Lehre auch für Erwachsene sinnvoll

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Rainer Kupka

Offenbach - Eine Ausbildung ist der Schlüssel zu besseren Berufschancen, mehr Einkommen und zur Vermeidung von Altersarmut. Die Agentur für Arbeit Offenbach legt bei der Planung ihrer Bildungsziele den Fokus auf die Ausbildung Erwachsener.

In jedem Alter lohnt es sich, eine Ausbildung nachzuholen, erklärt Rainer Kupka, Beauftragter für die Bildungszielplanung bei der Arbeitsagentur, im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Marc Kuhn.

Herr Kupka, wieso plant die Agentur für Arbeit Bildungsziele?

Jede Agentur macht sich Gedanken, wie sie ihre Mittel, die aus Beitragsgeldern kommen, im Bereich Weiterbildung sinnvoll ausgeben und welche Bildungsziele sie erreichen will. Erstes Ziel ist immer, dass Menschen dauerhaft in Arbeit gebracht werden. Und eines ist in Zeiten zunehmenden Fachkräftebedarfs klar: Nichts schützt langfristig so gut vor Arbeitslosigkeit wie eine qualifizierte Ausbildung.

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Das heißt, Sie wollen Menschen den Start in eine Ausbildung ermöglichen, die es als Jugendliche nicht geschafft haben?

Ja, es gibt individuell vielfältige Gründe, warum jemand keine Ausbildung gemacht hat oder eine Lehre absolvierte, aber nicht in dem erlernten Beruf gearbeitet hat, so dass der Abschluss fast keinen Wert mehr besitzt. Menschen, die beispielsweise 30 Jahre alt sind, meinen vielleicht, sie seien zu alt, um noch eine Ausbildung zu machen. Dabei vergessen sie, dass sie noch gut 35 Jahre Berufstätigkeit vor sich haben. Und die können sie durch eine Ausbildung so gestalten, dass sie lebenslang mehr verdienen und weniger vom Risiko der Arbeitslosigkeit bedroht sind.

Wie steht man die Ausbildungszeit finanziell durch? Die Ausbildungsvergütung reicht ja wohl kaum zum Leben?

Entschließt sich ein Arbeitsloser, eine Ausbildung nachzuholen, wird während der gesamten Weiterbildung das Arbeitslosengeld gezahlt. Zudem können Zuschüsse zu Fahrt- und Kinderbetreuungskosten gewährt werden. Außerdem wird bei einer betrieblichen Ausbildung die Vergütung bis zu einem Freibetrag von 400 Euro nicht auf das Arbeitslosengeld angerechnet.

Wie geht es vor sich, wenn jemand arbeitslos ist und eine Ausbildung nachholen will?

Grundsätzlich ist es so, dass Kunden, die arbeitslos oder arbeitsuchend sind, von uns einen Bildungsgutschein erhalten können, wenn ohne eine Qualifizierung keine oder nur geringe Integrationschancen bestehen. Unsere Arbeitsvermittler klären das im Einzelfall ab und vergeben dann einen Bildungsgutschein oder eine Zusage der Kostenübernahme bei einem Bildungsträger.

Wie findet man denn einen Ausbildungsbetrieb oder einen Bildungsträger?

Wir unterstützen Kunden bei der Suche nach einer betrieblichen Ausbildung, indem wir versuchen, geeignete Ausbildungsstellen vorzuschlagen. Aus Neutralitätsgründen ist es uns nicht gestattet Empfehlungen für einzelne Bildungsträger auszusprechen. Wir stellen jedoch im Internet die Informationsplattform Kursnet zur Verfügung, auf der jeder Bildungsträger die Möglichkeit hat, sein Bildungsangebot zu veröffentlichen.

Lohnt es sich denn in jedem Alter, eine Ausbildung nachzuholen?

Unbedingt. Qualifizierte Fachkräfte werden am Markt gesucht, und das wird sich in den nächsten Jahren noch verstärken. Sie erhalten ein höheres Gehalt als Ungelernte: Im Schnitt verdienen Fachkräfte während des Berufslebens rund 300 000 Euro mehr. Sie werden wesentlich seltener arbeitslos und wenn es doch einmal passiert, sind sie viel schneller wieder in Arbeit. Das alles hat Auswirkungen bis hin zur späteren Rente, Stichwort Altersarmut.

Was können Arbeitgeber tun, die einem Erwachsenen eine Chance auf eine Ausbildung geben würden?

Die Ausbildungsstelle einfach bei unserem Arbeitgeber-Service melden, entweder beim persönlichen Ansprechpartner oder unter der kostenlosen Hotline 08005 444420.

Quelle: op-online.de

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