Echter Männerkram... und Frauensache?

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Fühlt sich unter Männern wohl: Yvonne Eckelt ist Feuerwehrfrau in Frankfurt.

Frankfurt - Einen Plausch unter Kolleginnen hält Yvonne Eckelt eher selten. Es mangelt nicht an Zeit, nicht an Gesprächsstoff, aber eben an Kolleginnen. Die Dietzenbacherin ist Feuerwehrfrau in Frankfurt. Von Cora Werwitzke und Angelika Pöppel

„Im Moment die einzige in meiner Dienstgruppe“, sagt sie und nippt an ihrem Kaffee. Mit mehr als 30 Männern schiebt sie wöchentlich ihre Schichten. „In den beiden anderen Dienstgruppen gibt es auch jeweils eine Frau, wobei die eine auf 50-Prozent-Basis arbeitet und die andere gerade in Elternzeit ist. “ Ob so viel geballte Männlichkeit auf engem Raum ein Problem sei? Die 34-Jährige schmunzelt und streicht eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Nein, gar nicht“, meint sie, „wenn man nicht gerade die Diva heraushängen lässt, wird man ganz selbstverständlich integriert.“

Zeit zum Entspannen findet Yvonne Eckelt im Aufenthaltsraum der Feuer- und Rettungswache 1 nur kurz. Unten in der Atemschutzwerkstatt warten Dienstgruppen-Leiter Wilfried Neubert und ein Infrarotspektrometer auf sie. „Das Messgerät ist neu, wir fassen die Bedienungsanleitung in knapper Form zusammen“, erläutert er. Schließlich müsse es im Notfall oft schnell gehen. „Das sind so Arbeiten, die sich gut erledigen lassen, wenn alles ruhig ist.“ Kaum jemand kennt sich mit Messgeräten so gut aus wie Yvonne Eckelt. Sie gehört zur Sondereinheit Atem- und Umweltschutz. Tritt im Großraum Frankfurt eine unbekannte Substanz aus, rücken sie und ihre Kollegen aus.

Ein klassischer Spätzünder

Was ihre Berufswahl angeht, war die Dietzenbacherin ein klassischer Spätzünder. In der Schulzeit wäre sie nie darauf gekommen, Feuerwehrfrau zu werden. „Nach dem Abi war mir nur eines klar: Ich will auf keinen Fall hinter den Schreibtisch.“ Sie entschied sich fürs Handwerk und absolvierte eine Ausbildung zur Kunstglaser-Meisterin. „Als die Auftragslage schlechter wurde und ich wegen der kaufmännischen Seite des Berufs doch viel Zeit am Schreibtisch verbrachte, sprach mich ein befreundeter Kunde an, ob die Berufsfeuerwehr nichts für mich wäre“, erinnert sich Eckelt. Damals Mitte 20 schickte sie in letzter Sekunde eine Bewerbung ab und nahm sich vor, den Einstellungstest über „ihr Schicksal“ bestimmen zu lassen. Die sportliche junge Frau bestand. Mit 17 Jungen begann sie im August 2004 ihre zweite Ausbildung.

„Anfangs wurde ich in der Grundausbildung schon beäugt, einige Jungs hatten Vorbehalte, dass sie für mich mitschleppen müssen.“ Doch Yvonne Eckelt, mit 1,63 Metern keine Riesin, bewies, dass sie zupacken kann. Kuriose Situationen ergaben sich trotzdem. „Es gab zu diesem Zeitpunkt noch keine getrennten Schlafräume“, schildert sie amüsiert. „In meinem Praktikum auf der Wache hat sich beim Nachtdienst vor lauter Rücksicht nie jemand in das zweite Bett getraut, wenn ich schon im anderen gelegen habe.“ Und ein Kollege sei goldig gewesen, so Eckelt, „der hat mich immer mit ‘Sie’ angesprochen“. Entgegen aller Klischees machte die Dietzenbacherin auch bei der Alarmfahrt-Schulung eine gute Figur.

Hinter dem Lenkrad eines Löschfahrzeugs

„Da sitzt man zum ersten Mal hinter dem Lenkrad eines Löschfahrzeugs und versucht, ein Gefühl für diesen Riesen zu bekommen.“ Sie trainierte also Schikanen und Manöver auf einem Übungsgelände. „Und dann“, sie schmunzelt, „wird man irgendwann auf die Menschheit losgelassen.“

2006 war Yvonne Eckelt eine der ersten Frauen, die fest in einer Dienstgruppe der Feuerwache 1 anheuerten. Inzwischen hat sich der Frauenanteil auch in den anderen Frankfurter Wachen langsam erhöht – insgesamt zählen heute 17 Frauen zur Berufsfeuerwehr der Mainmetropole. Immer noch viel zu wenige, finden die Brandschützer selbst. Deshalb „freuen wir uns über Bewerbungen von Frauen besonders“ heißt es auf der Feuerwehr-Homepage. Yvonne Eckelt hätte nichts gegen weibliche Verstärkung. „Inzwischen gibt’s ja auch einen separaten Damen-Schlafraum“, scherzt sie. Was man brauche, egal ob Mann oder Frau, sei Offenheit. „Wer Berührungsängste hat, wäre sicher falsch.“ Technisches Verständnis und körperliche Belastbarkeit kämen hinzu. Weibliches Modebewusstsein ist dagegen eher fehl am Platz. „Wir müssen bei der Dienstkleidung mit kleinen Herrengrößen Vorlieb nehmen“, schildert Yvonne Eckelt und öffnet zur Demonstration ihren Spind. Dunkelblau dominiert. „Wie gesagt, eben nichts für Diven“, bemerkt sie. Dann präsentiert sie den Damen-Schlafraum. „Die Wandfarbe durften wir uns aussuchen“, meint sie vielsagend, bevor sie die Tür öffnet. Voilá – „violett“.

...und Frauensache?

Sie toben, sie schreien, sie heulen und sie lachen. Gordon Vetter aus Frankfurt muss die Kinder bändigen, sie trösten, auch mal laut werden und ein Vorbild sein. Und das macht der Auszubildene zum Erzieher mit viel Leidenschaft.

Der einzige Mann in der Kindertagesstätte in Hausen liegt bei den Kindern hoch im Kurs.

Auch wenn alle seine sechs Kollegen in der evangelischen Kindertagesstätte in Frankfurt weiblich sind, sieht er sich nicht in einem Frauenberuf. Statt Singen oder Tanzen, spielt er mit den Jungen Fußball, Schach und baut Papierflugzeuge. „Frauen machen ganz andere Dinge mit den Kindern“, sagt Vetter. Er kennt sich dagegen mit den Dingen aus, die die Jungen interessieren: Fußballsammelkarten, Starwars oder Computerspiele. „Ich bin selbst jung geblieben und die Kids spüren das. “ Er hat sich auch um eine Tischtennisplatte für die Kinder gekümmert, fördert ihr sportliches Talent und vermittelt sie in Vereine. Auch aus diesem Grund bauen die Jungen zu dem männlichen Erzieher schneller Vertrauen auf und hören auf ihn. Auch die Mädchen haben keine Berührungsängste. Doch sie halten sich eher an die Erzieherinnen.

Erzieher und kein Vater-Ersatz

„Ich bin kein Erzieher und kein Vater-Ersatz, ich sehe mich als Kumpel“, sagt Gordon. Und auf spielerische Weise versucht er den Kindern wichtige Regeln mitzugeben. „Die Vorschul- und Hortkinder kann man noch in die richtige Richtung lenken, auch wenn sie von ihren großen Brüdern oder von Kameraden was anderes lernen“, sagt der Azubi. Je älter die Kinder werden, umso stärker gehen die Interessen der Jungen und Mädchen auseinander. „Hier sehe ich meine Chance, denn den älteren Jungen ist ein Mann wichtig.“ Als „großer Spielkamerad“ wird er von den Jungs akzeptiert und ist Vorbild.

„Wir haben viele sozialschwache und Migrantenkinder bei uns“, sagt Vetter. „Und leider liegt es in der Erziehung, dass die Jungs nicht wirklich ernst nehmen, was ihnen Frauen sagen“, sagt Gordon. Umso wichtiger sei es, dass auch Männer im Kindergarten arbeiten.

Bewerbungen von männlichen Interessenten bleiben aus

Auch seine Kollegin Katharina Cole ist davon überzeugt: „Wir brauchen Männer in Kitas. Seit Gordon da ist, kommen wir viel leichter an die Jungen ran.“ Doch Bewerbungen von männlichen Interessenten bleiben aus. Nur wenige kommen zum Vorstellungsgespräch und haben meist völlig falsche Vorstellungen. Woran das liegen kann? „Das Geld ist ein Aspekt. Männer wollen immer noch der Ernährer sein, der das Geld nach Hause bringt“, sagt Cole.

Vor seiner Arbeit im Kindergarten saß auch Gordon als Werbekaufmann acht Stunden am Tag im Büro. Doch ihm fehlte die Abwechslung. Also tauschte er das gute Gehalt gegen Kindergeschrei. „Im Kindergarten ist jeder Tag anders, wir sind oft an der frischen Luft und die Kinder geben einem so viel zurück“, schwärmt Gordon, der seine Entscheidung keinesfalls bereut. „Die Kinder machen mir so viel Freude, das kann man mit Geld nicht aufwiegen.“

Quelle: op-online.de

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