Liste der Baustellen

Wiesbaden ‐ Die Lage an den hessischen Gymnasien hat sich beruhigt, trotzdem bleiben noch viele Baustellen. Das ließen sich die Schulpolitiker im Hessischen Landtag gestern von Experten in Wiesbaden erläutern. Die Themen im Einzelnen: Von Friedemann Kohler (dpa)

- Zentralabitur: Der Streit um das 2007 erstmals durchgeführte Landesabitur hat sich weitgehend beruhigt. Zwar lehnt die Erziehungsgewerkschaft GEW das Landesabitur weiterhin ab, die anderen befragten Lehrer, Schulleiter, Eltern und Wirtschaftsvertreter sahen dagegen keinen Anlass, wieder etwas an der Reifeprüfung zu ändern. Allerdings dürften sich Fehler wie in diesem Frühjahr im Fach Mathematik nicht wiederholen. „Wir können das Zentralabitur unterstützen, wenn Pannen vermieden werden können“, sagte der Vorsitzende des Vereins Hessische Eltern pro Bildung,

- Flexible Oberstufe: Die umstrittene Verkürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre bis zum Abitur (G8) wirkt nach. SPD und Grüne fordern, die Verkürzung nicht der Mittelstufe aufzubürden, sondern die dreijährige Oberstufe flexibel zu gestalten. Sie sollte in zwei bis vier Jahren durchlaufen werden können. Davor warnten die Schulleiter. Das Vorbereitungsjahr der Oberstufe werde gebraucht, um die Schüler auf einen gemeinsamen Stand zu bringen.

- Fehlende Mittlere Reife: G8 hat für Gymnasiasten ein Problem geschaffen, wenn sie mit Ende der Mittelstufe nach der neunten Klasse die Schule verlassen. Sie bekommen dann keine Mittlere Reife, die nach Richtlinien der Konferenz der Kultusminister (KMK) erst nach zehn Schuljahren verliehen wird. Viele Ausbildungsberufe verlangten den Realschulabschluss, erklärte Hanna Kind von der Industrie- und Handelskammer Darmstadt.

- Wahlfreiheit: Übereinstimmend sprachen sich die Fachleute dafür aus, die Wahlmöglichkeiten in der Oberstufe auszubauen. Hessen bleibe hinter den Regelungen der KMK zurück, bemängelte Stefan Edelmann von der GEW. Ein wichtiges Fach wie Politik und Wirtschaft (PoWi) sollte durchgängig unterrichtet werden. Das sahen die Wirtschaftsverbände ähnlich. Die Leistungskurse Deutsch und Geschichte oder Deutsch und PoWi sollten kombinierbar sein.

- Unterrichtsausfall: In der Oberstufe fällt zu viel Unterricht aus. „Ich kenne Schulen, da reden wir über 20 Prozent“, monierte die Vorsitzende des Landeselternrates, Kerstin Geis. Der Hessische Elternverein bestätigte diese Beobachtung.

- Ruhe an der Reformfront: Eltern- wie Lehrerverbände waren sich einig, dass die Veränderungen der vergangenen Jahre die Schulen belastet hätten. Sie warnten die Schulpolitiker vor zu großem Reformeifer.

Quelle: op-online.de

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