Die Marsmenschen vom Main

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Frank Brenker mit dem wertvollen Himmelsboten, der über eine Million Jahre unterwegs war

Frankfurt (mic) - Leben auf dem Mars? Gab es das einmal oder gibt es das vielleicht immer noch? Der Frankfurter Geowissenschaftler Professor Frank Brenker sucht nach Antworten: mit Hilfe eines Gesteinsstücks aus einem spektakulären Meteoritenfall.

Das grau-schwarze Stück fiel vor fast einem Jahr, am 18. Juli 2011, vom Himmel. Ein Gruß vom Mars, gelandet in der Sahara und auf Umwegen mit der Post auf dem Schreibtisch des international renommierten Mineralogen der Goethe-Universität Frankfurt eingetroffen.

„Jetzt können wir nach frühen Lebensspuren suchen“, freut sich Brenker. Er hat keine Zweifel, dass sich Leben auf dem Mars entwickeln konnte: zum Beispiel in den damaligen Ozeanen, Flüssen und Seen. Denn am Anfang herrschten auf unserem Nachbarplaneten Mars vermutlich die gleichen Startbedingungen wie auf der Erde. Erst nach dem Verlust des Mars-Magnetfelds entzog der starke Sonnenwind dem Planeten das Wasser, das heute nur noch an den eisigen Polkappen zu finden ist. Die Marsoberfläche wurde lebensfeindlich.

Ihrem Gesteinsbruchstückchen wollen Brenker und sein Team entlocken, welche Prozesse im Innersten und an der Oberfläche des Mars abliefen. Sie erhoffen sich Einblicke in die vulkanische Aktivität des roten Himmelskörpers. Gesucht wird auch „nach Verwitterungsprodukten und dann nach Lebensspuren“, sagt Brenker. Fürs erste hat er mit seinem Team das kosmische Material fotografiert und die Oberfläche mit dem Laser abgetastet.

An der Spitze dabei

Kleinere Proben will er anschneiden, um die chemische Zusammensetzung herauszufinden – Gaseinschlüsse wären eine zusätzliche Möglichkeit nachzuweisen, dass die Meteoriten-Bruchstücke vom Juli 2011 wirklich vom Mars stammen. Die Frankfurter könnten so erste Analysen von internationalen Kollegen untermauern. Die Bruchstücke vom Mars brauchen für die Reise zur Erde meist mehrere Millionen Jahre. Brenkers Bröckchen war etwa 1,1 Millionen Jahre unterwegs. „Trotzdem weist die Probe relativ wenige Verunreinigungen auf und ermöglicht uns einen weitgehend ungetrübten Blick auf die Mars-Oberfläche, denn die Bruchstücke wurden sehr schnell auf der Erde gefunden und hier finden die meisten Veränderungen statt.“ Die Spurensuche wird damit einfacher.

Das internationale Zusammenspiel ist für den ersten Naturwissenschaftler, der je mit der Heisenberg-Professur der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet wurde, selbstverständlich. Als 2006 die Kometensonde „Stardust“ mit Material des Kometen Wild 2 an Bord in den USA landete, schickte die NASA Kometenstaub zur Analyse nach Frankfurt, später folgte die erste Probe von interstellarem Staub. „Ein Vertrauensvorschuss, der den Stellenwert unserer Arbeit belegt: Wir sind mit unseren Messungen und analytischen Möglichkeiten in der Spitze dabei“, sagt der Frankfurter Professor stolz. Beim geplanten Flug zu einem Asteroiden, einem Zukunftsprojekt der europäischen Raumfahrtagentur ESA, mischen die Marsmenschen vom Main ebenfalls mit: Es bestehen gute Aussichten, den Zuschlag für eine der begehrten Laboranalysen zu bekommen. Aktuell kooperiert Brenker eng mit Kollegen im kanadischen Edmonton. Sie ergatterten neben drei Universitäten aus den USA auch eines der Bruchstücke aus dem Fall des Marsgesteins vom Juli 2011.

„Es sind viele Händler unterwegs“

Bodenproben bekommen Forscher über die NASA, von japanischen Wissenschaftlern, die auf Funde aus der Antarktis spezialisiert sind, oder über ein weltweit verzweigtes Händlernetz. „Es gibt einen großen Markt für die exklusiven Proben; es sind viele Händler unterwegs“, erzählt Brenker. Er konnte sein Stück vom Mars dank der Hilfe der Vereinigung der Freunde und Förderer der Goethe-Uni kaufen. Im Unterschied zu projektgebundenen Zuteilungen können die Frankfurter Forscher selbst entscheiden, welche Untersuchungen sie an ihrem eigenen Objekt machen.

Theoretisch fallen alle zwei Monate Meteoriten vom Himmel. Was den Einschlag vor einem Jahr ungewöhnlich und die Wissenschaftler glücklich macht, sind zwei Dinge: „ Er war als spektakulärer Feuerball mit einem gelben Leuchtstrahl gut sichtbar, und er wurde beobachtet und auch gefunden.“ In der Steinwüste nahe Tissint, rund 200 Kilometer südlich von Marrakesch. Die Wüste erwies sich als perfekter Fundort, weil das schwarze, basaltartige Gestein inmitten weißer Wüstensteine gut erkennbar war – „im Odenwald hätte es kaum Chancen gegeben, es wiederzufinden“, scherzt Brenker. Das ursprünglich sieben Kilogramm schwere Stück zerbrach in mehrere Teile. Drei Monate brauchten Beduinen, die den Einschlag erlebt hatten, um die Reste entdecken.

Quelle: op-online.de

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