Wegen steigender Zahlen

Makaberer Streit um Unfalltote

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Symbolbild

Wiesbaden - Auf den hessischen Straßen sterben wieder mehr Menschen im Verkehr. Sind die CDU und die Liberalen schuld daran? Der Landtag ist Schauplatz eines makaberen Streits.

Die Grünen in Hessen erheben einen bösen Vorwurf gegen das Verkehrsministerium. „Schwarz-gelbe Verkehrspolitik erhöht das Risiko von Verkehrstoten“, erklärte die Abgeordnete Karin Müller. Minister Florian Rentsch (FDP) verbat sich die Anschuldigung: Sie sei nicht nur falsch, sondern auch „pietätlos und makaber“. Am Donnerstag wird der Streit im Landtag fortgesetzt.

Tatsächlich ist die Zahl der Verkehrstoten in Hessen gegen den langjährigen Bundestrend in den vergangenen zwei Jahren wieder gestiegen. 2011 kamen auf hessischen Straßen 263 Menschen ums Leben, 2012 waren es 283. Vor drei Jahren hatte das Ministerium Geschwindigkeitsbeschränkungen auf etwa 80 Kilometern hessischer Autobahnen aufgehoben. Seit damals gab es zwei tödliche Unfälle auf diesen Abschnitten.

Kurzer Faktencheck

„Die Aufhebung von Tempolimits auf Autobahnen führt eben zu mehr Unfällen und damit leider auch zu mehr Todesfällen“, sagt Müller. Aber hat die Grüne damit Recht?

Ein Faktencheck: Das Verkehrsaufkommen in Hessen steigt, doch auf hessischen Autobahnen sind in den vergangenen vier Jahren konstant zwischen 2000 und 2200 Unfälle gezählt worden. Die Zahl der Getöteten lag zwischen 31 (2010) und 41 (2011). 2012 gab es auf den Autobahnen weniger Unfälle und Tote als 2011.

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Auf den Bundesstraßen kommen meist zwei- bis dreimal so viele Menschen im Jahr ums Leben. 2011 waren es 91, dann 100 im vorigen Jahr. Auch auf den Landesstraßen ereignen sich häufig tödliche Unfälle. Auf den kleinen Kreisstraßen gab es 2012 einen Anstieg der Totenzahlen von 22 auf 38. Rechnet man aber das Streckennetz ein, ist das Risiko tödlicher Unfälle auf 972 Kilometern Autobahn in Hessen höher als auf Bundesstraßen (3444 Kilometer), Landesstraßen (7257) und Kreisstraßen (4996).

Unfälle durch überhöhte Geschwindigkeit

An vielen Unfällen ist überhöhte Geschwindigkeit schuld. Außerhalb der Autobahnen ist das die häufigste Ursache. Dazu kommen zu geringer Abstand und das Missachten der Vorfahrt. Auf den Autobahnen ist das Rasen zwar eine wichtige Ursache. Gleich oft oder häufiger werden aber „Unfälle im Längsverkehr“ gezählt - also beim Einscheren und Überholen.

Fazit: Warum es in Hessen mehr Verkehrstote gibt, ist schwierig zu klären, die Statistik gibt keinen eindeutigen Hinweis. Sie widerlegt aber Müllers Zuspitzung. Allerdings enthebt dies Regierung wie Opposition nicht der Verantwortung, sich Gedanken über mehr Verkehrssicherheit zu machen. Handlungsbedarf besteht vor allem bei den gefährlichen Autobahnen. Die Grünen fordern generell Tempo 120 - auch aus Umweltschutzgründen. Verkehrsminister Rentsch ist strikt dagegen.

dpa

Quelle: op-online.de

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