Mach‘s Dir doch selbst

Frankfurt/Offenbach/Rodgau - Die Freude am Selbermachen geht um. „Do It Yourself“ ist längst viel mehr als nur ein Heimwerker-Slogan. In vielen Bereichen des Lebens – ob im Design, Konsum, Arbeitsleben oder in den Medien – gewinnt das „Do It Yourself“-Prinzip an Gewicht. Von Mareike Palmy

Auch in der Rhein-Main- Region gibt es immer mehr Menschen, die Spaß darin finden, etwas Eigenes, Neues zu schaffen.

Ob überfüllte Basteltreffs, Nähcafés oder die Strickguerilla – Mitschneidern, Mitreparieren, Mittüfteln liegt im Trend.

Vor allem die traditionelle Handarbeit erlebt zurzeit eine unerwartete Renaissance: Es werden Bäume und Zäune umstrickt, öffentliche Plätze als Nachbarschaftsgärten bepflanzt oder alte Feuerwehrschläuche zu Geldbörsen vernäht. „Das passiert heute aber alles nicht mehr aus der Not heraus, sondern weil die Leute gerne kreative Eigenarbeit leisten, selbst designen und mitreden wollen bei Farbe, Form und Stoff“, sagt Ingrid Lippold von der Volkshochschule in Frankfurt. Nähkurse sind überlaufen und die Nachfrage steigt kontinuierlich.

Maschengold: Im Günthersburgpark wurden die Parkbänke von der Strick-Guerilla umstrickt.

Diese Tendenz kann Karin Gasch, Inhaberin vom Offenbacher „Wollfädchen“ nur bestätigen. Seit über 27 Jahren betreibt sie das kleinen Paradies für Handarbeitsliebhaber in der Domstraße 84 in der Lederstadt. Hier findet man alles rund ums Stricken, Sticken und Häkeln: „Seit die ganzen US-Schauspielerinnen alle stricken, hat das auch hierzulande zugenommen. „Vor allem kommen auch wieder viele junge Frauen“, sagt die 70-Jährige, die selbst in jungen Jahren ihre Leidenschaft zur „angestaubten“ Freizeitbeschäftigung entdeckt hat. Dass Handarbeit voll im Trend liegt und ganz und gar nicht spießig und angestaubt sein muss, zeigt die Frankfurterin Lisa Dressler. Seit etwa zwei Jahren stickt die 30-Jährige in ihrer knappen Freizeit Kunstwerke aus Garn. „Es ist ein schöner Ausgleich zur Arbeitswelt und man freut sich, wenn etwas Kreatives geschaffen wurde“, erläutert sie. Ob Fernsehtestbild, Köpfe von Freunden, Zitate oder Unterwassertiere, die junge Geschäftsfrau lässt keine Langweile auf ihrem Stickrahmen aufkommen. Über 40 verschiedene Näh-Garn-Farben liegen in ihrem Korb. „Mein Spannrahmen-Verschleiß ist ganz schön hoch geworden“, ezählt die kreative Blondine. „Hauptsächlich für Freunde sticke ich. Zurzeit arbeite ich an einem Oktopus, der hat viele Schatten und verschiedene Farben, das ist natürlich ganz schön aufwendig, aber eigentlich kann das jeder.“

Meike Bambuch aus Nieder-Roden verschickt über ihre Internetseite www.mystolt.de kleine Näh-Sets zum Selberschneidern: Stoff, Garn, Schnittmuster und Anleitung sind da schon drin.

Dass auch jeder nähen kann, davon ist Meike Bambuch aus Rodgau überzeugt. Denn Mode selbst auf den Leib schneidern war dank ihrer Idee noch nie so einfach. Mit den Nähkits der 24-Jährigen, haben sogar Handarbeitsnullen die Chance, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Über ihren Onlineshop  vertreibt die Studentin der HfG Offenbach die kleinen Boxen, die in verschiedene Schwierigkeitsstufen eingeteilt sind. Darin ist alles um gleich mit dem Schneidern von Röcken, Kleidchen, Tops und Schals loszulegen: Schnitt, Stoff, Zubehör und eine Anleitung. „Die Nähmaschine ist kein kleines Monster. Man darf da nur nicht zurückschrecken“, sagt die Nieder-Röderin. Schon im Kindergarten schnitt sie alles auseinander und klebte es wieder neu zusammen, mit zwölf Jahren bekam sie dann ihre erste eigene Nähmaschine geschenkt. Seitdem verschneidert sie sämtliche Materialien, sammelt Stoffe, Knöpfe und immer wieder neue Tipps zum Selbermachen.

Die Idee mit dem Onlineshop hatte sie vor einem Jahr: „Als ich an der Nähmaschine scheiterte, dachte ich, dass muss doch auch einfacher gehen. Stoffe aussuchen, zum Kurzwarenladen rennen, Schnittmuster und Anleitung verstehen, das ist immer eine Menge Arbeit, bevor man überhaupt loslegen kann“, sagt Meike Bambuch. Seitdem vertreibt sie die „Mode zum Selbernähen“ von Zuhause.

Quelle: op-online.de

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