Linke Mitte im Visier

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Die Landesvorsitzenden der hessischen Grünen, Kordula Schulz-Asche und Tarek Al-Wazir (re.), präsentieren sich gemeinsam mit der Bundesvorsitzenden Claudia Roth den Fotografen.

Marburg ‐ Schweinegrippe hin, Schweinegrippe her - Claudia Roth, Bundesvorsitzende der Grünen, herzte und küsste ihre Parteifreunde am Samstag in Marburg, als hätte sie nie etwas von Viren gehört. Von Petra Wettlaufer-Pohl

Schließlich war sie erstmals Gast einer grünen Landesmitgliederversammlung in Hessen. Genauso herzlich begann sie auch ihre Ansprache, die mit vielen hessischen Details und Erlebnissen geschmückt war, bevor sie „volle Pulle auf Opposition“ schaltete und die Mitglieder der Bundesregierung genüsslich zerpflückte.

Die hessischen Grünen indes mochten nach zehn Jahren Opposition kaum noch ein Wort verlieren über die schwarz-gelbe Landesregierung, sie wollen sich künftig ganz darauf konzentrieren, „die Führung der linken Mitte“ zu übernehmen. Und zwar mit den bisherigen Köpfen: Mit 89 beziehungsweise 86 Prozent der Stimmen bestätigten die Grünen ihre Vorsitzenden Kordula Schulz-Asche (52) und Tarek Al-Wazir (38) in ihren Ämtern. Die Eschbornerin Schulz-Asche, die gemeinsam mit dem Offenbacher Al-Wazir auch die Landtagsfraktion führt, erhielt 164 von 184 gültigen Stimmen, für Al-Wazir entschieden sich 166 von 190 Mitgliedern. Vor zwei Jahren noch musste sich der 38-Jährige mit 79, 1 Prozent bescheiden, damals gab es Kritik, dass Al-Wazir neben seinem Mandat auch noch für das Spitzenamt kandidierte. Die Sozialpolitikerin Schulz-Asche konnte ihre 88,4 Prozent von 2007 ganz leicht verbessern.

Grüne sollen eigenständige Politik verfolgen

Al-Wazir hatte die Grünen zuvor aufgerufen, eine eigenständige Politik zu verfolgen. Die Grünen dürften weder SPD und Linken noch CDU und FDP „hinterherlaufen“. Wenn die Partei das schaffe, dann seien die „blutleeren Koalitionsdebatten und Farbspiele vorbei.“ Die Co-Vorsitzende Kordula Schulz-Asche mahnte, dass die Grünen nach dem Wahlreigen der vergangenen beiden Jahre dringend neue Konzepte entwickeln müssten.

Wie die Konzepte aussehen, blieb am Samstag noch im Vagen, was die CDU zur hämischen Bemerkung veranlasste, die Grünen hätten es eben verpasst, sich für Jamaika zu entscheiden. So einfach will es Al-Wazir den Schwarz-Gelben aber auch nicht machen. Er merkte an, dass Ministerpräsident Roland Koch (CDU) und sein Vize Jörg-Uwe Hahn (FDP) auch für viele ihrer Parteifreunde kein Zukunftsprogramm für Hessen darstellten. Vorerst allerdings beschäftigten sich die Grünen mit dem Kommunalwahlprogramm 2011. Immerhin, so Al-Wazir, werde bereits fast jeder zweite Hesse von den Grünen mitregiert - dank der Erfolge in den größeren Städten.

Quelle: op-online.de

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