Chance für benachteiligte Jugendliche

Frankfurt - Angesichts des Fachkräftemangels will die hessische Metall- und Elektroindustrie auch benachteiligten Schülern eine Chance geben. Von Marc Kuhn

Vor allem Jugendliche ohne Hauptschulabschluss sollen in den Betrieben in einem Jahr fit für eine Ausbildung gemacht werden, wie der Arbeitgeberverband Hessenmetall und die IG Metall gestern in Frankfurt berichteten. Sie haben einen in der Tarifrunde 2012 vereinbarten „Tarifvertrag zur Integration Jugendlicher in Berufsausbildung“ unterzeichnet. Der Hauptgeschäftsführer von Hessenmetall, Volker Fasbender, sagte: „Wie wollen eine Brücke in die Ausbildung bauen. “ Vom letzten Baustein des Tarifvertrags sprach der Bezirksleiter IG Metall Mitte, Armin Schild.

Er erklärte, jedes Jahr würden in Hessen etwa 2200 Jugendliche die Hauptschule ohne Abschluss verlassen. Gleichzeitig konnten 2011 rund 17 Prozent der Ausbildungsplätze nicht besetzt werden.

Schreiben, Rechnen und Kommunizieren

Mit einem Förderplan sollten den Jugendlichen künftig unter anderem Schlüsselkompetenzen wie Verlässlichkeit vermittelt werden, erklärte Fasbender. Zudem sollten ihre Grundkenntnisse beispielsweise im Schreiben, Rechnen und Kommunizieren verbessert werden. „Jungen Menschen ist am besten geholfen, wenn sie mit der Praxis im Betrieb konfrontiert werden.“ Sie erhalten zunächst monatlich 500 Euro, nach sechs Monaten 600 Euro. Ziel sei es, benachteiligte Jugendliche in „einer bis zu einjährigen Coachingphase im Betrieb fit für eine sich anschließende dreieinhalbjährige duale Ausbildung zu machen“, sagte Schild. Der Hessenmetallchef fügte hinzu: „Wie empfehlen unseren Mitgliedsunternehmen, sich zu beteiligen.“

Nach seinen Worten gibt es „keine starre Definition“ für die Teilnehmer, auch wenn sich das Konzept vorwiegend an Jugendliche ohne Hauptschulabschluss wendet. Es komme auch für andere junge Menschen mit schlechten Abschlüssen in Frage. Über eine Beteiligung müsse dann aber der Betriebsrat des Unternehmens mitentscheiden.

„Wir suchen überall Nachwuchs“

„Wir suchen überall Nachwuchs“, erläuterte Fasbender. Die hessische Metall- und Elektroindustrie braucht nach seinen Worten vor allem im MINT-Bereich - Mathematik-Informatik-Naturwissenschaft-Technik - Fachkräfte. Der Verbandschef verwies auf eine Umfrage, nach der 37 Prozent der Unternehmen ihre Akademikerpositionen, 35 Prozent die Fachkräfteplätze und fast ein Fünftel ihre Ausbildungsstellen nicht besetzen können. Gleichzeitig würden rund 20.000 Jugendliche nach dem ersten Abschluss weiter zur Schule gehen. Junge Menschen müssten motiviert werden, „sich Richtung Betrieb zu orientieren“.

Quelle: op-online.de

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