Piloten bleiben streikbereit

Lufthansa verkauft Rechenzentren

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Frankfurt - Der neue Lufthansa-Chef Carsten Spohr setzt den Umbau der Airline fort: Die Rechenzentren werden an IBM verkauft. Die Gewerkschaft Verdi steht den Plänen reserviert gegenüber, und auch die Pilotengewerkschaft droht mit neuen Streiks. Von Achim Lederle 

Im Jahr 2012 startete der damalige Lufthansa-Chef Christoph Franz das gigantische Sparprogramm „Score“, mit dem sich die größte deutsche Airline fit für den internationalen Wettbewerb machen wollte. „Score“ läuft offiziell 2014 aus, aber sparen muss Franz" Nachfolger Carsten Spohr weiter, um im Wettbewerb mit Billigfliegern und staatlich subventionierten Fluglinien vom Golf oder aus Asien bestehen zu können. Wie es gestern hieß, will die Lufthansa nun ihre Rechenzentren an IBM verkaufen und ihre IT-Sparte Lufthansa Systems auflösen. Die Rechenzentren mit derzeit rund 1400 Mitarbeitern würden künftig von dem IT-Konzern aus den USA betrieben, meldetet die Nachrichtenagentur dpa gestern. Die übrigen 2800 Mitarbeiter der Lufthansa Systems AG sollen den Angaben zufolge künftig in zwei eigenständigen Unternehmen innerhalb des Konzerns ihre Aufgaben erfüllen.

Die gute Nachricht für die Mitarbeiter: Nach dem aktuellen Verhandlungsstand wolle IBM alle 1400 Beschäftigten des Geschäftsbereichs Infrastruktur übernehmen. Die Standorte Kelsterbach mit 700 Mitarbeitern und Budapest sollen erhalten bleiben. Zudem habe IBM zugesagt, auch alle anderen Arbeitsplätze an den übrigen Standorten zu erhalten. Die Gewerkschaft Verdi bleibt trotzdem skeptisch: „Jetzt geht es um die Integration der Arbeitsplätze in den neuen Konzern“, sagte der Fachbereichsleiter Verkehr von Verdi Hessen, Gerold Schaub, gestern unserer Zeitung. Verdi wolle einen Überleitungs-Tarifvertrag abschließen, das heißt festschreiben lassen, dass die Mitarbeiter auch künftig das gleiche Geld verdienen. „Das Thema Auslagerungen bleibt ein Streitpunkt mit der Konzernführung“, sagte Schaub. Und weiter: „Verdi wird auch in Zukunft einiges zu tun haben, um die Jobs bei der Lufthansa zu sichern.“

Pilotenstreik: Eindrücke vom Frankfurter Flughafen

Pilotenstreik: Eindrücke vom Frankfurter Flughafen

Für die Rechenzentren will die Lufthansa laut dpa mit IBM einen Service-Vertrag über sieben Jahre schließen und damit jährlich im Schnitt rund 70 Millionen Euro einsparen. „Die Zusammenarbeit mit einem global agierenden und erfolgreichen IT-Konzern wie IBM stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der Konzernunternehmen sowie der Lufthansa Group insgesamt“, so Lufthansa-Finanzvorstand Simone Menne, die auch dem Aufsichtsrat der Lufthansa Systems AG vorsitzt. Das werde die Kosten unmittelbar senken und den Zugriff auf neueste IT-Technologien sichern.

Der Umbau drückt allerdings weiter auf den Gewinn: Eine Belastung von rund 240 Millionen Euro vor Steuern werde im laufenden Jahr das Nettoergebnis beeinflussen, nicht aber den operativen Gewinn, hieß es der Agentur zufolge.

Hohe Kosten durch Flugausfälle verursachen auch die anhaltenden Streiks bei der Lufthansa. Nach dem 35-stündigen Pilotenstreik ist die Airline laut dpa gestern wieder weitgehend nach Plan geflogen. Am wichtigsten Drehkreuz in Frankfurt seien noch 20 Flüge vor allem auf der Kurzstrecke gestrichen worden. Der Ausstand der Piloten endete in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch; es war die achte Streikwelle seit April im Tarifstreit um den Vorruhestand der Piloten. Lufthansa-Passagiere müssen sich allerdings auf weitere Flugausfälle gefasst machen. „Wir schließen weitere Streiks nicht aus, sollte Lufthansa nicht bereit sein, auf Maximalforderungen zu verzichten“, zitierte dpa einen Sprecher der Gewerkschaft VC. Neue Ausstände seien jederzeit möglich. Die Übergangsrenten der rund 5 400 Piloten sind ein weitere Mosaikstein in den Sparkonzepten von Carsten Spohr. Nach seinem Willen sollen die Piloten erst später den bezahlten Vorruhestand genießen. Die Gewerkschaft wehrt sich vehement dagegen. Das Sparen bei der Lufthansa wird weitergehen - der Widerstand dagegen auch?

Quelle: op-online.de

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