Mächtig Krach im Container

+
Sänger Thorsten, die Gründer Csaba Toldi und Suzana Dinic sowie Musiker Tobias (von links) in der „Rock'n'Box“

Aller Anfang ist schwer. Auch die ganz großen Rockstars mussten einmal klein anfangen und viele Stunden intensiven Trainings vergehen lassen. Doch trotz florierender Musikszene im Rhein-Main-Gebiet, sind Proberäume in vielen Kommunen nach wie vor eine Rarität. Von Sascha Reichelt

Wer Musik machen, aber nicht auf Muttis Keller zurückgreifen kann oder möchte, für den gibt es nun eine gelungene Alternative: Mit dem Geschäftsmodell der „Rock'n'Box“ haben Suzana Dinic und Csaba Toldi aus Hattersheim eine kleine Marktlücke für sich entdeckt. Stundenweise können Bands den öffentlichen Proberaum für wenig Geld nutzen.

Inmitten des Gewerbegebietes im Gallusviertel, unweit vom Szeneclub „das Bett“ entfernt, befindet sich die musische Idylle, die zu inspirativen Sessions einlädt. Auf den ersten Blick noch ein bloßer Industriecontainer, verbirgt sich im Inneren alles was das Musikerherz begehrt: Vom „Korg“-Piano über „Pearl“-Schlagzeug, Marshall“-Verstärker und Gesangsanlage samt „Shure“-Mikrofone. 15 Quadratmeter schallisolierter Raum. Potential genug, um ordentlich aufzudrehen.

Seit sieben Monaten steht die „Rock'n'Box“ jedem zur Verfügung, der es krachen lassen möchte. „Das Ganze ist mehr oder weniger aus der Not heraus entstanden“, erzählt Suzana schmunzelnd und führt fort: „Mein Freund Csaba ist Hobby-Schlagzeuger, als wir zusammen zogen, war es für mich sofort klar, dass das auf keinen Fall ins Haus kommt!“

Lange Zeit keinen Proberaum gefunden

Die Leidenschaft zu Trommeln wollte er sich nicht nehmen lassen und der Vorschlag seiner Freundin, das Drum-Set in eine Gartenlaube zu verbannen, brachte den Informatiker auf eine ganz andere Idee: „Ich habe lange Zeit selbst nirgends einen tauglichen Proberaum gefunden, also dachte ich, modifiziere ich doch einfach einen Bau-Container und lass den auch andere nutzen!“

Also machte der Schlagzeuger Nägel mit Köpfen und arbeitete Tag und Nacht an „seinem Baby“, hatte stets Notiz-Block und Stift auf dem Nachttisch liegen und feilte Stück für Stück am großen Vorhaben. „Wenn er sich etwas in den Kopf setzt, dann zieht er das auch durch!“, sagt Suzana. Ein Zugangs-sowie Zahlungssystem musste her; der Raum musste ausgestattet werden: von der Isolierung, über Lüftung, Licht- und Internetanlage. Vom enormen finanziellen Aspekt abgesehen, der immerhin 50.000 Euro umfasste, investierte das Paar viele Stunden akribischer Arbeit.

„Nicht jeder hat tolerante Nachbarn“

Was aus dem Eigenzweck heraus begann, macht mittlerweile auch andere Musiker glücklich. Wie den 44-jährigen Sänger Tobias: „Ich bin da drauf gestoßen und fand das einfach super“, sagt er. „Nicht jeder hat tolerante Nachbarn, zumal mich Zuhause einfach zu viel ablenkt. Hier hab ich genügend Ruhe um konzentriert zu üben.“

Dem kann Thorsten alias „Sorroth“, Sänger und Gitarrist der ehemals bekannten Frankfurter Symphonic-Metalband „Dark Man Shadow“ nur zustimmen: „Die Akustik stimmt allemal und man zahlt auch nur dann, wenn man gerade proben will“. Als Berufsmusiker kennt der 45-Jährige die hohen Unterhaltungskosten eines eigenen Proberaums. Und ein weiterer Vorteil: „Man muss außer den Gitarren nichts mitbringen!“

Wo der nächste Container stationiert wird, vielleicht in Offenbach, liegt allein in den Händen der Musikszene. Per Mausklick kann jedermann auf der Internetseite mitentscheiden.

Quelle: op-online.de

Kommentare