S-Bahn-Vorstoß der SPD

Kommentar: Lange Nacht chancenlos

Eine gute Nachricht für Nachtschwärmer und Nachtarbeiter: Endlich macht sich eine Partei mal stark für sie und fordert die „lange Nacht für den öffentlichen Nahverkehr“. Von Peter Schulte-Holtey

Rund um die Uhr sollen im Rhein-Main-Gebiet S-Bahnen fahren, meint die SPD - und wird dafür von Fahrgästen jede Menge Beifall erhalten. Kein Zweifel, wer spät in der Nacht von Party-, Restaurantbesuchen, Treffen mit Freunden oder von der Arbeitsstelle mit der S-Bahn heimkehren will, zieht den Kürzeren. Wenn in Zukunft auch zwischen 1 Uhr und 4 Uhr Züge - zum Beispiel in den Kreis Offenbach - rollen würden, wäre das ein echter Nahverkehrs-Pluspunkt für die gesamte Region.

Doch die SPD wird die kommunalen Entscheidungsträger im RMV-Aufsichtsrat von ihrem Plan nicht überzeugen können. Offenbachs Bürgermeisterin Birgit Simon spricht das aus, was wohl viele an der Spitze von Rhein-Main-Kommunen denken: „Ein derart umfassendes Angebot ist natürlich vom Grundsatz her wünschenswert; jedoch müssen solche Forderungen auch hinsichtlich ihres Realitätsgehalts und bezüglich der konkreten Umsetzbarkeit hinterfragt werden.“ Und sie stellt zu Recht die Frage, die von lokalen SPD-Parlamentariern wie Heike Habermann plausibel beantwortet werden muss: Stehen Angebotsausbau und Kosten in einem Verhältnis, das der Allgemeinheit zugemutet werden kann?

Was Simon damit sagen will, ist klar: Das Gros der Kommunen steht kurz vor dem Ruin, wirtschaftliche Spielräume gibt es nicht. Und eine neue Kostenverpflichtung wäre das Letzte, was sich die Kämmerer jetzt wünschen. Sie werden eher darauf verweisen, dass die Finanzierung des S-Bahnverkehrs zu 56 Prozent aus den Fahrgast-Einnahmen gestemmt wird und man damit den deutschlandweit höchsten Grad der Kostendeckung erzielt. Nachts, also mit einem geringeren Fahrgastzahl, wird diese Rechnung nicht zu halten sein.

Der SPD-Vorstoß wird also mit großer Sicherheit auf den hohen „Wiedervorlage-in-einigen-Jahren-Stapel“ landen. Schade, aber manchmal gehen Träume halt nicht in Erfüllung.

Quelle: op-online.de

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