Lange Haftstrafen statt schnellem Geld

Darmstadt - Unter „großzügiger Zusammenziehung“ aller Einzeltaten sind gestern die Hattersheimer Tankstellenräuber zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Der Darmstädter Richter Christoph Trapp verurteilt Robert R. (26) für besonders schwere räuberische Erpressung und Körperverletzung in zwei, sowie schwerer räuberischer Erpressung in neun Fällen zu neuneinhalb Jahren, Bogdan M. (44) wegen schwerer räuberischer Erpressung in vier Fällen zu fünf Jahren und drei Monaten Haft. Trapp folgt damit weitestgehend den Forderungen der Staatsanwaltschaft.

Der Richter führte mehrere strafmildernde Umstände ins Feld. Durch ihr „rückhaltloses Geständnis“ hätten die beiden Verurteilten zu einem schnellen Verfahrensende beigetragen, nur durch die Aussage R.´s seien die vier Gemeinschaftstaten mit M. so schnell aufgeklärt worden. Beide entschuldigten sich im Gerichtssaal persönlich bei den Geschädigten. Fast alle haben die Überfälle gut verkraftet, Ausnahme ist eine Supermarktkassiererin in Gießen. Sie ist nicht mehr in der Lage, ihre Tätigkeit auszuführen und befindet sich in therapeutischer Behandlung. Positiv wirkt sich außerdem die bisher nahezu weiße Weste der Verurteilten aus. Der Bosnier R. hat nur einen geringfügigen Eintrag im Vorstrafenregister, der Kroate M. gar keinen.

Die Motive der beiden schätzt der Staatsanwalt bei aller Milde – für jede Einzeltat stehen mindestens zwei bis fünf Jahre Haft - trotzdem realistisch ein: „Das kann man glauben oder nicht glauben!“ Neben allgemeiner wirtschaftlicher Not führt R. seine schwierige Vorgeschichte in der Heimat an, wo ihn ein schwerer Verkehrsunfall und Drohungen seitens der Opferfamilien zur Auswanderung bewogen. In Deutschland wird die Freundin schwanger, beide haben kein Anrecht auf Sozialhilfe.

Auch M.´s kriminelle Hintergründe liegen auf dem Balkan: Dort verunglückte seine Frau vor drei Jahren tödlich, in Deutschland wollte der ehemalige Offizier Geld für einen Grabstein verdienen. Hier aber lernte er R. kennen, der die Idee hatte, „das Geld doch leichter als mit Schwarzarbeit zu verdienen“.

Quelle: op-online.de

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