Training für den Ironman Frankfurt

Liebe einer Frau legte Schalter um

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Im Jahre 2010 hat Thomas Stephan 230 Kilo auf die Wage gebracht - jetzt steht er mit 150 Kilo weniger vor seinem ersten Start bei einem Ironman- Triathlon Frankfurter Pfarrer: Mein Abnehmen war reine Kopfsache Die Bilder zeigen den Pfarrer und Ironman-Teilnehmer Thomas Stephan vor und nach seiner radikalen Gewichtsabnahme.

Frankfurt - Das Thermometer steht bei mehr als 30 Grad. Die Luft flimmert über dem Asphalt. Thomas Stephan rauscht auf seinem Rennrad auf der Bundesstraße Richtung Maintal. Ihm scheint die Hitze nichts auszumachen. Von Milan Jaeger 

Er trainiert für den 6. Juli - „den längsten Tag des Jahres“, wie die Athleten den Ironman-Triathlon nennen. An diesem Tag wird Stephan zum ersten Mal versuchen, die 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und den abschließenden Marathon in maximal 15 Stunden zu bewältigen. Für sein Ziel trainiert er seit Monaten. „Trinken ist das Wichtigste“, sagt Stephan. Er sitzt tief im Sattel und tritt mit der Konstanz eines Schiffsmotors in die Pedale. An seinem Fahrrad hat er zwei Halbliter-Plastikflaschen befestigt, mit einem Vitamingetränk gefüllt. Vor etwas mehr als vier Jahren brachte Stephan noch 230 Kilo auf die Waage. Damals hätte er noch so viel trinken können, auf einem Leichtmetall-Drahtesel hätte er es doch nicht lange ausgehalten.

Mit dem Sport begann er erst, nachdem er 150 Kilo abgeworfen und sieben komplizierte Operationen hinter sich gebracht hatte. Weil sich nach solch massiven Gewichtsabnahmen die Haut nicht von alleine zurückbildet, musste der plastische Chirurg Klaus Exner den „überschüssigen Hautmantel entfernen“, wie er es ausdrückt. Doch da hatte Stephan den schwierigsten Kampf bereits hinter sich: den Kampf gegen die Kilos.

Das Abnehmen sei reine Kopfsache gewesen, sagt Stephan heute. Hilfsmittel, wie etwa eine Magenverkleinerung oder Diäten, habe er nicht benötigt. „Ich war nie ein dünnes Kind“, erzählt er. Bis zum Abitur spielte Stephan noch in einer Handballmannschaft. Irgendwie sei er dann aber in einen Teufelskreis geraten und habe immer weiter zugenommen. Aus Frust über persönliche Ablehnungen habe er immer mehr gegessen. Bis er über 200 Kilo wog. Stephan begann ein Theologiestudium und arbeitete nebenher als Veranstaltungsmanager. Als er vor dem Sprung in das Amt des Pfarrers stand, entschied er sich zunächst für das Organisieren von Konzerten. Erst Jahre später übernahm er eine Gemeinde. Heute ist er Pfarrer in Frankfurt.

Wegen einer Frau fing Stephan an abzunehmen. Eine Freundin sagte zu ihm, „wegen mir musst du nicht abnehmen“. Das sei ein Schalter gewesen, der plötzlich umgelegt worden sei. „Zum ersten Mal hatte ich so etwas wie ein positives Körpergefühl“, erzählt Stephan. Er achtete fortan konsequent auf seine Ernährung, begann bewusst einzukaufen und entdeckte seine Liebe zum Kochen. Stephans Arzt nennt dessen Geschichte beeindruckend. Ein Wunder sei sie aber nicht, auch wenn sie so klinge. „Stephan hat eben einen sehr starken Willen“, sagt Exner. Am 6. Juli tritt Thomas Stephan an, um sein nächstes persönliches Wunder zu erleben. „Beim Ironman das Ziel zu erreichen, ist ein absoluter Traum“, sagt er. Dafür trainiert er jeden Tag.

dpa

Quelle: op-online.de

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