Max Goldt im Mousonturm

Aberwitzig alltägliche Goldt-Stücke

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Max Goldt

Frankfurt - Vom Sodbrennen über ein Frühstück im Ritz-Carlton bis hin zum Snobismus ist es inhaltlich ein weiter Weg, für Max Goldt lediglich ein kurzer Spaziergang. Von Maren Cornils

Denn kaum, dass der Kolumnist im ausverkauften Frankfurter Mousonturm begonnen hat, sich Gedanken über den Ursprung „grünlicher Gülleblasen“ und die Volkskrankheit Sodbrennen zu machen, stellen sich ihm auch schon andere, noch viel elementarere Fragen.

Zuhören können, das wird schon in Goldts erstem Beitrag - entnommen aus „Ein Buch namens Zimbo“ - klar, ist eine Grundvoraussetzung, um dem redegewandten Autor folgen und seine langen Monologe genießen zu können. Wer diese Disziplin nicht beherrscht, für den ist der ununterbrochene, vor allem aber scheinbar ungeordnete Redefluss eine Tortur, und er läuft nicht nur Gefahr, den Faden zu verlieren, sondern auch Goldts feinen Witz zu verpassen, der sich immer an solchen Stellen einschleicht, an denen man ihn am wenigsten erwartet.

Mal zeigt sich Goldts Humor ganz offen, etwa in der seinem neuen Buch „Räusper“ entnommenen Glosse „Schlemmen am Stadtrand“, wo sich zwischen einer hippen Städterin und einem potentiellen Vergewaltiger in einem dunklen Park ein mehr oder weniger abstruser Dialog entspinnt, bevor der Mann ihr in bester Vertretermanier diverse Beauty-Produkte aufschwätzt.

Mal zeigt sich Goldts Vorliebe für tiefschwarze Komik eher versteckt. Da wird in „Erläuterungen zum Stand der Dinge“, ebenfalls aus „Räusper“, darüber philosophiert, wie die Medien wohl damit umgegangen wären, wären Helmut Schmidt und Helmut Kohl am selben Tag verstorben. In „Charlies Tante in der Wüste“ spießt Goldt hingegen Erinnerungen an eine Qatar-Reise auf und lässt die Stationen genüsslich und sehr zum Vergnügen seines Publikums, Revue passieren.

Dieser Mann liebt es, im Alltäglichen das Aberwitzige zu suchen und sich von den Plattitüden seiner Mitmenschen zu Kolumnen inspirieren zu lassen, deren Ziel nur der Autor selber kennt. Ein Vergnügen, ihm bei seinen verschlungenen Exkursen zu lauschen, ist es allemal.

Quelle: op-online.de

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