Ringen um die Mehrheit im Landtag

Äußerst knappes Rennen erwartet

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Der Worte sind genug gewechselt ... Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU/links) und sein SPD-Herausforderer Thorsten Schäfer-Gümbel, fotografiert Anfang des Monats bei einer Diskussionsveranstaltung im Landtag.

Wiesbaden - Hessen wählt am Sonntag mit dem Bundestag auch den Landtag. Ein Wechsel von CDU/FDP zu Rot-Grün ist nicht ausgeschlossen. Das Schreckgespenst für den Wahlabend: die Rückkehr zu den „hessischen Verhältnissen“.

Bei der Landtagswahl in Hessen wird es am Sonntag so spannend wie im Bund. Zwischen der regierenden schwarz-gelben Koalition und der rot-grünen Opposition wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet. Interessant wird vor allem die Frage, ob die Linke wieder in den Landtag in Wiesbaden einzieht. Dann könnten in dem wirtschaftsstarken Bundesland mit seinen sechs Millionen Einwohnern wieder „hessische Verhältnisse“ - unklare Konstellationen - drohen.

Hessens CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier (61) hat vergeblich von seinem SPD-Herausforderer Thorsten Schäfer-Gümbel (43) ein „Ehrenwort“ verlangt, nicht mit der Linken zu koalieren. Dieser hat eine Kooperation mit der Partei zwar „politisch“ ausgeschlossen, sich aber eine Hintertür offengelassen. Umgekehrt gab Bouffier sein Ehrenwort, sich nicht mit der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD) zu verbünden. Zuvor hatte er für Wirbel gesorgt, weil er dies nicht ausgeschlossen hatte. Die AfD tritt erstmals auch in Hessen an und lag in den Umfragen zuletzt bei drei Prozent.

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Lange sah es in Hessen in den Umfragen nach einem Wechsel aus. Doch Schwarz-Gelb hat trotz der schwächelnden FDP den Vorsprung von Rot-Grün in den Umfragen wettgemacht. Im eher müden Wahlkampf setzte Bouffier dabei vor allem auf die Popularität von Unions-Kanzlerin Angela Merkel und die gute wirtschaftliche Lage im Land. Die Opposition sieht dagegen nach 15 Jahren Herrschaft der konservativen CDU die Zeit für den Wechsel gekommen. Bouffier hat die Macht 2010 von Roland Koch übernommen, der in die Wirtschaft wechselte.

Nachgefragt bei Erstwählern

Die SPD, die von Schäfer-Gümbel wieder geeint wurde, darf auf jeden Fall auf Stimmengewinne hoffen. Vor vier Jahren war sie auf 23,7 Prozent abgestürzt. Ein Jahr zuvor war die damalige sozialdemokratische Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti beim Versuch gescheitert, sich mit der Linken zur Regierungschefin wählen zu lassen. Vier Abweichler ließen die Wahl damals platzen. Stärkste Partei 2009 wurde die CDU mit 37,2 Prozent, die FDP erzielte ein Rekordergebnis von 16,2 Prozent. Die Grünen verbesserten sich damals auf 13,7 Prozent. Die Linke kam auf 5,4 Prozent.

Das Landesparlament zählte mit Überhang- und Ausgleichsmandaten zuletzt 118 Sitze. Die CDU hielt 46 Sitze, gefolgt von SPD (29), FDP (20), Grünen (17) und Linkspartei (6). Für die 55 Direktmandate kandidieren diesmal 284 Bewerber. Landesweit treten 18 Parteien und Wählergruppierungen an. Der alte Landtag wird auf jeden Fall noch bis Mitte Januar 2014 im Amt bleiben. Erst dann endet die Legislaturperiode.

dpa

Quelle: op-online.de

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