Kampagne „Mit dem Rad zur Arbeit“ startet in Frankfurt

Mehr Gesundheit und weniger Stress

+
Beispielhaft und schneller als die Autos: Christine Rhodes, Mitarbeiterin des ADFC und Projektleiterin der Radfahr-Aktion, saust mit dem Klapprad durch die Frankfurter Innenstadt.

Frankfurt - Hessen beteiligt sich zum fünften Mal an der Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“. Rund 11 400 Arbeitnehmer aus 1150 Unternehmen haben 2008 mitgemacht. Die Zahl der Teilnehmer ist seit 2005 um mehr als 100 Prozent gestiegen. Von Ira Schaible

Der grüne Hans-Christian Ströbele ist in Berlin fast immer mit dem Rad unterwegs, aber auch Bundestags-Vizepräsidentin Susanne Kastner (SPD) und Autoindustrieverbands-Chef Matthias Wissmann treten häufig in die Pedale. Im besonders fahrradfreundlichen Münster nimmt „Tatort“-Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) gerne das Rad, in Frankfurt sausen der grüne Europa-Politiker Daniel Cohn-Bendit und Büchner-Preisträger Martin Mosebach damit durch die Gegend. Die Bankenstadt im Rhein-Main-Gebiet haben sich der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) und die Krankenkasse AOK als Start für ihre bundesweite Kampagne „Mit dem Rad zur Arbeit“ ausgesucht.

In Frankfurt könne man „erleben, wie Anzug und Rad zusammenpassen“, sagt ADFC-Marketing-Chef Karsten Klama. Frankfurts Gesundheits- und Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Grüne) weiß: „Man kann auch in Stöckelschuhen mit dem Rad zur Arbeit fahren.“ Die Wege in Frankfurt seien zudem kurz und „ein Vorteil ist, dass man keine richtig hohen Berge auf dem Rückweg hat“.

Sogleich zählt Rottmann die gesundheitlichen Vorteile des Velos auf: „Es hält den Kreislauf auf Trab, stärkt das Immunsystem und ist ein natürlicher Stressabbau. Der Fahrtwind pustet einem die Sorgen, Ärgernisse und Kümmernisse weg und man kommt relativ entspannt zu Hause an.“ Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfehle zwei- bis dreimal in der Woche 30 Minuten Bewegung, dafür sei Radeln optimal, „weil man es so machen kann, wie es zu einem passt“. Und natürlich sei es eine „emissionsfreie und preiswerte Bewegungsart“, betont die Umweltdezernentin.

Fahrrad-Corso zu Start auf dem Römerberg: Wer bei der Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“ mitmacht, muss bis zum 31. August mindestens 20 Tage per Rad zum Job fahren.

AOK-Geschäftsführer Rainer Dittrich übersetzt das in Zahlen: Beschäftigte, die drei Kilometer zur Arbeit radeln, seien einer niederländischen Studie zufolge im Jahr durchschnittlich einen Tag weniger krankgeschrieben als Nicht-Radfahrer. Dabei gilt: Je länger die Strecke und je häufiger das Fahrrad genutzt wird, desto niedriger ist die Krankheitsquote. Auf Deutschland umgerechnet bedeute dies: „145 Millionen Euro könnten gespart werden, wenn wir nur ein Prozent mehr Radfahrer zur Arbeit hätten.“

Die umweltfreundliche Mobilität mit den gesundheitlichen Vorteilen täglicher Bewegung zu verbinden ist das Ziel der neuen Kampagne. Von Anfang Juni an bis Ende August sollen möglichst viele Beschäftigte in Deutschland an 20 Tagen - also etwa jedem dritten Arbeitstag - vom Auto auf den Sattel umsteigen. Dabei kann auch Rad fahren mit Bus und Bahn kombiniert werden, auf die Länge des Weges kommt es nicht an. Beteiligen können sich je nach Bundesland Einzelpersonen oder Teams. Das Bundesgesundheitsministerium spricht von einer vorbildlichen Präventionskampagne.

Weitere Informationen gibt es unter:

www.mit-dem-rad-zur-arbeit.de

Rund 168 000 Menschen aus 16 000 Betrieben haben sich 2008 beteiligt, dieses Jahr sollen es nach dem Willen der Organisatoren noch mehr werden. Gut jeder Zweite gab im vergangenen Jahr im Anschluss an, im Alltag entspannter angekommen zu sein, ein Drittel fühlte sich fitter. Der ADFC schätzt das Potenzial der Pendler in Deutschland, die aufs Rad umsteigen könnten, auf rund sieben Millionen. Ideal sei dafür ein Weg von weniger als zehn Kilometern.

Rad fahren ist nach Darstellung des stellvertretenden ADFC-Bundesvorsitzenden Bertram Giebeler längst ein „weltweiter Trend“. Die südkoreanische Metropole Seoul mit ihren rund elf Millionen Einwohnern setzte auf eine Kombination aus öffentlichen Verkehrsmitteln und Rad, auch die kolumbianische Hauptstadt Bogotá habe eine moderne Verkehrskonzeption mit Rädern erarbeitet und New York baue die 9th Avenue zu einer Rad- und Fußgängerfreundlichen Meile um.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare