Lehrer-Protest in Hessen

Zu lange geschwiegen

Studien weisen es immer wieder nach: Entgegen dem Klischee von der gut bezahlten Halbtagsarbeit ist der Lehrerberuf, zumindest für die vielen engagierten Pädagogen, ein Knochenjob. Von Peter Schulte-Holtey

Der Stress wächst ständig, die Ursachen sind bekannt: zunehmend verhaltsauffällige Schüler, zu große Klassen, gravierende Leistungsunterschiede zwischen den Schülern und deren sinkende Lernmotivation, zu geringe Sanktionsmöglichkeiten bei zu vielen erzieherischen Aufgaben, eine enorme Zahl administrativer Pflichten ...

Auch der Umstrukturierungsprozess, der vielen Schulen in Hessen große Belastungen beschert, erhöht den Druck. Zwar müssen Lehrer nicht um ihren Arbeitsplatz zu fürchten, wie eine Reihe Beschäftigter in vielen Firmen. Doch der Frust ist beträchtlich. Und die Bildungsgewerkschaft GEW reagiert, fordert die Rücknahme der Pflichtstundenerhöhung von 2004 für Lehrer bis 50 Jahre um eine Stunde pro Woche und für Lehrer von 50 bis 60 Jahren um eine halbe Wochenstunde. Außerdem werden Sonderregelungen für besonders belastete Lehrer verlangt. Dies mag sich für Außenstehende maßlos anhören; vor allem beim Blick auf die Überalterung der Lehrerschaft wird aber sichtbar, warum so viele „ausgebrannte“ Pädagogen klagen, warum viele glauben, dass sie zu lange geschwiegen haben.

Auch in Wiesbaden mimt man allzu gern den Unschuldigen, spielt den Überraschten. Wahrscheinlich werden die Fachpolitiker bei der Diskussion über den Bildungsstreik nächste Woche dieser Vorgehensweise treu bleiben; als ob alles über Nacht käme, unerwartet, nicht vorhersehbar. Dabei stehen die notwendigen Daten für eine vernünftige Schul- und Stellenplanung seit Jahren zur Verfügung. Auch die neuen Lasten durch den Trend zur Ganztagsschule kommen nicht überraschend.

Alle Augen sind jetzt auf Kultusministerin Dorothea Henzler gerichtet.

@peter.schulte-holtey@op-online.de

Quelle: op-online.de

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