Army-Camp Point Alpha

Die letzte Grenzpatrouille

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Angehörige der US-amerikanischen Streitkräfte beim Fahnenzeremoniell in der Grenzgedenkstätte Point Alpha in Rasdorf.

Rasdorf - Am 31. März 1990 absolvieren US-Soldaten an Point Alpha ihre letzte Grenzpatrouille. Das Army-Camp zwischen Hessen und Thüringen galt als strategisch gefährlicher Ort. Von Jörn Perske 

25 Jahre danach kehren Veteranen an den Eisernen Vorhang zurück und nehmen Schüler mit auf eine Zeitreise. Früher war es einer der heißesten Orte im Kalten Krieg. Point Alpha, der Stützpunkt der US-Army, lag im sogenannten Fulda Gap. Das Areal in Osthessen galt als strategisch günstiges Einfallstor für die Truppen des Warschauer Pakts. Experten vermuten, dass dort ein Dritter Weltkrieg zwischen Ost und West seinen verhängnisvollen Beginn hätte nehmen können. Die Panzer, Militärfahrzeuge und Waffen, die damals zum Einsatz hätten kommen können, sind nun als museale Ausstellungsstücke in dem US-Camp im hessischen Rasdorf an der Grenze zu Thüringen zu sehen. Am Freitag waren sie beliebtes Fotomotiv. 450 Besucher kamen zu Point Alpha, um ein Jubiläum zu feiern - den „Last Border Patrol Tag“. Vor rund 25 Jahren hielt die Army an dem geschichtsträchtigen Ort ihre letzte Grenzpatrouille ab.

25 Jahre nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs ist Point Alpha mit den Grenzzäunen, Wachtürmen und dem militärischen Inventar nicht nur ein Museum mit diversen Ausstellungen, die rund 100.000 Besucher pro Jahr anziehen. Es ist auch ein Mahnmal, ein Ort für politische Bildung. Für die, die an Point Alpha im Kalten Krieg ihren Dienst taten, wurden Erinnerungen wach. Mehr als 100 US-Veteranen kehrten am Freitag zu ihrem früheren Einsatzort zurück. Einer von ihnen war William Clark. Er reiste aus Vancouver (US-Staat Washington) an. „Das ist ein sehr emotionales Erlebnis hier. Ich bin stolz darauf, meinen Einsatz geleistet und der Welt einen Dienst erwiesen zu haben.“ Clark war damals bei vier Einsätzen zwischen 1967 und 1989 dabei - insgesamt 14 Jahre lang, beim ersten in Bad Hersfeld war er 18 Jahre alt. „An die Gefahr haben wir damals nicht so denken wollen, dabei hätte hier der Dritte Weltkrieg beginnen können.“

Mit dieser Ausrüstung kämpft unsere Bundeswehr

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Den Soldaten von damals wurden noch einmal die Gefahren vor Augen geführt, denen sie damals ausgesetzt waren. „Sie wussten, dass sie, eine Handvoll Soldaten mit einigen Panzern, im Ernstfall nur wenige Minuten überleben würden“, erklärte der Direktor der Point Alpha Stiftung, Volker Bausch. Denn sie seien „an der Schnittkante zwischen der Freien Welt und den kommunistischen Diktaturen Mittel- und Osteuropas“ eingesetzt gewesen. Für ihren Einsatz dankten ihnen am Freitag auch Landespolitiker aus Hessen und Thüringen. Dass aus dem vier Jahrzehnte währenden Kalten Krieg kein realer militärischer Konflikt wurde, sei zu weiten Teilen der Präsenz der amerikanischen Streitkräfte in Deutschland und Europa zu verdanken gewesen, sagte Hessens Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, Lucia Puttrich (CDU).

Auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) betonte die wichtige Rolle der US-Armee, die unter großen Opfern Europa Frieden und Freiheit gebracht und Deutschland von der Hitler-Barbarei befreit habe: „Und dafür gilt unser Dank bis heute.“ Zum Jubiläum, 25 Jahre nach der letzten Grenzpatrouille an Point Alpha am 31. März 1990, waren auch Schüler aus Hessen und Thüringen eingeladen. Sie wurden durch das Lager geführt und konnten mit Zeitzeugen sprechen. Celine Heinzel (16) aus Vacha war begeistert: „Es ist etwas Besonderes, heute hier zu sein. Spannend, alles aus erster Hand zu erfahren.“ Ihre Freundin Anna-Maria Kaufmann (17) sagte: „Wenn man das hier sieht, kann man froh sein, dass dieses Kapitel der Weltgeschichte friedlich verlaufen ist.“

dpa

Quelle: op-online.de

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