Lehrer will nicht in den Ruhestand

Ohne ihn geht es einfach nicht

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Ein streitbarer Geist, der den Lehrerberuf liebt.

Frankfurt - Bloß nicht in Pension. Ein Frankfurter Lehrer klagt wegen Altersdiskriminierung. Er hat Sorgen um die Schüler, wenn er nicht mehr da ist. Von Petra Wettlaufer-Pohl

„Tschüss, und schöne Ferien, trotz allem“, ruft die junge Kollegin über den schon leeren Hof der Frankfurter Ernst-Reuter-Schule und Abraham Teuter lacht - trotz allem. Denn für den 65-Jährigen im leuchtend-pinkfarbenen Hemd könnte der Ferienbeginn gestern zugleich der unfreiwillige Beginn seines Pensionärsdaseins sein. Teuter will aber weiter arbeiten, will seine siebte Klasse in der Nordweststadt unbedingt bis zum Realschulabschluss bringen. Er klagt jetzt gegen Altersdiskriminierung.

Denn Teuter ist sicher, dass er ein guter Lehrer ist, der im Laufe seines Berufslebens so manchen zum Abschluss gebracht hat, den andere vielleicht schon aufgegeben hatten. Auch in seiner derzeitigen Klasse sind Kinder, um die er sich jetzt Sorgen macht. Glaubt er wirklich, es gäbe keine anderen engagierten Lehrer? „Na klar gibt es die an dieser Schule, aber es ist ein Risiko für die Kinder.“ Mit ihm, meint der Pädagoge, wäre es das nicht.

Viele Schüler aus bildungsfernen Schichten

Dabei ist er keiner, der den Kindern etwas schenkt, wenn sie etwa aus schwierigen Verhältnissen kommen. „Das hilft ihnen doch nicht weiter. Man muss sie fördern, das ist für beide Seiten harte Arbeit“. Er weiß, wovon er redet, denn er hat 20 Jahre im Frankfurter Stadtteil Griesheim unterrichtet, zeitweise auch in Fechenheim. In den beiden Industriestadtteilen stammten viele seiner Schüler aus den sogenannten bildungsfernen Schichten.

„Und ich bin ein querulanter Geist“, sagt Teuter. Die lange Liste der Schulen, an denen er schon unterrichtet hat, scheint das zumindest zu bestätigen. Leicht macht er es seinen Kollegen wahrscheinlich nicht. „Ich bin auch spät Beamter geworden, ich wollte kein versorgter Untertan sein, der alles hinnehmen muss.“ Bis seine Frau, mit der er vier Kinder hat, ihm mal den Unterschied zum Beamtengehalt ausgerechnet hat.

Viele Eltern und Schüler unterstützen ihn

An der Ernst-Reuter-Schule ist er jetzt seit vier Jahren und es gefällt ihm gut. Dass der Schulleiter seinen Antrag, zunächst ein Jahr zu verlängern - nur so erlaubt es das Beamtengesetz - nicht aktiv unterstützt hat, ärgert Teuter natürlich. Aber er weiß viele Schüler und Eltern hinter sich. Dokumentiert ist dies in einer Liste mit 150 Unterschriften. Weil das bisher alles nicht gefruchtet hat, läuft die Klage.

Im Kultusministerium gibt es solche Fälle selten. Da springt mal einer im Notfall ein oder bringt seine Klasse noch das letzte halbe Jahr zum Abitur, sagt Sprecher Christian Henkes. Doch in diesem Fall bestehe einfach kein dienstlicher Bedarf. „Es ist ganz normal, wenn in der Mittelstufe mal der Klassenlehrer wechselt. Wir geben mindestens 1800 neuen jungen Lehrern zu Schuljahresbeginn eine Chance, die auch engagiert unterrichten wollen.“

Quelle: op-online.de

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