Ausstellung im Frankfurter Städel

Westdeutsche Kunst aus den 80er Jahren

Frankfurt Nach der großen Impressionistenschau blickt das Frankfurter Städel-Museum auf die Jahre zwischen 1980 und 1990. „Die 80er. Figurative Malerei in der BRD“ vereinigt 90 Werke von 27 Künstlern. Von Reinhold Gries

„Mülheimer Freiheit“ in Köln-Deutz, Düsseldorfs Gruppe „Normal“, die „Moritzjungs“ vom Kreuzberger Moritzplatz an der Mauer – das waren Ende der 70er keine Rockgruppen. Obwohl die „Neuen Wilden“, denen ihre Bilder nur so aus der Hand gerissen wurden, oft auch als Punkrocker agierten wie Helmut Middendorf in Berlin. Die West-Berliner, die Hamburger Szene, die Rheinländer und auch deren „Satelliten“ rockten die Malerei. Elvira Bach, Christa Näher oder Ina Barfuss, Jiri Georg Dokoupil, Martin Kippenberger, Rainer Fetting oder die Brüder Albert und Markus Oehlen - gestern noch Stein des Anstoßes - sind jetzt „Kunstgeschichte“.

Geboren sind sie alle um die 1950er Jahre, beeinflusst von Konzeptkunst und Warhol, Beuys, Immendorff, Richter und Lüpertz. Aber die Junge Kunst war anders in ihrem Hunger nach neuen Bildern und ihrer Malwut. Nicht nur, um den Markt zu bedienen, warf man bisherige Kunsttheorien über Bord und lehnte Manifeste ab. Wichtig war, sich selbst darzustellen, begleitet von Attacken gegen das „Establishment“, das die „neue Heftigkeit“ der Malerei jedoch bejubelte. Dort fanden es viele charmant, dass auch dilettierende „Seiteneinsteiger“ zu Spraydosen, groben Pinseln und Eimern mit Dispersionsfarbe griffen, um urbanes Lebensgefühl direkt auf Leinwand oder Nesselgrund zu bannen.

Freilich wird auch klar im Städel: Es gab wenig Einheitlichkeit, aber geografische Schwerpunkte. Als Kippenberger von Hamburg nach Berlin zog, wurde das „Büro Kippenberger“ eine Zentrale. Wie überhaupt das wehrdienst- und sperrstundenfreie West-Berlin viele Junge anzog – bis in Kippenbergers Kreuzberger Disco SO 36, wo sich Künstlerbands mit anarchistischen Punks verbrüderten. Dort übertrug man die Rohheit der Jugendkultur mit all ihren Tabubrüchen auf die Kunst.

Vieles davon ist arriviert wie Elvira Bachs Pop-Diven („Sophisticated Lady“). Mit femininen Konturen, überspitzen Fingernägeln und grellem Lippenstift wurden sie trendige Ikonen, gut verkäuflich in schicken Galerien. Auch Sujets wie Hans-Peter Adamskis dekorativ umrissene Melkerin („Land des Lächelns“), Bildrätsel wie Peter Bömmels´ „Ein König fällt nicht vom Himmel“ oder dezidiert homophile Kunst wie Luciano Castellis „Berlin Nite“ und Salomés/Castellis „KaDeWe“-Leiber haben Nachfolge gefunden.

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Dabei sieht man bei „Salomè“ (Wolfgang Cilarz), wie virtuos er sich bei „Im Teich“ bei Monets Seerosen oder in „Khomeni rot“ bei abstrakten Expressionisten bediente. Auch Middendorfs dynamische Rock-Motive „Electric Night“ oder „Sänger“ scheinen die Nachfolge von Ernst Ludwig Kirchners Figuren anzutreten. Albert Oehlens politische Malcollagen „Führerhauptquartier“ und „Abschaffung eine Militärdiktatur“ stehen jedoch für ein neues Genre, das Verbindungen zwischen Kunst und Gesellschaft herstellte.

Ein gemeinsamer Nenner ist kaum zu finden, vergleicht man Kippenbergers spielerisch-bissige Polit-Formate „Ich kann beim besten Willen kein Hakenkreuz entdecken“ und „Zwei proletarische Erfinderinnen auf dem Weg zum Erfinderkongress“ mit Fettings genialen Tableaus zur Berliner Mauer („Van Gogh und Mauer-Sonne“), Adamskis zerklüftetem „Mao“-Porträt und dem roten „Stern in Not“, den 1968er-Prag-Flüchtling Dokoupil in Brand setzte. Eines ist Milan Kunc’ „Schöner Wohnen“-Satire, Bernd Zimmers Farbfeldern, Volker Tannerts „Feierstunde für die Moderne“ oder Markus Oehlens „Vom Stuhl gefallener Akt mit Trompete“ jedoch gemeinsam: Kompromisslos behaupteten sie Malerei als Eigenwelt und öffneten neue Freiräume.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Städel

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