Mehr Enthusiasmus, bitte!

Frankfurt -  Da muss die selbsternannte „Hauptstadt des Frauenfußballs“ aber noch ’ne Schippe Enthusiasmus draufpacken. Es fehlt noch einiges an Feierlaune bei der Eröffnungsfeier „Ballzauber“ zur Frauen-Fußball-WM. Von Michael Eschenauer

Seit Wochen liegen die Medien im Zustand weibbewegter Dauerhysterie, um ihre Deutschen auf eine für die Frauen-WM taugliche Betriebstemperatur zu bekommen - und dann das: Bei der Eröffnungsshow „Ballzauber“ am Samstagabend auf dem Main in Frankfurt drücken sich zwar zigtausend Menschen das Sachsenhäuser Ufer entlang, der Hessische Rundfunk und diverse Sponsoren lassen die Musikboxen vibrieren, aber von wirklicher WM-Begeisterung wie beim Männer-Sommermärchen 2006 sind diese einhertrottenden Massen weit entfernt.

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Schwarz-rot-goldene Trikots, Fahnen, Gesichtsbemalung, verrückte T-Shirts, ja einfach nur Ausgelassenheit? Fehlanzeige. Die sichtbare Begeisterung beschränkt sich hier auf die Profieinheizer an den Bühnen und weitere drei Menschen: Thomas Maceus aus Limburg sowie das Ehepaar Marion und Manfred Müller aus Frankfurt. Maceus hat sich einen auffälligen Hut aufgesetzt und trägt Gesichtsbemalung. „Die Frauen-WM ist eine tolle Sache, da muss man einfach voll mitgehen“, sagt er. Die Müllers verfolgen mit WM-Strohhut, Deutschland-Leibchen, Schal und Zylinder das Spektakel von der Untermainbrücke aus. „Ja, die sind alle ziemlich grau hier. Wir kommen uns ein bisschen fehl am Platze vor, aber die Begeisterung wird nach den ersten Spielen kommen“, sagt Marion. Ein paar Passanten drehen sich verwundert um.

An der über eine halbe Stunde dauernden Show kann es nicht gelegen haben, dass die Massen nach dem letzten Kanonenschlag höflich applaudieren und heimgehen. Rund um eine langgestreckte Plattform mit einem 15 Meter hohen stilisierten Fußball als Bühne und Projektionsfläche produzierten 250 Künstler ein Fest für Augen, Ohren und die Seele. Ein üppiges Feuerwerk mit Musikuntermalung, ein Laserdom mit hunderten Luftballons, Spielszenen, die auf den Riesen-Fußball geworfen wurden, Trommlerinnen in Ruderbooten, Wasserskifahrer mit Flaggen, eine Opernsängerin und viel, viel Pathos - der „Ballzauber von Frankfurt“ mit seiner meisterhaften Choreografie muss den Vergleich zur Eröffnung der Männer-WM nicht scheuen. Vielleicht braucht Deutschland einfach noch etwas Zeit, um in Fahrt zu kommen.

Quelle: op-online.de

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