Anwohner berichten über Probleme

Wieder mehr Dealer an der „Konstabler“

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Die Polizei zeigt Präsenz an der Konstablerwache. Dennoch hat der Handel mit Drogen hier in jüngster Zeit zugenommen.

Frankfurt - Die Konstablerwache ist ein Platz zum Geldverdienen. Doch nicht nur Ladenketten machen hier Umsätze, auch Drogendealer gehen ihren Geschäften nach. Seit Jahrzehnten wird dort mit Rauschgift gehandelt. Von Lara Sturm

Jetzt soll sich die Situation weiter verschlimmert haben, klagen Geschäftsleute und Anwohner. Spärliche Sonnenstrahlen kitzeln auf der Haut und erinnern an den Sommer. An der Konstablerwache, von den Frankfurtern auch liebevoll „Konsti“ genannt, flanieren Hunderte Menschen. Eine Straßencombo spielt.

Ein Oboist zaubert eine melancholische Melodie aus dem schmalen Instrument. Schnell bildet sich eine Menschentraube. Dann setzen die Trommler und der Gitarrist ein. Das Lied wird fröhlicher, lauter, rhythmischer. Zwei Mädchen in bunten Sommerkleidern wippen im Takt. Hier zwischen all dem Menschengewirr sollen Drogen, hauptsächlich Cannabis, verkauft werden. Hier? Undenkbar!.

„Doch, doch“, sagt einer der Straßenmusiker, „wir bekommen das schon mit. Hier und in der Fahrgasse verkaufen die Jungs ihren Stoff.“ Ein Luftballonverkäufer mischt sich ein. Über ihm wabert ein bunter fliegender Teppich aus gasgefüllten Figuren. Im Gegenzug für ein paar Münzen reicht er einem Jungen einen schwebenden Leoparden. „Dass die hier dealen, ist doch nichts Neues“, sagt er verächtlich. Ob es denn in letzter Zeit schlimmer geworden sei? Er zuckt mit den Achseln: „Ist halt mal mehr, mal weniger.“

Das kann auch Hiltrud Frühwald, Geschäftsführerin des Schuhhauses Sauer in der Fahrgasse, bestätigen: „Wir machen das seit 30 Jahren mit. Gerade im Winter, wenn es schon früh dunkel wird, fühlen sich die Kunden unsicher und kommen dann lieber nicht hierher.“ Von der Polizei habe sie sich aber immer gut vertreten gefühlt: „Die Polizisten regeln das wirklich gut. Unaufgeregt und professionell.“ Ein Anwohner stimmt ihr zu: „Die Polizei tut schon, was sie kann. Wenn dann abends die Grüppchen von zehn, zwanzig Leuten herum stehen und einem Marihuanaschwaden entgegenkommen, will man trotzdem lieber umziehen.“ Er findet, die Situation habe sich wieder verschlimmert. Seit eine Spielhalle in der Fahrgasse dicht gemacht habe, würden sich die Drogenhändler wieder vermehrt auf der Straße aufhalten.

Ein Ladenbesitzer aus der Fahrgasse sieht den Grund für die verschlechterte Situation bei den Ordnungshütern: „Die Polizei kommt doch eh nur zu Zeiten, wo nichts los ist. Um elf Uhr früh oder um zwei Uhr nachmittags, da schlafen die Herrschaften doch noch.“

In der Hand von nordafrikanischen Dealern

Die Herrschaften, wer ist das überhaupt? Laut der Polizeipressestelle Frankfurt ist der Drogenhandel rund um die Konstablerwache in der Hand von nordafrikanischen Dealern. Meist junge Männer gehen hier ihren Drogengeschäften nach. Wenn man ihn nur lange genug ansieht, dann schlendert der halbwüchsige Mann mit den dunklen Augen auf einen zu. Ganz lässig kommt er näher und bietet am helllichten Tag zwischen all den Menschen Cannabis an. Er nennt es „Weed“, auf Deutsch „Gras“. Vor der Frankfurter Polizei habe er keine Angst, meint er lachend.

Diese äußert sich dazu auf Nachfrage wie folgt: „Auf solch einer Ebene führen wir keine Gespräche.“ Der Drogenhandel an der Konstablerwache und in der Fahrgasse sei ein gesellschaftliches Problem. Dessen bisherige Unlösbarkeit könne man nicht nur der Polizei zuschieben. Seit der Videoüberwachung der Konstablerwache, die am 22. Dezember 2000 startete, sei der Rauschgifthandel zwar an diesem Standort zurückgegangen, habe sich aber auf Nebenstraßen wie die Fahrgasse verlagert. Die Dealer wüssten genau, was sie täten. Sie hätten immer nur geringste Mengen Cannabis bei sich und entkämen mit diesem Trick oft einer Gefängnisstrafe, klagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums.

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Auch der Stadt Frankfurt sind die Sorgen der Anwohner und Geschäftsleute bekannt. Ein Sprecher des Oberbürgermeisters Peter Feldmann (SPD) versicherte, man nehme diese Sorgen „sehr ernst“. Die Stadt sei fest entschlossen, alles zu tun, damit sich die Lage verbessere. Auch mit der hessischen Landespolizei werde eng zusammengearbeitet, um den Drogenhandel schnell und effektiv zu bekämpfen.

Doch wie sollen sich die geplagten Anwohner und Geschäftsleute verhalten? Regina Ernst, Geschäftsführerin des Drogenreferats Frankfurt, empfiehlt: „Bleiben Sie in guter Kommunikation mit der Polizei.“ Auch Frank Goldberg, Geschäftsführer des Präventionsrats der Stadt Frankfurt, rät „zur engen Zusammenarbeit mit der Polizei.“ Hinweise von Anwohnern und Ladenbesitzern könnten zur Eindämmung des Rauschgifthandels beitragen. Goldberg weiß, dass an der Konstablerwache und in der Fahrgasse „wieder vermehrt gedealt wird“. Dies schüre Unsicherheit in der Bevölkerung. Er möchte dafür weder der Polizei noch der Stadt Frankfurt die Schuld in die Schuhe schieben. Dennoch findet er die Situation „nicht akzeptabel“.

Quelle: op-online.de

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