Sportliche Spannweite

Martin Grubinger und hr-Sinfoniker in der Alten Oper

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Maurizio Kagels „Eine Brise – Flüchtige Aktion für 111 Radfahrer“ eröffnete die „Lange Nacht“.

Frankfurt - Die Frankfurter Alte Oper bringt in einem ihrer „Fokus“-Schwerpunkte Musik und Sport zusammen. Das gipfelte nun in einer „Langen Nacht“ mit vielen Mitwirkenden in einem Haus voll Musik. Von Thomas Ungeheuer

Hat Musik etwas mit Sport gemeinsam? Ja, vor allem wenn ein Künstler während des Musizierens viel in Bewegung gerät. Um den Pulsschlag des Multiperkussionisten Martin Grubinger zu messen, ist er mit einem Gerät verbunden, dessen Ergebnisse live auf einen gut sichtbaren Monitor übertragen werden. So erfährt man, dass dessen Puls bis zu 200-mal in der Minute schlägt, wenn er mit seinen Schlagstöcken ein Vibraphon, diverse Trommeln, einen Mülleimerdeckel, Kochtöpfe und andere Perkussionsinstrumente bearbeitet. Tatsächlich passt der Titel „Virtuoses für Schlagzeug“ bestens. Nicht nur wenn der Österreicher allein musiziert, staunt man über die enorme Präzision seines Spiels, sondern erst recht, wenn er mit vier Musikern des hr-Sinfonieorchesters bei Keiko Abes „The Wave For Solo Marimba And 4 Percussionists“ in Aktion tritt. Als erster Künstler des Konzertabends wird er vom überaus beeindruckten Publikum im Großen Saal gefeiert.

Aber auch das hr-Sinfonieorchester zeigt sich unter der Leitung des Rumänen Cristian Macelaru als ein Ensemble von Weltklasse. Ob es nun unter dem Programmpunkt „Sportliches für Orchester“ die „Olympic Fanfare And Theme“ von John Williams spielt oder unter dem Motto „Rugby“ die Geigerin Vilde Frang bei Erich Wolfgang Korngolds „Violinkonzert D-Dur. Op 35“ begleitet. Ungemein fein nuanciert und voller Klarheit erscheinen die farbenreichen Klangbilder, die das Orchester mit dem Ausnahmetalent aus Norwegen kreiert. Ihre Leichtigkeit ist schlicht verzaubernd. Freilich kann das Publikum nach den jeweils etwa dreiviertelstündigen Konzerten auch den Großen Saal verlassen, um in anderen Räumlichkeiten Konzerte oder Vorträge zu besuchen, die so illustre Titel tragen wie „Schlagzeugern in den Kopf geschaut“. Auch dort gibt es eine ungemein große Vielfalt von Musik völlig unterschiedlicher Komponisten aus sämtlichen Epochen zu entdecken. Unter ihnen Johann Stamitz (1717-1757), Eric Satie (1866-1925) oder John Cage (1912-1992).

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Das rauschende Finale findet jedoch für alle Besucher wieder im Großen Saal statt. Gemeinsam mit dem Star des Abends, Martin Grubinger, sorgt das hr-Sinfonieorchester bis Mitternacht noch einmal für Hochgenuss mit Martin Smolkas „Observing The Clouds“ (2003) und Tan Duns „Tears Of Nature“ (2012).

Quelle: op-online.de

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