Wo der Liter Diesel nur 3 Cent kostet

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„Mit der Feuerwehr um die Welt“ reisen Jan Riedel und Esther Krings aus Darmstadt. Ein umgebautes Schweizer Löschfahrzeug von 1975 dient ihnen als mobile Herberge.

Frankfurt/Rhein-Main/Hanau/Darmstadt - Jan Riedel und seine Freundin Esther Krings haben sich gut über ihre Reiseroute informiert. Sie wissen, dass man in Asien für 1,30 Euro Mittagessen kann und dass der Liter Diesel im Iran drei Cent kostet. Sie wissen, dass sie in den nächsten zwölf Monaten etwa 7000 Euro für Sprit ausgeben müssen – pessimistisch geschätzt. Von Katrin Diel

Mit einem ausrangierten Feuerwehrauto, Typ Magirus Deutz, Baujahr 1975, begeben sich die beiden Darmstädter ein Jahr lang auf Reisen. Ihre 33 000 Kilometer lange Route führt sie über die Balkanländer, Pakistan, Indien, China und ganz Südasien bis nach Singapur. Unterwegs wollen Jan Riedel und Esther Krings die Welt sehen – und soziale Projekte unterstützen.

Der Lkw-Reifen vom Modell „Dura-Seal“ hält einiges aus: Mirko Kraus von Goodyear schießt einen Nagel in den Gummi. Dank des eingebauten Dichtmittels bleibt der Reifen prall.

Das ehemalige Pulverlöschfahrzeug aus der Schweiz hat der 34-jährige Jan Riedel vor knapp zwei Jahren bei Ebay ersteigert. „Für 2000 Euro, ein Schnäppchen“, sagt Riedel und gibt zu, dass er damals von „Kfz-Sachen“ keine Ahnung hatte. „Ich hab mich druntergelegt, es sah top aus, also haben wir es genommen.“ Später habe man ihm bestätigt, dass der Magirus Deutz für sein Alter tatsächlich in gutem Zustand sei. Und mit 23 Litern pro 100 Kilometer für die Größe auch nicht viel Sprit verbrauche.

Mit dem Kauf des Autos geht die Planung richtig los. Eineinhalb Jahre hat es gedauert, das Fahrzeug zur mobilen Herberge umzubauen – eine kleine Wohnung in einem geschlossenen Container aus Aluminium mit Doppelglasfenstern. Ausgestattet ist der Wohnraum mit Dusche, Trockentoilette, Wand- und Fußbodenheizung und einem 1,20 Meter breiten Bett.

Das Zusammenleben auf engem Raum haben Jan Riedel und seine 25-jährige Freundin vorher erprobt. Sie sind in ein WG-Zimmer gezogen und haben die restlichen Räume ihrer Wohnung untervermietet, auch um zusätzlich Geld für die Reise zu verdienen. Die Waschmaschine werde sie unterwegs vermissen, meint Esther Krings. Ihre Klamotten werden sie per Hand schrubben oder in den Städten auch mal einen Waschsalon ansteuern.

Wunderreifen im Querschnitt.

Zur Ausrüstung gehören ein kleines Mofa, damit sich das Paar in Indiens schmalen Straßen unters Volk mischen kann, eine Trekkingausrüstung und ein Gleitschirm. Denn Jan Riedel will viele Fotos machen und Gegenden aus der Luft festhalten, die man so vielleicht bisher nicht gesehen hat. An diesen Aufnahmen und den Erlebnissen der Reisenden können auch Daheimgebliebene teilhaben: Über die Internetseite des eigens gegründeten gemeinnützigen Vereins „pro-asia“.

Vor Ort wollen Riedel und Krings sich für soziale Projekte engagieren. Im Fokus steht dabei, die Bevölkerung mit Solarkochern vertraut zu machen, als Alternative zu fossilen und nachwachsenden Brennstoffen.

Mehr Infos zum Projekt von Jan Riedel und Esther Krings:

Projekt Asia

Mittlerweile rückt der Abreisetag näher. Ursprünglich sollte es am kommenden Samstag, 21. März, losgehen. Ein paar Vorbereitungen sind aber noch nötig, so dass sich der Aufbruch um ein paar Tage verschieben wird. Die Weltenbummler kämpfen derzeit um ein Visa für Turkmenistan, und ob sie durch China oder durch Myanmar nach Thailand fahren, steht auch noch nicht fest. In beiden Fällen sind teils teure Sondergenehmigungen nötig.

Wirklich Sorgen ob der Gefahren eines solchen Abenteuers machen sich die beiden nicht. „Man kann sich da verrückt machen“, meinen sie. In einem Punkt haben sie aber vorgesorgt. „Ich will was von der Welt sehen und nicht täglich 130 Kilo schwere Reifen wechseln müssen“, betont Riedel. Reifen seien oft das erste Problem auf solchen Reisen. Das Feuerwehrauto von Riedel und Krings ist mit Reifen der Firma Goodyear ausgestattet. Diese verfügen über ein eingebautes Dichtmittel und halten Perforationen bis zu sechs Millimeter Durchmesser aus. 51 Nägel hat die Firma zum Test in den Reifen geschossen – der daraufhin gerade mal 0,01 Bar an Druck verlor. Auf dem Werksgelände in Hanau stellt der Sponsor die Technik vor, die bei Baustellenfahrzeugen oder der Müllabfuhr zum Einsatz kommt.

Diplom-Ingenieur Riedel ist von seinem Arbeitgeber für das Projekt freigestellt worden. Für seine Freundin, eine gelernte Kosmetikerin, gab es diese Möglichkeit nicht. Sie hat gekündigt. „Aber das lohnt sich“, ist sie überzeugt. Europa und Asien sollen übrigens nur die ersten Etappen der Weltreise sein. Von 2010 bis 2012 will das Paar dann Nord- und Südamerika durchqueren.

Quelle: op-online.de

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