Der Maikäfer brummt

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„Es gibt keine Maikäfer mehr“ - so sang einst Reinhard Mey. Stimmt nicht, vor allem in Rhein-Main-Gebiet kommen die häufig vor.

Frankfurt - (dpa) Seit Tagen brummt es in einigen Wäldern wieder: Der Maikäfer hat die Erde verlassen. Während sich Spaziergänger an dem braunen Insekt erfreuen, sehen die Forstleute den etwa 2,5 Zentimeter großen Blatthornkäfer in ihren Wäldern nicht ganz so gern.

 „In diesem Jahr wird es aber aller Voraussicht nach keine Maikäfer-Plage geben“, prognostiziert Alfred Wulf vom Julius Kühn-Institut in Braunschweig, dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen. 2010 und 2011 müsste hingegen in einigen Gebieten - insbesondere in Süddeutschland - erneut mit großen Schwärmen gerechnet werden. Maikäfer kommen besonders häufig im Rhein-Main-Gebiet und in Bayern vor.

Die Entwicklungsstufen des Maikäfers erlauben eine recht genaue Prognose über die Vorkommen der nächsten Jahre. Drei bis vier Jahre dauert es, bevor nach der Eiablage ein Maikäfer aus der Erde krabbelt und für wenige Wochen vorzugsweise in der Dämmerung durch die Luft brummt. Davor lebt der Engerling, wie die Larve der Maikäfer heißt, im Boden. Durch regelmäßige Grabungen erfahren die Forstleute, wie viel Käfer zu erwarten sind. „In Südhessen sind wir derzeit dabei an 1250 Stellen zu graben“, sagt Horst Gossenauer-Marohn vom Landesbetrieb Hessenforst. Die gefundenen Mengen werden dann hochgerechnet.

Den Engerling fürchten die Forstleute noch mehr als den Käfer. „Sie sind Allesfresser, vor allem schädigen sie aber Baumwurzeln“, erläutert Gossenauer-Marohn. Selbst die teils sehr strengen Temperaturen im vergangenen Winter haben den Larven nichts anhaben können. „Normalerweise leben Engerlinge 40 bis 80 Zentimeter tief. In diesem Winter haben sie sich wegen der Kälte bis zu 1,20 Meter tief eingegraben“, berichtet Gossenauer-Marohn.

Als „Feinschmecker“ können aber auch die fertigen Maikäfer dem Wald noch gefährlich werden: „Die jungen Laubbäume werden kahlgefressen und die Wälder dadurch artenärmer“, befürchtet Gossenauer-Marohn. Wulf bestätigt den Sinn der Käfer für gutes Fressen: „Als besondere Delikatesse hat sich die Roteiche erweisen. Die Käfer finden die in Deutschland eher seltene Baumart ohne Probleme und kommen in ihrem Umkreis besonders häufig vor.“

 Bis in die 70er Jahre galt der Maikäfer als beinahe ausgestorben. Einerseits wurde er damals fast überall mit Insektiziden bekämpft, andererseits gilt auch der natürlich Zyklus von Maikäfer-Stämmen als Begründung: „Beobachtungen der letzten 200 Jahre lassen vermuten, dass Maikäfer eine Populations-Dynamik von 25 bis 40 Jahren haben“, erläutert Wulf. Das würde bedeuten, dass die Käfer - ob bekämpft oder nicht - in Abständen von Jahrzehnten schon immer verstärkt auftraten. In einem nicht von Menschenhand bewirtschafteten Wald hätten sie vermutlich die Aufgabe, Platz für neue Bäume zu schaffen. In Baden-Württemberg hat sich der Maikäfer zuletzt so stark vermehrt, dass Forstleute dort erstmals wieder Insektizide einsetzten.

Quelle: op-online.de

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