Prozessstart gegen mutmaßlichen Terrorhelfer aus Langen

Frankfurt - Mit einem umfassenden Geständnis des Angeklagten hat am Mittwoch vor dem Frankfurter Oberlandesgericht (OLG) der Prozess gegen den mutmaßlichen Terrorhelfer Kadir T. begonnen.

Der 24 Jahre alte Deutsch-Türke aus Langen in Südhessen räumte ein, für die Terrorgruppe Islamische Dschihad Union (IJU) im Juli 2007 über das Internet eine Mini-Digital-Videokamera und ein Nachtsichtgerät beschafft und die Gegenstände an den mutmaßlichen Terroristen Adem Yilmaz weitergegeben zu haben.

Yilmaz muss sich als Mitglied der sogenannten Sauerlandgruppe derzeit in Düsseldorf vor Gericht verantworten. Er soll die Gegenstände der usbekischen IJU zur Verfügung gestellt haben, die im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet operiert und dort Ausbildungslager unterhält. Der Angeklagte, Sohn eines Türken und einer Deutschen, berichtete vor Gericht, dass er den Bruder von Adem Yilmaz, Burhan, schon seit seinen Kindertagen gekannt habe.

„Das ist doch kein Islam.“

Burhan ist ebenfalls in Düsseldorf als Terrorhelfer angeklagt. Mit Adem sei er erst als Erwachsener in Kontakt gekommen. Zum Islam habe er als Kind keinen besonderen Bezug gehabt. Das habe sich erst geändert, als ein Onkel ihm Islamunterricht gab. „Dann habe ich versucht, mein Leben danach zu richten.“ Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 habe er gedacht: „Das ist doch kein Islam.“ Vom Frühjahr 2007 an habe er an Treffen mit anderen Muslimen im Garten von Adem Yilmaz teilgenommen, berichtete der Angeklagte. Dort sei es um den Koran, aber auch den von islamistischen Muslimen propagierten Dschihad (Heiliger Krieg) gegangen.

Er habe auch gewusst, dass Adem in Syrien Arabisch lernte und in einem Camp der IJU in Waziristan war. Der 24-Jährige sagte, für ihn sei der Dschihad „Pflicht“ für die Muslime gewesen. „Ich habe mich aber nie als aktiver Krieger gesehen.“ In der Untersuchungshaft habe er sich vom Dschihad abgewandt: „Es leben Millionen Muslime in Deutschland, die haben keine Probleme.“ Für das Verfahren sind zwei weitere Verhandlungstage geplant. Aufgrund der Aussagebereitschaft des Angeklagten haben sich das OLG, die Bundesanwaltschaft als Anklagebehörde und die Verteidigerin von Kadir T. auf eine Bewährungsstrafe verständigt.

Quelle: op-online.de

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