Lebenslange Haft gefordert

Darmstadt - Taxifahrer Claus H. soll ein freundlicher Mann gewesen sein. Einer, der zwischen seinen Kunden keinen Unterschied macht, den heruntergekommenen Junkie genauso zuvorkommend behandelt wie den seriösen Geschäftsmann. In der Nacht zum 1. Juni 2008 sind Giovanni P. und Pietro L. seine Fahrgäste, zwei Drogenabhängige, die äußerlich keinen guten Eindruck abgeben.

Aber Claus H. unterhält sich mit ihnen, erlaubt ihnen sogar, im Taxi zu rauchen. Am nächsten Morgen wird der 47-Jährige tot in seinem Wagen aufgefunden, erdrosselt und erstochen, blutüberströmt.

Dass Giovanni P. (57) und Pietro L. (39) die Tat begangen haben, daran besteht während der Verhandlung vor dem Landgericht Darmstadt kein Zweifel. Sie haben eindeutige Spuren am Tatort hinterlassen, Fingerabdrücke und DNA. Die Frage, die bis zum Schluss offen bleibt: War die Tat von vornherein so geplant? Und hat H.s Konkurrent Robert B. den Mordauftrag erteilt, oder sollten P. und L. dem Opfer lediglich eine Abreibung erteilen, ihn vermöbeln?

Das Urteil wird für den nächsten Mittwoch, 29. April, erwartet, die Verhandlung beginnt um 14.30 Uhr.

Im Prozess um den Taxifahrer-Mord von Hainburg sind gestern die Plädoyers gehalten worden. Staatsanwaltschaft und Nebenklage sehen es als erwiesen an, dass der 48-jährige Robert B. seinen Konkurrenten aus dem Weg haben wollte, und zwar endgültig. Staatsanwalt Alexander Homm verweist auf eine wiederholte Aussage des Angeklagten P., wonach L. vor der Tat gesagt habe: „Den hier müssen wir töten, dieser Mann muss heute sterben.“ Auch die mitgeführten Tatwaffen sprechen laut Homm für eine Tötungsabsicht: Ein Schal als Strangulationswerkzeug und ein Messer.

Der Staatsanwalt sieht die Tat als heimtückischen Mord aus Habgier sowie Anstiftung zum Mord aus niederen Beweggründen und fordert lebenslange Haft für alle drei Angeklagten. Ein Mann, der niemandem etwas getan habe, sei in seinem Taxi „hingerichtet“ worden, betont Homm die Schwere der Tat.

Die Verteidiger von Giovanni P. und Pietro L. werten die Tat als Raub mit Todesfolge in Tateinheit mit Totschlag. Sie fordern zwischen zwölfeinhalb und dreizehn Jahren Haft für ihre Mandanten. Die Tat habe mit einem Vorsatz zum Raub begonnen, ein Mordauftrag lasse sich nicht nachweisen. Im Einklang mit der Staatsanwaltschaft sprechen sie sich dafür aus, dass der 57-Jährige und der 39-Jährige nach der Haftstrafe in eine Entziehungseinrichtung eingewiesen werden.

Die Anwälte von Robert B. sehen den 48-Jährigen lediglich der Anstiftung zur Körperverletzung für schuldig, er solle eine „angemessene Haftstrafe“ erhalten, die zur Bewährung ausgesetzt wird.

Quelle: op-online.de

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