Lockangebote für junge Landärzte

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Kassel - Mit Zuschüssen, besserer Kinderbetreuung und einer kürzeren Weiterbildung sollen in Hessen mehr junge Mediziner aufs Land gelockt werden, um dort als Hausärzte die Versorgung sicherzustellen.

Allerdings gelten bereits jetzt sieben Landkreise als unterversorgt, berichtete gestern Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) in Kassel. „Wir dürfen die Lücke nicht größer werden lassen.“ Betroffen sind die Kreise Odenwald, Werra-Meißner, Kassel, Schwalm-Eder, Vogelsberg, Hersfeld-Rotenburg und Fulda. Das Land will nun sogenannte regionale Gesundheitsnetze aufbauen - und dafür rund eine Million Euro geben. Derzeit gibt es rund 3800 Hausärzte in Hessen.

Bis Ende Juni dieses Jahres will die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KV) ausgearbeitet haben, wie die Bedarfsplanung für Hessen aussieht, wo also künftig mehr und wo weniger Hausärzte gebraucht werden. Einfließen soll nicht nur die Bevölkerungszahl, auch die demografische Entwicklung und veränderte Krankheitsbilder sollten berücksichtigt werden, betonte KV-Chef Frank Dastych. Laut KV könnten 200 neue Hausarztstellen entstehen. Er hält Förderprogramme für unverzichtbar.

Problem ist die Nachwuchsgewinnung

Das Problem ist vor allem die Nachwuchsgewinnung. Der Durchschnitts-Hausarzt sei älter als 53 Jahre, jeder zweite finde keinen Nachfolger, sagte der Vorsitzende der sogenannten Gesundheitsweisen, Prof. Ferdinand M. Gerlach von der Universität Frankfurt. Bis 2025 fehlten in Hessen rund 1500 Allgemeinmediziner, betonte er. Denn der Bedarf steige auch, weil es immer mehr ältere Menschen und chronisch Kranke gebe.

Hinsichtlich der geplanten Gesundheitsnetze wünscht sich Grüttner ein Zusammenspiel von Kommunalpolitik, Universitäten, Ärzten vor Ort und Krankenhäusern. So soll vor allem auf Medizinstudenten zugegangen werden, die aus der jeweiligen Region kommen. „Die Kommunen müssen attraktiver werden und sich aktiv um Hausärzte bemühen“, forderte Dastych. Mit gutem Beispiel voran gehe der Landkreis Fulda: in Zusammenarbeit mit der Uni Frankfurt übernimmt er bei Blockpraktika die Kosten der Studenten für An- und Abreise sowie für verschiedene Events und Aktivitäten.

Bedingungen müssten attraktiver gestaltet werden

Die Bedingungen für Ärzte auf dem Land müssten attraktiver gestaltet werden, sagte Grüttner. Er denkt dabei an eine Veränderung bei ärztlichen Bereitschafts- und Notdiensten. Bereits aufgehoben sei die Residenzpflicht, also die Vorgabe, dass Ärzte dort leben müssen, wo sie arbeiten. Zudem müsse die Vereinbarkeit von Arztberuf und Familie verbessert werden. Die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin dauere oft länger als fünf Jahre. Dies müsse verkürzt werden, forderte er. Geld allein, etwa die Förderung durch 50 000 Euro für junge Mediziner, die ihre Praxis auf dem Land eröffnen wollen, sei nicht alles.

Mehr als 40 000 Haus- und Fachärzte gehen laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) binnen fünf Jahren in den Ruhestand. Trotz aller Warnungen vor einem Ärztemangel in Deutschland erwägt fast jeder zweite Medizinstudent, nach dem Studium nicht Arzt zu werden. Das ergab eine 2012 veröffentlichte Studie. Hierarchie und lange Arbeitszeiten in den Kliniken sowie wenig familienfreundliche Anforderungen in Arztpraxen zählten zu den Hauptursachen. Wegen attraktiverer Bedingungen zieht es Jungmediziner vermehrt ins Ausland oder in die Industrie, die gezielt um Ärzte wirbt.

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dpa

Quelle: op-online.de

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