Clubbetreiber Ata Macias kommt ins Museum

Maximal angesagt bei minimaler Show

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Atanasios Macias, kurz Ata, sitzt im Frankfurter Bahnhofsviertel vor seiner Bar Plank. Der 46-Jährige gründete auch den bekannten Houseclub Robert Johnson in Offenbach.

Offenbach/Frankfurt - Er wollte einen Club mit guter Musik und nix sonst. Er wollte morgens einen anständigen Kaffee in der Bar unter seiner Wohnung. Er wollte, dass abends zum Kochen immer Freunde vorbeikommen.

Und weil es das nicht gab in seiner Heimatstadt Frankfurt, hat Ata Macias diese Läden eben selbst aufgemacht: das Robert Johnson in Offenbach sowie das Plank und den Club Michel in der Bankenmetropole. „Ich hab das nur für mich gemacht“, sagt der 46-Jährige, „aus der Not heraus. “ Aber dann waren immer alle da: die Städelschul-Leute, die tagsüber Künstler sind und abends bei Ata hinterm Tresen stehen, die Hipster, die ins nun wieder angesagte Bahnhofsviertel ziehen, und jene Otto-Normal-Ausgeher, die einen ähnlichen Geschmack haben wie der in Frankfurt geborene Sohn einer Spanierin und eines Griechen. Nun kommt Macias sogar ins Museum. Am 13. September eröffnet das Museum für Angewandte Kunst eine Ausstellung über sein Schaffen. Es ist „eine Ausstellung zur Frage, was angewandte Kunst heute sein kann“, sagen die Kuratorinnen Eva Linhart und Mahret Kupka. „Nicht das Werk steht im Zentrum, sondern Prozess und Ereignis seiner Entstehung.“ Die beiden Frauen brauchten ein bisschen Überredungskunst, Macias davon zu überzeugen, dass das, was er macht, Kunst ist. Er selbst sieht sich als „Musiker und Macher“.

Als Jugendlicher hat er eine Lehre als Raumausstatter gemacht. Dann kam Techno, bis heute arbeitet er als DJ. Seit er zwei kleine Kinder hat, legt er nur noch selten auf. Und auch, wenn er um fünf Uhr morgens heimkommt, reißt er sich am Riemen und steht wieder mit seinen Söhnen auf. Seit 15 Jahren gibt es das Robert Johnson in Offenbach. „Ein Club, der nicht nach Club aussieht“, sagt der Gründer, eine Anti-Disco: keine Tanzfläche, keine Lichtanlage, keine Spirituosen hinter der Bar, kein Keller, keine Rüpel-Türsteher. Ein leerer Raum mit Balkon zum Main mit handverlesenen DJs, die nicht angekündigt werden, „damit die Leute nicht wegen des Namens kommen, sondern wegen der Musik.“ Der Freundeskreis wurde älter, bekam Kinder, ging nicht mehr so viel aus. „Ich wollte ihnen einen Ort geben“, sagt Macias. So entstand der erste Club Michel über dem Atelier seines Freundes Tobias Rehberger, dem Künstler und Städelschul-Professor. Tagsüber war der Raum in der Nähe der Zeil Macias’ Büro, abends wurde gemeinsam gekocht und gegessen, getrunken und geredet. Als das Haus abgerissen wurde, zog der Club Michel in die Münchner Straße im Bahnhofsviertel.

„Man soll den Kaffee gut finden, nicht die Show“

Willkommen ist jeder. Zwar muss man formal Mitglied im Club werden, sich anmelden, die versteckte Klingel finden und in den ersten Stock hochsteigen. Drinnen aber geht es absolut leger zu, trotz der Zugangshürden ist der Laden alles andere als elitär. Dass die Laufkundschaft draußen bleibt, gefällt Macias, er will, dass sich seine Gäste „ein bisschen bemühen und dass sie sich einer bestimmten Familie zugehörig fühlen“. Ata Macias wohnt selbst im Bahnhofsviertel, über dem Plank, das er 2010 aufgemacht hat. Tagsüber gibt es Kaffee und Kuchen, abends Alkohol und Menschenmassen auf der Straße. Vorher war dort das Kronprinzeneck, „eine heftige Ecke“ mit Nutten und Junkies und Gebrüll die ganze Nacht. „Ich wollte schon immer in einem Haus leben, wo es unten einen guten Kaffee gibt“, erzählt der Besitzer. In Italien lässt er für einen fünfstelligen Betrag eine Espressomaschine handfertigen, stellt die dann aber nicht auf den Tresen. „Die Leute sollen den Kaffee gut finden, nicht die Show.“

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Die Einrichtung klaubt er auf Flohmärkten zusammen: Marmortische, japanische Stoffe für die Polster, alte Silberkännchen. Die Wände sind komplett schwarz vertäfelt. Sein nächstes Projekt in Frankfurt werde „etwas mit Ernährung“ zu tun haben, verrät er. Ein Projekt zusammen mit dem Walon&Rosetti und dem Maxie Eisen, zwei weiteren Bahnhofsviertel-Lokalen mit ähnlichem Konzept und Stil. Er selbst will das Bahnhofsviertel, das er geprägt hat, hinter sich lassen. Er will Stille und Natur. Auf Sardinien will er einen alten Bauernhof kaufen und dort mit seiner Familie als Selbstversorger leben. Dank Vollbart, Bauch und Birkenstock kann man sich das ganz gut vorstellen. Aber die Freunde kommen sicher auch dort vorbei.

dpa

Quelle: op-online.de

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