Aus die Maus, für immer bubu

Wiesbaden -  Sterben ist eigentlich eine tieftraurige Angelegenheit. Doch so manche Nachrufe fallen eher in die Kategorie Komik. Von Jan Brinkhaus (dpa)

Ein Gänseblümchen macht nun für immer bubu“, heißt es etwa in einer Todesanzeige, „Walli hat ihren Platz auf einer grünen Wiese gefunden.“ In einer Stuttgarter Zeitung erinnerten Freunde oder Angehörige an einen toten Fußballfan: „Er starb wie gewünscht im Neckarstadion.“ Kuriositäten wie diese sammelt seit vielen Jahren der Wiesbadener Christian Sprang. Aus fast 300 Fundstücken ist nun das Buch „Aus die Maus“ (Kiepenheuer & Witsch, Köln) entstanden, das Sprang gemeinsam mit dem Autor Matthias Nöllke herausgebracht hat.

So unterschiedlich die Trauer über den Verlust eines Menschen ist, so unterschiedlich fallen auch die Nachrufe aus. „In manchen Todesanzeigen gelingt es, in wenigen Worten ein ganzes Menschenleben zusammenzufassen, in anderen verbinden sich tiefste menschliche Tragik und höchste Komik in wenigen Zeilen zu einer untrennbaren Einheit“, hat Sprang beobachtet.

Und das kann dann so aussehen: „Wie im Leben - Oma rief - Opa kam“, steht entwaffnend ehrlich in einer Anzeige. „Grand-Hand verloren“, überschreiben Skat-Brüder den Nachruf für einen Spielkameraden. Überhaupt spielt die liebste Freizeitbeschäftigung des Verstorbenen so manches Mal in den Todesmitteilungen eine wichtige Rolle.

Daneben erinnern die Angehörigen gerne an den Beruf des Verstorbenen. Bemüht poetisch ist dieser Nachruf auf einen Uhrmacher: „Sein Herz ist stillgestanden - doch seine Uhren ticken weiter!“ Auch in dieser Anzeige schlägt sich der Beruf nieder: „Erwin hat die Lampen in seinem Fachgeschäft nach 50 Geschäftsjahren abgeschaltet und sich nun auf die lange Reise zu seiner geliebten Ilse begeben“, heißt es über einen Elektromeister. Mitarbeiter eines Kaufhauses nehmen mit den Worten Abschied von ihrem Kollegen: „Er hat den Besen weggestellt.“

„Ich bin umgezogen.“

Unschwer zu erkennen ist in einer anderen Anzeige die Todesursache: „Scheiß Motorrad“ heißt es in den Abschiedsworten für „Crümel“. Den Hinterbliebenen eines anderen Unfallopfers war es wichtig, noch etwas klarzustellen: „Er hatte Vorfahrt!“ Einige Menschen bevorzugen noch zu Lebzeiten selbst formulierte Anzeigen, die nach ihrem Ableben erscheinen. Einer bringt es mit simplen Worten auf den Punkt: „Ich bin tot.“ Ein anderer lässt ausrichten: „Ich bin umgezogen.“ Darunter die neue Adresse auf einem Züricher Friedhof.

Nicht immer wird in den Nachrufen die ungeschriebene Regel eingehalten, nicht schlecht über Tote zu reden. „Der Tod ist barmherziger als Deine Unbarmherzigkeit“, schickt ein „Heini“ als letzten Gruß seiner „Rita“ hinterher. Keine guten Erinnerungen an seinen Arzt hatte auch ein anonymer Schreiber: „Zum Tode von Dr. med. Volker P. fällt mir nur ein Wort ein: Danke. Ein Patient.“ Zuweilen richtet sich der Hass auch gegen diejenigen, die noch leben. „10-jähriges Jubiläum einer gut versorgten Witwe“, ist eine zornige Gedenkanzeige überschrieben.

Das Internetportal von Christian Sprangs gesammelten Todesanzeigen.

Begonnen mit dem Sammeln von Todesanzeigen hat Sprang, der als Justiziar des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels arbeitet, im Studium. „Schon als Abiturient habe ich morgens in der Lokalzeitung regelmäßig die Seite mit den Todesanzeigen studiert“, schreibt Sprang. In seiner Wohngemeinschaft schnitt er dann in der Studentenzeit die erste Anzeige aus der Zeitung aus, sein neues Hobby sprach sich schnell herum. Freunde und Bekannte begannen, ihm weitere Fundstücke zu schicken. Die Sammlung wuchs und wuchs. Seit 2003 veröffentlicht Sprang sie auf einem  Internetportal.  Der Stoff dürfte dem Wiesbadener auch in Zukunft nicht ausgehen. Gestorben wird immer.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Pixelio

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare