Mehr Jobs vermittelt

Dietzenbach - Der Kreis Offenbach und die kreiseigene Pro Arbeit blicken, was die Arbeit als Hartz IV-Optionskommune bei der Vermittlung von Langzeitarbeitslosen betrifft, auf ein Rekordjahr zurück. Von Michael Eschenauer

„Wir konnten noch einmal die Vermittlungszahlen steigern“, berichtete gestern Sozialdezernent Carsten Müller (SPD).

Bis einschließlich November wurden im vergangenen Jahr 6438 Menschen in sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze vermittelt. Mitgezählt wurden allerdings 2000 Mini-Jobber, die zum Teil auf diese Weise Bedürftigkeit vermeiden. Müller sprach hier von einem Sprungbrett, aber auch vom Risiko der Armutsfalle im Alter.

Bei der Endauswertung für 2012 geht Boris Berner, Geschäftsführer der Pro Arbeit, von insgesamt 6800 Vermittlungen aus. Gegenüber 2006 wurde die Zahl mehr als verdoppelt. Grund seien die guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und eine Verbesserung der Prozesse bei Pro Arbeit, so Müller. Nach seiner Einschätzung ist „die Option im Kreis Offenbach eine Erfolgsgeschichte“. Nicht zuletzt, weil man „individuelle und passgenaue Angebote“ machen könne.

Als negativ wurde vermerkt: Die Zahl der Aufstocker, also der Menschen, die von ihrer Arbeit nicht leben können und zusätzlich staatliche Hilfe bekommen, ist mit 4749 Personen nach wie vor hoch. Für Müller ein deutliches Zeichen dafür, dass Deutschland „endlich einen flächendeckenden Mindestlohn braucht“.

Nimmt man die Vermittlungszahlen als Grundlage, ist die Zahl der Hartz VI-Bezieher im Jahresdurchschnitt von 16 505 Personen im Jahre 2010 auf aktuell 14 996 gesunken. Davon sind 5600 tatsächlich arbeitslos, der Rest sind Aufstocker, derzeit nicht vermittlungsfähige Menschen oder Leute in Qualifizierungsmaßnahmen. Besonders erfreulich erscheint den Jobvermittlern, dass trotz Wirtschafts- und Finanzkrise die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten im Kreis um 4,8 Prozent gesunken ist. Das ist eine Verringerung um 749 Personen. Der Rückgang ist laut Berner mehr als doppelt so hoch wie der Hessen-Durchschnitt aller Träger von Grundsicherung.

Klar sei jedoch auch, so Müller, dass der Kreis und Pro Arbeit nur Chancen schaffen könnten. „Ich warne vor allzu viel Euphorie angesichts der guten Zahlen. Denn den Job behalten müssen die Langzeitarbeitslosen selber. Und Fakt ist auch: Der Staat wird es nicht schaffen, alle Menschen aufzufangen. Auch hier im Kreis nicht“, machte Müller deutlich. Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass der Kreis 2012 insgesamt 164 Millionen Euro an Kreis-, Landes- und Bundesmitteln im Rahmen der Tätigkeit als Optionskommune ausgegeben habe. Eine direkte Einsparwirkung gebe es durch die höheren Vermittlungszahlen nicht. „Es rücken immer neue Bezieher nach“, so Müller

Besonders erfreulich ist dagegen die Entwicklung bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von unter 25 Jahren. Hier verzeichnet der Kreis innerhalb eines Jahres einen Rückgang von über elf Prozent.

Auch der Arbeitsmarkt insgesamt entwickelte sich 2012 im Kreis positiv. So waren hier Ende Dezember 9318 Menschen bei der Bundesagentur für Arbeit arbeitslos gemeldet. Zum Vergleich: Ende 2005 waren noch 13 765 Menschen arbeitslos gewesen. Der aktuelle Wert entspricht einer Quote von 5,2 Prozent. Der Kreis nähert sich statistisch der Vollbeschäftigung. Bei der Jugendarbeitslosigkeit hat die Region diesen Status mit zuletzt 2,8 Prozent arbeitslosen Jugendlichen zwischen 15 und 20 Jahren bereits erreicht.

Quelle: op-online.de

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