Thema Gleitzeit

Späterer Schulbeginn: Lehrer in der Region nicht begeistert

Offenbach/Dietzenbach/Seligenstadt - Für Hans Peter Löw, Schulleiter der Heinrich-Mann-Schule in Dietzenbach, einer kooperativen Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe, ist ein späterer Schulbeginn überhaupt kein Thema. Dies wollten weder die Schüler noch sein Kollegium. Von unseren Redaktionen

Unterrichtsbeginn ist und bleibe 7.50 Uhr. Noch früher müssen die Pennäler der Seligenstädter Einhardschule ran. Dort läutet die Schulglocke schon um 7.40 Uhr zur ersten Stunde. Leiter Dieter Herr räumt ein, dass der frühe Unterrichtsbeginn für viele Schüler ein Problem sei. Eine Gleitzeit, wie sie das Gymnasium von Alsdorf ausprobiert hat, ist aus seiner Sicht aber problematisch, da dann die gesamte Konzeption der Schule neu erarbeitet werde müsse. „In der ersten Stunde kann dann kein Regelunterricht mehr stattfinden“, sagt Herr. Stattdessen müsse freies Arbeiten angeboten werden, was aber wiederum zu zeitlichen Problemen führe. Auch eine Verlegung des Unterrichtsbeginns um eine Stunde nach hinten hätte zur Folge, dass der Unterricht erst gegen 18 Uhr enden würde, was wiederum zu spät für die Schüler sei, gibt Herr zu bedenken.

Drastische Worte findet Jürgen Hartmann, Vorsitzender des Hessischen Philologenverbandes zum Thema Gleitzeit in Schulen und späterer Unterrichtsbeginn: „Zuletzt ist es mir im Sommerloch 2015 begegnet, nachdem Familienministerin Schwesig dazu einen Anstoß gegeben hatte. Dieses wurde damals schon von unserem Bundesvorsitzenden Meidinger kommentiert: „absolute Luftnummer und überflüssig wie ein Kropf“.“

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Für Hartmann gibt es nach wie vor triftige Gründe nicht am frühen Schulbeginn zu rütteln: „Die Taktung der öffentlichen Verkehrsmittel, die Ausrichtung auf den Beginn der Arbeitszeiten in den Betrieben und der weitere in den Schulen anfallende organisatorische Mehraufwand ist kaum zu schultern und führt unweigerlich zu mehr Nachmittagsunterricht. Dass weiterhin diese Verschiebung zu mehr Betreuung statt fachlicher Bildung in der Schule führt, steht außer Frage und ist für mich das gewichtigste Argument, den Unterrichtsbeginn in seinem derzeitigen Status zu belassen. Im Übrigen bin ich nach wie vor davon überzeugt, dass viele Eltern wie auch Schüler eine verlässliche Schulzeit mit frühem Vormittagsbeginn einem permanenten Nachmittagsunterricht und damit einer Präsenzpflicht in der Schule vorziehen.“

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Für den obersten Vertreter der hessischen Gymnasiallehrer können die Probleme mit dem frühen Aufstehen nicht nur mit dem sich in der Pubertät verändernden Biorhythmus begründet werden. Hartmann ist sich sicher: „Auch das Medienkonsumverhalten (z. B. das kurz vor dem Einschlafen unter der Bettdecke gezückte Smartphone zum Checken der letzten Nachrichten in der Chatgruppe) und das späte zu Bett gehen tragen dazu bei, dass die Schlafphasen vieler Jugendlicher nicht mehr in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen.“

Quelle: op-online.de

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