Flugzeuge im Nirwana

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Die Lufthansa würde die 23-Uhr-Grenze am Frankfurter Flughafen gerne aufweichen. 

Frankfurt - Seit Oktober gilt am größten deutschen Flughafen ein striktes Nachtflugverbot. Lärmgegner klagen über zu viele Ausnahmen, während die Lufthansa die starre 23-Uhr-Grenze in Frankfurt aufweichen will.

In der Diskussion um die Einhaltung des Nachtflugverbots am Frankfurter Flughafen verlangt die Lufthansa flexiblere und für sie verlässlichere Regeln. Eine zu strikte und intransparente Auslegung der 23-Uhr-Grenze könne mittelfristig das Image des gesamten Standorts gefährden, sagte Lufthansa-Passagevorstand Kay Kratky. In der Diskussion um die Lärmbelastung der Anwohner kämen die Belange der Menschen zu kurz, die ihre Flüge bezahlt hätten.

In den ersten Monaten des strikten Nachtflugregimes durch das hessische Verkehrsministerium habe Lufthansa wiederholt startklare Maschinen wieder hereinholen und die Passagiere in Frankfurt und Umgebung unterbringen müssen, klagte der Lufthansa-Manager. Dem Unternehmen sei dadurch ein Schaden in knapp zweistelliger Millionenhöhe entstanden.

Ausnahmegenehmigungen nicht transparent

„Auf einem Weltflughafen wie Frankfurt muss eine gewisse operative Stabilität gewährleistet sein“, sagte Kratky. Unter Vielfliegern gebe es bereits Kritik, die die massiven Verbesserungen bei der Pünktlichkeit seit Inbetriebnahme der neuen Landebahn zu überdecken drohe. „Es besteht die Gefahr, dass das Image des Flughafens dauerhaft beschädigt wird, wenn es heißt ‘Aus Frankfurt kommt man abends vielleicht nicht mehr raus’.“

Trotz der zahlreichen, von den Ausbaugegnern heftig kritisierten Ausnahmegenehmigungen im Mai seien der Lufthansa auch etliche außerplanmäßige Spätstarts verweigert worden. Die Ausnahmegenehmigungen auf Einzelantrag seien nicht transparent, umfassend und verlässlich genug, kritisierte der Lufthansa-Manager das Land Hessen deutlich. „Wir würden uns eine pauschale Genehmigung wünschen für die Verspätungen, die wir nicht zu vertreten haben. Nur so können wir unsere Abläufe verlässlich planen.“ Sollten sich Verspätungen häufen, könne man im Nachhinein nach den Gründen suchen und Abhilfe schaffen.

Passagiere auf Feldbetten untergebracht

Die jetzige Situation sei für die Lufthansa wie für ihre Fluggäste sehr unbefriedigend, meinte Kratky. „Derzeit schicken wir viele Flugzeuge ins Nirwana, weil wir nicht wissen, ob sie tatsächlich starten können.“ Die Passagiere hätten schon auf Feldbetten im Terminal untergebracht werden müssen, weil es auf die Schnelle keine ausreichenden Hotelkapazitäten mehr gab.

Nach weiteren Lufthansa-Informationen mussten vor Pfingsten rund 40 Passagiere mit dem Ziel Ukraine gleich zwei Nächte hintereinander auf dem Flughafen verbringen, weil jeweils ihre Maschine nicht starten durfte. Die aufgebrachten Passagiere hatten sich in der zweiten Nacht geweigert, die Maschine wieder zu verlassen, so dass es sogar zu einem Polizeieinsatz kam und die Situation nur mühsam befriedet werden konnte.

Das hessische Verkehrsministerium weist die Vorwürfe wegen der zahlreichen Ausnahmegenehmigungen vom Nachtflugverbot derweil zurück. Das Ministerium habe stets nach geltenden Regelungen gehandelt, sagte Verkehrsstaatssekretär Steffen Saebisch (FDP) in Wiesbaden. Generell könne das Ministerium nur Starts nach 23 Uhr erlauben, bei denen der Grund für die Verspätung „außerhalb des Einflussbereiches der Fluggesellschaft liegt“, betonte der Verkehrsstaatssekretär. Verspätete Landungen seien generell bis 0 Uhr möglich, solange es sich um lärmarme Flugzeuge handelt.

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Kritik an Flügen zwischen 23 und 5 Uhr gibt es vor allem vor Anwohnern - aber auch das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ wirft dem Verkehrsministerium in seiner aktuellen Ausgabe vor, dass die Ausnahmegenehmigungen das Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen aushebeln würden.

Die Grünen im hessischen Landtag fordern mehr Offenheit der Landesregierung. „Wir erwarten, dass der neue Verkehrsminister (Florian) Rentsch mit dem Mauern aufhört und endlich für Transparenz sorgt“, sagte der Grünen-Abgeordnete Frank Kaufmann. Seine Fraktion verlange deshalb an diesem Donnerstag im Verkehrsausschuss des Landtags Antworten von der Landesregierung zu einem Briefwechsel zwischen dem hessischen Verkehrsministerium und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer. Wie die Opposition hatte der CSU-Politiker darin zunächst empfohlen, die schriftliche Begründung des Flughafen-Urteils vom Bundesverwaltungsgericht in Leipzig abzuwarten, bevor eine neue Regelung festgesetzt wird.

Rentschs Vorgänger Dieter Posch (beide FDP) hat dagegen in einem Schnellverfahren die Betriebsregeln für den Flughafen geändert. Demnach gilt nun ein Verbot zwischen 23 und 5 Uhr für geplante Flüge.

dpa

Quelle: op-online.de

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