Großes Naturschutzprojekt

Main bei Fechenheim wird Auenlandschaft

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Das Projekt Mainbogen nach rund zehn Jahren: Der Main strömt in zwei Altarmen durch das Gebiet. Auch die gestern angelegten Seen sind links neben der Allee zur Carl-Ulrich-Brücke zu erkennen.

Frankfurt - Der Fechenheimer Mainbogen, also derjenige Bereich des nördlichen Mainufers, der genau gegenüber der Offenbacher Innenstadt liegt, soll sich in den kommenden Jahren in eine idyllische Auenlandschaft mit Teichen und Flussläufen verwandeln. Von Michael Eschenauer 

Gestern fand 200 Meter östlich der Carl-Ulrich-Brücke der erste Spatenstich für zwei kleine Teiche statt. Die Gesamtmaßnahme ist weitaus umfassender: Sie wird etwa zehn Jahre beanspruchen und grob geschätzt zehn Millionen Euro kosten. Gleichzeitig ruht ein ähnliches Projekt der Stadt Offenbach für die Mainauen bei Bürgel. Bislang ist unklar, ob die von der Stadt anvisierte Förderung durch das Land Hessen möglich ist. Das Frankfurter Vorhaben soll zügig voranschreiten. „Wir lassen die Teiche einfach liegen. Die Besiedelung erfolgt von selbst durch Hochwasser, Wasservögel mit Laich an den Füßen oder Samenflug“, sagte gestern Rainer Zimmermann vom Frankfurter Umweltamt, während im Hintergrund die Baggerschaufel in den weichen Boden dringt. Karausche, Moderlieschen, Rotfeder und Schleie, Grünfrosch, Grasfrosch und mehrere Libellenarten sollen sich bald auf dem Acker- und Wiesenareal mit kleinen Gehölzen, Spazierwegen und Brücken wieder heimisch fühlen.

Die beiden Teiche und ein kleinerer Bereich am Ufer, der nur bei Hochwasser geflutet wird, werden nach Angaben von Peter Donnermuth, Leiter des Umweltamtes, 100.000 Euro kosten und eine Gesamtwasserfläche von 3700 Quadratmetern haben. „Wir werden spätestens im Januar damit fertig sein“, so Donnermuth. Ein weiterer größerer Teich soll im kommenden Jahr weiter östlich angelegt werden. Er wird 400.000 Euro kosten. Eine andere Dimension besitzt schon der „Kleine Altarm“ in Ufernähe. Für ihn ist die Finanzierung noch nicht gesichert. Man könne sich aber vorstellen, dass die Mittel hierfür über die Abgaben für Ausgleichsflächen bei größeren Baumaßnahmen hereinkommen, so Donnermuth. Auch die beiden ersten Teiche seien von der Stadt Frankfurt als Ausgleich für verbrauchte Naturflächen bei Baumaßnahmen in Enkheim vorgesehen. Insgesamt verliefen die Sondierungsgespräche mit dem Regierungspräsidenten in Darmstadt konstruktiv, so Donnermuth.

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1,7 Kilometer lang soll die Krönung der Fluß- und Auenlandschaft bei Fechenheim werden: Ein richtiges Stück Main, das den 87 Hektar großen Mainbogen von Ost nach West parallel zum Hauptfluss durchfließt. Hier müsse aber, so die Vertreter des Umweltamtes, zunächst eine Flurbereinigung in dem Gebiet stattfinden. „Wir haben hier etwa 1000 Grundstückseigentümer“, so Zimmermann. Auf fünf bis sieben Jahre taxiert er den Zeitaufwand, den die Arrondierung in Anspruch nehmen wird. Danach könne man - eine Finanzierung vorausgesetzt - mit dem Graben anfangen. Der „Große Altarm“, so Donnermuth, werde die Stadtverordnetenversammlung im Frankfurter Römer im Frühjahr beschäftigen. Der Magistrat habe indirekt grünes Licht für das Vorhaben gegeben. Die Idee für das große Naturschutzprojekt existiert seit Ende der 90er Jahre. Im Jahre 2000 verschaffte ihr die Europäische Wasserrahmenrichtlinie mit der Zielsetzung, Hochwasserschäden durch den naturnahen Rückbau der Flüsse zu vermindern und auf diese Weise Lebensräume für Tiere und Pflanzen zurückgewinnen, neuen Schub, so Thomas Hartmanshenn vom Umweltamt. Von 39 möglichen Maßnahmen genehmigte der Regierungspräsident sechs - unter anderem die beiden Seen und das Überflutungsgebiet am MainUfer bei Fechenheim.

Quelle: op-online.de

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