Lebensretter für bis zu sieben Menschen

Thomas Beck von der Deutschen Stiftung für Organtransplantation.

Offenbach ‐ 12.000 Menschen in Deutschland warten auf eine lebensnotwendige Transplantation. Im Jahr 2009 konnten aber nur 4.050 Organe übertragen werden.

Etwa 1000 Menschen sterben jedes Jahr, weil nicht rechtzeitig ein Organ für sie zur Verfügung stand. Warum sich jeder über Organspende Gedanken machen sollte, begründete Thomas Beck, der Kaufmännische Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Peter Schulte-Holtey - anlässlich des Tages der Organspende am Samstag.

Viele bekunden, dass sie ein Organ spenden würden; aber nur wenige besitzen einen Organspende-Ausweis. Wie ist das zu erklären?

In Umfragen zeigt sich immer wieder, dass 80 Prozent der Bundesbürger der Organspende positiv gegenüber stehen, aber nur 17 Prozent besitzen einen Ausweis. Es fehlt ein definierter Zeitpunkt, an dem sich jeder von uns in seinem Leben einmal mit dem Thema Organspende auseinandersetzen muss.

Dabei gibt es gute Gründe über Organspende nachzudenken.

Organspende rettet Leben und ist ein Zeichen der Solidarität und Nächstenliebe. Jeder Organspender kann nach seinem Tod bis zu sieben schwerkranken Menschen die Chance auf ein neues Leben schenken. Organspende geht jeden an: Wer nimmt, sollte auch bereit sein, zu geben. Jeder kann durch eine Krankheit oder einen Unfall plötzlich in die Situation geraten, auf ein neues Organ angewiesen zu sein. Aus Fürsorge gegenüber den Angehörigen. Im Falle eines Hirntods müssen diese in einer schwierigen Situation nach dem mutmaßlichen Willen des Verstorbenen entscheiden. Deshalb ist es wichtig, die Familie über die eigene Entscheidung zur Organspende zu informieren. Die Transplantationsmedizin gehört heute zum Standard der medizinischen Versorgung und ist so erfolgreich, dass die gespendeten Organe über Jahrzehnte hinweg funktionsfähig bleiben und die Empfänger ein fast normales Leben führen können.

Wie könnte in der breiten Öffentlichkeit noch mehr auf das Thema aufmerksam gemacht werden?

Mit „Fürs Leben. Für Organspende.“ hat die DSO die bisher größte bundesweite Initiative für Organspende ins Leben gerufen. Prominente Schirmherrin ist Bundeskanzlerin Angela Merkel, die „Fürs Leben“ mit den Worten unterstützt: „Die Entscheidung für eine Organspende ist die Entscheidung für das Weiterleben eines Mitmenschen.“ Da es in erster Linie die informierten und aufgeklärten Menschen sind, die einer Organspende zustimmen, sieht die Initiative den Schlüssel für eine höhere Spendebereitschaft in einer breiten und langfristig angelegten Informationskampagne, die die Menschen emotional berührt und gleichzeitig die Erfolge der Transplantationsmedizin erlebbar macht. Die Leit-idee dabei ist, das Leben als ein Geschenk zu begreifen und in diesem Sinne weiterzugeben. „Fürs Leben“ hat es sich zum Ziel gemacht, möglichst viele Menschen zu motivieren, sich mit diesem wichtigen Thema auseinanderzusetzen, darüber nachzudenken und eine Entscheidung zu treffen.

Die Initiative wurde kürzlich in eine eigenständige Stiftung überführt. Auf diese Weise wird es sicher noch besser gelingen, die bisher von der DSO getragenen Aktivitäten fortzuführen und auszubauen. Über öffentlichkeitswirksame Maßnahmen wie Großflächenkampagnen, Anzeigen, TV-Spots, die bereits bestehende Internetplattform sowie zentrale Events und Veranstaltungen soll in Verbindung mit einer breit angelegten Medienarbeit, verstärkt für das wichtige Thema Organspende geworben werden. Eine Reihe von Partnern hat sich der Stiftung bereits angeschlossen. Ziel ist es, weitere Unterstützer zu gewinnen und neue Kooperationen einzugehen.

Offenbar kommen nur zehn Prozent der Kliniken in Hessen ihrer Verpflichtung nach dem Transplantationsgesetz nach. Müssen nicht auch die Krankenhäuser mehr für das Thema sensibilisiert werden - brauchen wir eine Gesetzesänderung in Hessen? Benötigt die DSO also mehr Kompetenzen?

Um die Durchführung von Organspenden in jedem Krankenhaus zu ermöglichen, bieten die Mitarbeiter der DSO rund um die Uhr eine umfassende Unterstützung im Organspendeprozess an. Sie vermitteln Experten für die Hirntod-Diagnostik, beraten bei der medizinischen Betreuung des Spenders, erheben und übermitteln die zur Organvermittlung notwendigen Daten und organisieren die Organentnahme bis hin zum Transport. Neben diesen medizinischen und logistischen Aufgaben stehen sie auch für die Begleitung und Beratung der Angehörigen eines möglichen Spenders zur Verfügung.

Der entscheidende Knackpunkt zur Steigerung der Zahl der Organspenden ist die frühzeitige Erkennung und die Mitteilung möglicher Spender aus den Krankenhäusern an die Deutsche Stiftung Organtransplantation. Maßnahmen zur Förderung der Organspende müssen an dieser Stelle ansetzen. Dazu bedarf es keiner Gesetzesänderung. Allein durch die Schaffung geeigneter Strukturen ließe sich die Anzahl der Spenden in Deutschland deutlich steigern. Vorzeigeland ist hier Spanien mit etwa 35 Spendern auf eine Million Einwohner im Vergleich zu Deutschland mit nur knapp 15 Spendern. Vor diesem Hintergrund haben die DSO, das Gesundheitsministerium und die Deutsche Krankenhausgesellschaft im Juli 2009 gemeinsame Leitlinien auf Basis des Transplantationsgesetzes verabschiedet. Die darin formulierten Maßnahmen zur Unterstützung der Kliniken sind ein erster wichtiger Schritt zu einer effektiven und überprüfbaren Steigerung der Organspende.

Mehr Spendermeldungen erhofft sich die DSO vor allem von dem zunächst auf zwei Jahre angelegten und von der DSO zunächst finanzierten Pilotprojekt zur „Inhousekoordination“. Das Projekt orientiert sich am „spanischen Modell“ und sieht einen oder mehrere Krankenhausmitarbeiter vor, die die DSO quartalsweise über die Situation der Organspende informieren und auf diese Weise eine noch engere Vernetzung mit der Koordinierungsstelle gewährleisten.

Quelle: op-online.de

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