg angereist. Dank der Sublan gehen sie „wenigstens einmal im Jahr in die Kirche.“

Quelle: op-online.de

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