Lebensmittel eher an die Tafeln

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Tierheime leiden doppelt: Immer mehr Bewohner und immer weniger Geld in den Kassen

Frankfurt - Die Wirtschaftskrise hat die Tierheime erreicht. Wegen der Geldnot ihrer Besitzer werden immer mehr Tiere abgegeben. Fatal: Die Einnahmen gehen zugleich zurück, klagen Tierheime aus der Region in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Spenden, Mitgliedsbeiträge und Zuschüsse der Kommunen seien gleichgeblieben oder gesunken, während die Kosten für Futter, Medikamente oder Tierärzte stiegen.

Wenn das so weitergeht, wird etwa die Hälfte der Tierheime in den nächsten zwei Jahren schließen müssen“, sagt der Vorsitzende des Landestierschutzverbandes Hessen, Alfred Günkel. Er fordert einen Zuschuss von einem Euro pro Einwohner und Jahr von den Kommunen.

In Gelnhausen erhielt das Tierheim bisher 13 Cent pro Einwohner und Jahr von 22 Gemeinden des Main-Kinzig-Kreises. Nach Angaben von Regina Wulf, der Vorsitzenden des Tierschutzvereins, summierte sich das auf 30.000 Euro im Jahr. Mit der Versorgung der 100 Hunde, 80 Katzen und anderen Tiere seien aber sechs Mitarbeiter beschäftigt, die alleine 130.000 Euro im Jahr kosteten. Obst- und Gemüsespenden, die an Ziegen, Pferde, Schweine oder Esel verfüttert werden, fallen geringer aus, weil die Lebensmittel eher an die Tafel für bedürftige Bürger abgegeben würden. „Das kann ich aber verstehen. Schließlich braucht man dort die Sachen auch“, sagte Wulf.

Katzenhaus im Tierheim Hanau ist für 25 Katzen ausgelegt

Günkel zufolge ist die Zahl der abgegebenen Tiere im vergangenen Jahr um 30 Prozent gestiegen. Diesen Trend hat auch Hessens Landestierschutzbeauftragte, Madeleine Martin, festgestellt: „Die Lage in den Tierheimen ist schlecht.“

Das bemerken auch viele Tierheime: In Dreieich seien im Dezember zehn Tiere abgegeben worden, drei davon aus finanzieller Not, berichtet Tierheimleiter Michael Krause. Das Katzenhaus im Tierheim Hanau ist für 25 Katzen ausgelegt, momentan seien aber etwa 50 Katzen darin untergebracht, berichtet Leiterin Isabelle Althoff. Auch dort gehen die Einnahmen zurück. „Wenn wir auf dem Stand von heute bleiben, können wir in drei oder vier Jahren zumachen“, sagt Kassenwart Gabriele Schröck.

Wer sein Tier im Heim abgibt, muss mit erheblichen Kosten rechnen: Die Tierheime kassieren bis zu 300 Euro für die Aufnahme. „Die Gebühr ist für die Versorgung des Tieres mit Medikamenten und für Futter gedacht“, sagt Christian Zentgraf, Leiter des Heims in Darmstadt. Sollte jemand den Betrag nicht aufbringen können, geht es allerdings auch kostenlos. Für ausgesetzte Tiere, sogenannte Fundtiere, sind laut Gesetz die Kommunen zuständig, die diese Aufgabe an die Tierheime übertragen.

dpa

Quelle: op-online.de

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