Landeplatz für Fliegende Volksbühne

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Ein großer und wichtiger Schritt für Regisseur und Schauspieler Michael Quast: Im Paradieshof hinter ihm soll seine Fliegende Volksbühne eine feste Spielstätte erhalten.

Frankfurt - Alt-Sachsenhausen ist eines der traditionsreichsten Viertel Frankfurts. Doch Tradition allein bedeutet noch keinen Glanz. Von Christian Riethmüller

Wer tagsüber durch die engen Gassen schlendert, vorbei an den alten Kneipen und den modern sich gebenden Abfüllstationen, wird im Gegenteil feststellen, dass der Lack im wahrsten Sinne des Wortes ab ist. Doch die Renaissance des Viertels hat längst begonnen und ist sowohl an manchem sanierten Häuschen als auch am restaurierten und seit Februar 2011 wiedereröffneten Kuhhirtenturm erkennbar.

Dieser spätgotische Turm, einst Teil der Wehrbefestigung, diente von 1923 bis 1927 dem Komponisten Paul Hindemith als Wohnung. Deshalb ist in dem Turm heute eine Ausstellung zu sehen, die an Leben und Werk des bedeutenden, in Hanau geborenen Musikers erinnert. Die Sanierung des Turms, in dem sich neben der Ausstellung auch „der kleinste Konzertsaal der Welt“ findet, soll zur kulturellen Aufwertung Alt-Sachsenhausens beitragen, ebenso wie der Bau eines Theaters für die Fliegende Volksbühne des Multitalents Michael Quast.

Umbau leitet der Schweizer Architekt Max Dudler

Dieses moderne Volkstheater, das das „St. Pauli Theater“ auf der Hamburger Reeperbahn und das „Lustspielhaus“ in München-Schwabing zum Vorbild hat, soll im Paradieshof in Sachsenhausen eine Bleibe finden, den die Stadt im vergangenen Jahr für etwa 1,2 Millionen Euro gekauft hat. Das Gebäude, in dem lange Zeit ein Tanzlokal untergebracht war, soll in den nächsten zwei Jahren für etwa fünf Millionen Euro zum Teil abgerissen und zum Teil saniert werden. Den Umbau zu einem Theaterhaus mit gut 300 Sitzplätzen leitet der Schweizer Architekt und Absolvent der Städelschule Max Dudler, der mit seinem Entwurf zur Neugestaltung des Paradieshofes einen dafür ausgeschriebenen Architektur-Wettbewerb gewonnen hat. Der Umbau soll im Frühjahr oder Sommer 2014 abgeschlossen sein, wenngleich der scheidende Frankfurter Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) gestern in Sachsenhausen dieses Ziel als „sehr ambitioniert“ bezeichnete.

Mundart, Frankfurter Autoren und Stoffe, große Literatur und kleiner Aufwand...

Michael Quast freut sich schon auf das Kommende. „Für uns ist das ein großer Moment. Dies soll ein fröhlicher Ort werden,“ verkündete der Regisseur und Schauspieler, der sechs Säulen nennt, auf denen das Programm eines Theaters im Paradieshof stehen könnte: Mundart, Frankfurter Autoren und Stoffe, große Literatur und kleiner Aufwand, Kinder- und Jugendstücke, Stadtteil- und Stadtkultur sowie Gastspiele ebenfalls der Mundart verpflichteter Kabarettisten. Wie Quast weiter sagte, studiert die Fliegende Volksbühne schon ein Repertoire für ihre künftige Spielstätte ein, der sie übrigens im März schon mal relativ nah sein wird. In der „AusstellungsHalle“ in der Schulstraße 1A präsentiert das Ensemble unter dem Titel „Bin nebenan“ Ingrid Lausunds „Monologe für zuhause“.

Ist das Theater im Paradieshof erst einmal eröffnet, bildet Alt-Sachsenhausen nach Ansicht von Planungsdezernent Schwarz seine eigene „kleine Kulturachse“ mit Kuhhirtenturm, Theater sowie drei Ateliers und der Künstlervereinigung der Klosterpresse aus, die ebenfalls in der Paradiesgasse untergebracht sind.

Wie Schwarz weiter sagte, sind die formalen Verfahren für den Theaterbau mittlerweile abgeschlossen. Bis Ende März sollen dann die Ergebnisse der Fachplanung zu Statik, Baugrund und Schadstoffermittlung vorliegen. Mit den eigentlichen Bauarbeiten könnte also in diesem Jahr begonnen werden. Die Umwandlung des Paradieshofs ist Teil der von der Stadt Frankfurt schon vor 20 Jahren begonnenen Erneuerung Alt-Sachsenhausens. So sind etwa im vergangenen Jahrzehnt rund 70 Gebäude saniert worden und sieben Neubauten entstanden. Zudem sind acht der neun Brunnen in dem Viertel erneuert worden.

Quelle: op-online.de

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