In der Maske gibt‘s den Sonnenkuss

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Farbenfrohe Mode hat die Zeitschrift „Brigitte“ auf ihrer Modenschau präsentiert.

Musik ertönt, die Show beginnt. Langsam schreitet das erste Model über den meterlangen Laufsteg in der Wintersporthalle an der Otto-Fleck-Schneise. Klassisch gekleidet und trotzdem nicht langweilig - „Modern Classic“. Die Brigitte-Modenschau präsentiert in 15 Themen die neusten Trends der Frühjahrs- und Sommermode.

Doch was den 470 geladenen Gästen in der Halle verborgen bleibt: Vorbereitungen und Stress hinter der Bühne.

Rückblende, 17 Uhr: Noch ist der Teppich im Eingangsbereich der Wintersporthalle abgeklebt - statt glamourösem Rot nur Plastikfolie. Bis zur letzten Minute vor Einlass der Zuschauer hat das Team alle Hände voll zu tun, damit in der schlichten Sporthalle eine festliche Modenschaustimmung Einzug halten kann. Durch die Zwischentür der Halle tritt drei Stunden vor Beginn der Modenschau ein Mann mit einer Malerrolle in der Hand. Vor wenigen Minuten hat er dem Laufsteg an einigen Stellen neue graue Farbe verpasst, damit die Straße der Mode am Abend fein rausgeputzt ist.

Hinter der Bühne, in unscheinbaren Räumen, sitzen die Models in Jeans und Schlabberpulli und warten darauf, im ebenso unscheinbaren Nebenzimmer gestylt zu werden. Um Schminke und Haare kümmert sich das Ursula Hass-Styling-Team aus Frankfurt. Bereits zum dritten Mal begleitet die Crew die Modenschau der Frauenzeitschrift, die im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfindet. Auch bei „Popstars“ und „Germany‘s Next Topmodel“ waren die Stylisten schon im Einsatz - Aufträge bei Modenschauen, Filmaufnahmen oder für Hochzeiten gehören zum Job.

Von Feindseligkeiten unter den Models - zwölf Frauen und ein Mann - ist keine Spur. „Die sind alle ganz nett, überhaupt nicht zickig“, sagt Violetta Gabrisch. Schnell, aber dennoch voll konzentriert, trägt sie Make-Up, Puder und Co auf. Gekonnt arbeitet sie die Gesichtszüge der Models heraus - alles abgestimmt auf den späteren Auftritt. Natürliche Make-Ups, ein wenig schillernd mit Gold- und Bronzetönen, seien gerade der Trend, sagt Theresia Pistel. „So ein wenig 70er-Jahre-Stil ist angesagt, die Haare luftig und wellig mit Mittelscheitel, dazu rosige Wangen - ‚sunkissed‘.“

Früh hatte das vierköpfige Stylingteam mit den Vorbereitungen angefangen. In vielen Taschen schleppten Theresia Pistel, Maria Peschel, Daniela Pietralla und Violetta Gabrisch Tuben, Flaschen und Spraydosen mit Stylingprodukten sowie Pinsel, Kämme, Bürsten, Haarklammern, Föns und Glätteisen in die Sporthalle.

Zwei bis drei Stunden braucht das Team fürs Basis-Styling, das so genannte Finish folgt etwa eine Stunde vor der Show. Dann geht es an die festgesteckten Locken, und die Frisuren bekommen den letzten Schliff verpasst. Haarsträhne um Haarsträhne zieht Theresia Pistel durch das Glätteisen und fixiert die Frisur mit Haarspray. Auch direkt hinter dem Laufsteg herrscht ein kreatives Chaos. Sind die Models bei den Visagisten durch, haben die drei Brigitte-Redakteurinnen Katja Sachse, Melanie Grefer und Sophia Costima das Sagen. An Garderobenstangen hängen frisch aufgebügelt die einzelnen Outfits, die von Frühjahr und Sommer erzählen, auf dem Boden Schuhe und Taschen. „Fuchsia-, Smaragd- und Hummer-Töne sind in der Mode angesagt, und auch leichte Stoffe wie Chiffon und Seidensatin gehören dazu“, sagt Katja Sachse, während sie Kleider ordnet und die dazu passenden Accessoires sortiert.

Die Schau hat Tradition. Bereits zum 16. Mal hat die Frauenzeitschrift nun schon mit ihrer Modenschau in Frankfurt Halt gemacht. Wenn Models und Mode auf Tour durch Deutschland – München, Frankfurt, Düsseldorf und Hamburg – gehen, dann ist die Crew gut organisiert. Um Casting und Models kümmerte sich das Londoner „Production Team“, für das Gesamtkonzept war zum dritten Mal in Folge das Frankfurter „Nordisk Büro Plus“ zuständig. „Wir haben in diesem Jahr alles unter das Motto ‚Straße‘ gestellt“, sagt Lorenzo Bizzi. Ein Jahr Vorlaufzeit müsste für solch eine Tour schon eingeplant werden, verrät der Creative Director. In vier Sattelzügen transportiert das Team Notwendiges für die Modenschau durch Deutschland.

Von all den Vorbereitungen bekommen die Zuschauer nichts mit. Ihre Augen haften 40 Minuten lang an Models und Mode. Mit dem locker-leichten Südfrankreich-Feeling „St. Tropez“ schließt die Show ab. Durch einen Regen aus bunten Papierschnipseln schreiten die Models in bodenlangen Seidenkleidern mit farbenfrohem Blumendruck und seidigen Tuniken zum Finale über den Laufsteg. Dann ist alles vorbei, nur die Papierschnipsel liegen noch auf dem Boden. Die Zuschauer sind gegangen. Sie tummeln sich auf der After-Show-Party, während das Styling-Team hinter der Bühne Unmengen an Kleidern und kofferweise Kosmetik zusammenpackt.

CHRISTINA SCHÄFER

Quelle: op-online.de

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