Lieber früher an den Strand

Frankfurt - Manche Eltern dehnen die Schulferien eigenmächtig aus. Preiswerte Flüge, private Feiern oder Familie im Ausland können der Grund sein. Andere wollen mit Freunden aus anderen Bundesländern gemeinsam weg fahren, oder die Firma genehmigt ihnen während der Ferien keinen Urlaub. Längst nicht alle stellen aber den notwendigen Antrag bei der Schule, wenn sie die Kinder aus dem Unterricht nehmen wollen. Von Ira Schaible (dpa)

Viele melden sie einfach krank. Wie häufig Schüler verfrüht in die Ferien starten oder zu spät zurück kommen, weiß niemand genau. „Es gibt sicherlich eine hohe Dunkelziffer“, heißt es im Kultusministerium kurz vor den Osterferien. Ein Bußgeld wird aber nur ganz selten verhängt.

„Die Entschuldigungen entsprechen nicht immer der Wahrheit. Das wissen alle“, sagt Bernd Melzer vom Staatlichen Schulamt in Frankfurt. Meist seien den Schulen in diesen Fällen die Hände gebunden. „Die Schulen sind restriktiver geworden“, berichtet GEW- Landeschef Jochen Nagel über die Genehmigungspraxis von Anträgen auf längere Ferien. Wenn es einen besonderen Grund gebe, befreiten die Schulleiter ihre Schüler zwar schon mal vom Unterricht, wiesen dabei aber oft daraufhin, dass dies nur einmal in der Schullaufbahn gehe.

Eine preiswertere Urlaubsreise als Grund für die Befreiung vom Unterricht halte er aus pädagogischen Gründen für inakzeptabel, sagt Nagel. Damit werde den Kindern vermittelt, dass die Schule nicht so wichtig sei und der Urlaub im Zweifelsfall vorgehe. „Das ist problematisch.“

Der Leiter der Gustav-Heinemann-Schule im nordhessischen Borken, Heinz Meier, genehmigt Familien nur im Einzelfall einige wenige freie Tage extra, so beispielsweise wenn eine türkische Familie mit fünf Kindern in die Heimat fliegt. „Aber das geht dann nicht jedes Jahr“, betont der Gesamtschulleiter.

Einmal in der Schulzeit könne so etwas genehmigt werden, sagt der Leiter der Wilhelm-Leuschner-Schule in Darmstadt, Volker Käpernick. Voraussetzung sei aber ein triftiger Grund. Als Beispiel nennt der Haupt- und Realschulleiter: „Wenn der Vater nicht anders Urlaub von der Firma bekommt.“ Ein großes Thema sei dies aber nicht, und die Reihen vor den Ferien keineswegs gelichtet.

Die Wilhelm-Filchner-Schule in Wolfhagen schlägt Anträge auf Ausweitung der Ferien auch ab, wenn es keine besondern Gründe gibt. „Jeder möchte natürlich die Billig-Angebote nutzen“, sagte Schulleiterin Rita Schmidt-Schales. Allerdings müssten im Einzelfall menschliche Faktoren berücksichtigt werden. „Wenn eine fünfköpfige Familie mal die Oma in der Heimat besuchen will, und das sonst nicht bezahlen kann etwa“. Ausgenutzt werde das nicht.

„Der große Familienurlaub steht für viele Migranten in den Sommerferien an“, sagt Schulleiter Mathias Koch von der Georg-August- Zinn-Schule in Kassel. Manche würden dann lieber etwas länger als sechs Wochen in die Heimat fahren. „Wir erlauben hier und da mal Ausnahmen, wenn das plausibel erklärt wird.“ Manchmal würden solche Anträge aber auch untersagt. Es sei auch schon vorgekommen, dass eine Familie am ersten Schultag angerufen habe, weil ihr Flieger aus dem Irak nicht gehe, oder weil jemand in der Ferne krank geworden sei. „Wir verlangen dann ein Attest oder einen andern Nachweis.“ Ein Bußgeld gebe es wegen zwei solcher Fehltage aber nicht. „Das wäre zu sehr mit Kanonen auf Spatzen geschossen.“ Das Bußgeld sei Schülern vorbehalten, die auffällig oft fehlten und wo die pädagogischen Möglichkeiten ausgeschöpft seien.

„Wir sehen das streng“, sagt die Leiterin der Carl-Schomburg- Schule in Kassel, Kerstin Ihde. „Wenn wir das locker handhaben würden, ginge das nach hinten los.“ Im Einzelfall werde dies zwar genehmigt, es müsse aber gut begründet sein und der Unterrichtsstoff nachgearbeitet werden. „Das darf sich dann auch nicht wiederholen“, sagte die Leiterin der Kooperativen Gesamtschule im sozialen Brennpunkt. „So viel ist bei uns nicht mit Urlaubsreisen“, sagte Ihde, deren Ganztagsschule für viele Schüler eine Art zweites Zuhause ist. „Viele Kinder sind froh, wenn die Ferien vorbei sind.“

Quelle: op-online.de

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