Leistungsschau der Tanzszene

„Tanzplattform Deutschland“ in Alter Schlosserei der EVO

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Frankfurt/Offenbach - Das Festival „Tanzplattform Deutschland“ ist so etwas wie das Theatertreffen der Tanzszene. Wenn die Biennale vom 2. bis 6. März 2016 mit zwölf Produktionen zeitgenössischer Tanz- und Performancekunst in die Region kommt, wird Offenbach in mehrfacher Hinsicht zur Bühne. Von Carsten Müller

Die Alte Schlosserei der Energieversorgung Offenbach zählt zu den Satelliten, die das Veranstaltungszentrum im Frankfurter Mousonturm umgeben. Dort bringen die in Berlin lebenden Künstler Ana Vujanovic und Sasa Asentic ihre Produktion „On Trial Together (Episode Offenbach“ auf die Bühne. Ihre Kreuzung aus Choreografie, Gesellschaftsspiel und Happening beschäftigt sich mit Offenbacher Fragestellungen. Das Duo ist bekannt für seine „sozialen Choreographien“, die gemeinsam mit dem Publikum erarbeitet werden. Die Offenbacher Aufführung illustriert, wie groß ist die Bandbreite des von einer Jury kuratierten Festivals ist. Ausschlaggebend für die Nominierung waren, so Mousonturm-Intendant Matthias Pees, die von der jeweiligen Produktion ausgehenden Impulse für die Weiterentwicklung des Tanzes.

Eröffnet wird es vom Projekt Gintersdorfer/Klaßen mit der Arbeit „Not Punk. Pololo“, einem „Clash de luxe der Popkulturen“, am 2. März im Frankfurter Schauspiel. Musiker der Goldenen Zitronen machen hier gemeinsame Sache mit Pololo-Tänzern der Elfenbeinküste. Die Berlinerin Isabel Schad erkundet mit 22 Tänzerinnen und Tänzern im Bockenheimer Depot die gemeinschaftsbildende Wirkung des Tanzes. Im Künstlerhaus Mousonturm begeben sich Verena Billinger (Düsseldorf) und Sebastian Schulz (Frankfurt) in „Violent Event“ auf eine physisch und visuell schmerzhafte Gratwanderung. Gewalt wird auf der Bühne vorexerziert, eine vielschichtige Herausforderung für das Ensemble wie für die Zuschauer.

Der Wiener Ian Kahler verwandelt das Frankfurt LAB in einen Club. Sein Pas de deux mit dem Tänzer Philipp Gehmacher wird von Musik der Aquarian Jugs, einer Rauminszenierung von Stefanie Rauch und dem Lichtdesign von Jan Maertens zum Gesamtkunstwerk, das jedoch ständigen Interventionen unterworfen ist, Keine der Aufführungen von „o.T. (gateways to movement)“ soll der anderen gleichen.

Shuttle-Bus zwischen den Veranstaltungsorten

Die Frankfurter Choreographin Paula Rosolen begibt sich mit ihrem Corps de Ballet im Kurtheater Bad Homburg in hoch-rhythmischen Formationen an die militärischen Drill-Wurzeln des Aerobic-Booms der 1990er Jahre, den sie mit klassischem Ballett verbindet.

Im Gallus Theater lotet die Tanzperformance „Parade“ des Berliners Adam Linder die Kommerzialisierung der bildenden Kunst aus. Lea Moros „(b)reaching stillness“ arbeitet, ausgehend von barocken Tableaus, zu Mahlers Auferstehungssinfonie mit Stillstand und Bewegung. Ein Wiedersehen mit dem Triadischen Ballett des Bauhaus-Künstlers Oskar Schlemmer und dessen Bearbeitung durch den Darmstädter Choreographen Gerhard Bohner im Jahr 1977 gibt es am dortigen Staatstheater, getanzt von der Junior Company des Bayerischen Staatsballetts in Schlemmers Kostümen.

Ebenfalls am Staatstheater Darmstadt zeigt die Hamburger Tänzerin Antje Pfundtner „nimmer“, einen Stilmix aus Tanz, Musik und Erzählung. Das Kleine Haus verwandeln Meg Stuart, das Jazztrio Damaged Goods und Tänzer der Münchner Kammerspiele in einen Ort des Begehrens und der Illusion. Antonia Baehr (Berlin) und Valerie Casten (Paris) präsentieren die choreographische Live-Hörspielproduktion „Misses and Mysteries“ im Mousonturm.

Zwischen den Veranstaltungsorten verkehrt ein Shuttle-Bus für Fachbesucher und das allgemeine Publikum. Tickets gibt es ab 10. Dezember im Vorverkauf.

Quelle: op-online.de

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